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Die ersten warmen Strahlen fielen durchs Fenster. Schön, aber: Nachdem uns die kleinen schwarzen Biester monatelang in Frieden gelassen haben, geschah an diesem sonnigen Morgen das Unvermeidbare. Es passierte, als Kind 1 gerade dabei war, online zur Schule zu gehen. Denn für den Bildungsweg verlässt hier seit Monaten keiner das Haus. Ich wollte mir gerade einen Schokoriegel aus dem Küchenschrank holen, um ihn heimlich und ohne infantile Augenzeugen im Homeoffice zu essen.

Kind 2 brüllte durch geschlossene Türen, sodass es in allen Räumen schepperte: „Eine Mücke! Bringt mir die Fliegenklatsche!“ Das Mädchen ist nicht der Typ dafür, zum Spaß Insekten zu zermatschen. Außer es handelt sich um Mücken, diese lautlosen Blutsauger, die es schaffen, an lauen Sommerabenden ganze Familien an den Rand des Wahnsinns zu teleportieren. „Halt“, brüllte Kind 1. Und hektisch begann der Junge, mit imaginären Stoppschildern durch die Luft zu stochern. Er holte ein leeres Glas und stülpte es über die Mücke, die im Badezimmer an der Wand hing wie eine mickrige Version von Spiderman. Auf diesen Moment habe er schon eine ganze Weile gewartet, erklärte mein Sohn. Und zwar plane er, diese Mücke der Wissenschaft zukommen zu lassen. Er sagte, dass es irgendwo in Deutschland Leute gibt, die Mücken sammeln. Darüber habe er einen Film gesehen. Sie wollen herausfinden, welche Keimschleudern hierzulande fröhlich summen und welche Krankheiten sie verbreiten könnten. Die Tigermücke zum Beispiel das Dengue-Fieber. Sie schleicht sich in Süditalien in den LKW voller schicker Fliesen, trinkt sich am Fahrer satt und steigt nach 20 Stunden entspannt in Chemnitz aus, um eine Familie zu gründen.

Kind 1 will diese Mücken-Forschungsgruppe in Brandenburg nun gerne unterstützen. Während unsere erste Mücke des Jahres in ihrem Glas allmählich die Mücke machte, lasen wir im Internet, was zu tun sei. Regel Nummer eins: Man legt Wert auf gutes Material. Die Viecher dürfen nicht plattgehauen sein, sondern sie müssen unbeschädigt bleiben und über Nacht ins Gefrierfach. Nur sehr gut erhaltene Tiere bekommen einen Stern auf dem Boulevard der Stechmücken, also einen Eintrag im Mückenatlas. Fast 30.000 Mücken hat das Institut, wahrscheinlich die Sekretärin, schon aus dem Briefkasten geholt. In naher Zukunft wird auch unsere dabei sein.

Ich frage mich die ganze Zeit, was das alles bringen soll. Als ob das die Viecher ernsthaft an ihrer globalen Invasion hindert.

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