Meine Tage vergehen wie im Flug und sind voll ausgefüllt. Freud und Leid wechseln sich ab. Ich denke an den letzten Freitag zurück.

Sarah, Schülerin der 12. Klasse schreibt an diesem Morgen ihre letzte Prüfung zum Abitur, welches sie zum Studium an einer Universität berechtigen wird.

Ergriffen, nach dem eher plötzlichen Tod von Sarah's Vater in dieser Woche, versprach ich ihr, sie nach der Prüfung nach Hause zum Dorf Mile Twenty zu begleiten, welches ungefähr 50 km von der Schule entfernt liegt. Valerie, Wirtin der Lodge und auch meistens meine "persönliche Fahrerin", ist gern befreit, uns zu fahren.

Von ein paar Schülerinnen begleitet, steht Sarah mit ihrem gesamten Hab und Gut am Ausgang des Internates. Sie hat nur einen Schulrucksack bei sich. "Ist das alles was Du besitzt? Wo ist Deine Decke," fragt Valerie verwundert. Eine zweite Schülerin springt hinten aufs Auto. "Kann sie nicht mal fragen, ob ich sie mitnehme," wird Valerie energisch, "ich bin kein Taxi für alle." Marcus bereinigt die Situation. Das sei die beste Freundin von Sarah, die ihr bei der Beerdigung beistehen wird. Da es schon Mittagszeit ist, lade ich alle ins Kaffeestübchen von Lorett ein. Das ist besonders für die beiden Abiturientinnen eine willkommene Abwechslung. Auf der Weiterfahrt über Rundu hinaus werden wir an der Polizeistation kontrolliert. Wir sehen nicht so aus als seien wir Wilddiebe und dürfen schnell weiterfahren. Sarah's Dorf, von der Straße aus sichtbar, mit zartem Frühlingsgrün der Büsche und Bäume, sieht gepflegt aus im Gegensatz zum Dorf Mayana, wo ich unterwegs bin. In Mayana wird durch die Einheimischen viel abgeholzt. Die Menschen benötigen Feuerholz zum Kochen. Das Dorf Mile Twenty liegt wie ausgestorben da, denn alle Menschen sind für sieben Tage und Nächte bei der trauernden Familie in deren Kraal versammelt. Ich möchte mich verabschieden, doch Sarah bittet mich, mit zu ihrer Mutter, zu ihrer Familie zu kommen. Ich spreche der engsten Familie mein Beileid aus. Die Trauernden sitzen eng gedrängt im sandigen Boden, vor ihnen kleine Schüsseln mit Millipap - Maisbrei. In dieser gesamten Nacht vor der Beerdigung werden sie gemeinsam singen und den Verstorbenen verabschieden. Die nächsten Tage nach der Bestattung diskutiert der erweiterte Familienkreis über den Nachlass des Vaters. Besaß der Vater Rinder, werden diese auf die Kinder verteilt. Mit der Witwe wird besprochen, wie ihr geholfen werden kann.

Auf dem Weg zum Auto zurück begegne ich zwei Männern mit einem grunzenden Schwein, welches mit seinen Läufen an einer Stange angebunden ist. Die große Trauergemeinde will versorgt sein.

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