"Hungertod ist keine Dürrefolge" - unter diesem Titel berichtet die Allgemeine Zeitung Namibia am 31.10.2013 über die derzeitige Debatte im Parlament. Nachzulesen unter http://www.az.com.na/politik/hungertod-ist-keine-d-rrefolge.413869 . Am gleichen Tag erscheint der Kommentar mit dem Titel "Stark getrübte Wahrnehmung" unter http://www.az.com.na/politik-kommentar/stark-getr-bte-wahrnehmung.413870 Für mich grenzt die Debatte an Arroganz. Will man in den oberen Gremien die Wahrheit schön reden? Es kann für die führenden Politiker nicht sein, dass in Namibia Armut und Hunger herrschen. Ich habe dies hier im Dorf Mayana mit über 2000 Einwohnern, 20 km östlich von Rundu gelegen, jedoch täglich vor Augen. Manch Tourist ist geschockt, wenn wir ihn zur Wanderung in die Kraals führen. Es ist bekannt, dass viele Menschen in der Kavangoregion Subsistenzwirtschaftler sind. Sie sind arbeitslos, haben kein Einkommen und ernähren sich einzig von ihrem Ertrag auf den Feldern, sammeln Früchte und Nüsse im Busch, fangen Fische. Die Einwohner stehen zweimal in der Woche in Rundu stundenlang an um einen Karton mit 100 Fischköpfen ab 19N$ zu erwerben. Die feinen Filetstücke der Fische werden in Swakopmund und in Walvis Bay für unsere Kühltheke daheim versandfertig aufbereitet. Die Fischköpfe gibt es für die in Armut lebende schwarze Bevölkerung zu kaufen, 100 Köpfe ab 19 N$. Im Dorf werden sie dann an Nachbarn weiterverkauft. Die Ernte auf den Feldern im März diesen Jahres ist in Folge der großen Dürre quasi ausgefallen. Manch Vieh ist verhungert, da es schon lange keine Weide mehr gibt. Das Fleisch dieser toten Tiere wird auf den Riedgrasdächern zum Trocknen ausgelegt. Man kann dann sehr lange darauf kauen. Im Dorf Mayana gibt es kein Wasser. Viele Menschen laufen täglich kilometerweit mindestens zweimal zum Fluss um ihr Wasser zu holen. Wie kann die Regierung den Menschen da vorwerfen, dass sie unterernährt sind, weil sie sich nicht richtig ernähren und unsauberes Wasser benutzen? Sollten sich etwa alle Dörfler als illegale Siedler in Rundu versammeln um wenigstens Zugang zu Trinkwasser zu bekommen? Wovon sollen sich diese Menschen dort ohne Einkommen ernähren? Die SWAPO wollte die Unabhängigkeit erreichen und Armut und Hunger bekämpfen. Letzteres hat sie längst vergessen. Liebe Sponsoren haben es mir ermöglicht, gemeinsam mit Marcus an 65 von 140 Haushalten in Mayana Nahrungsmittel auszugeben. Dafür möchte ich allen danken. Durch staatliche Hilfen haben die Bewohner in Mayana bisher erst ein Mal im August Maismehl erhalten, nachdem Ende Mai der Notstand, die Hungersnot weltweit ausgerufen wurde. Ich habe in Deutschland nichts darüber gelesen.

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