Ab August werden Burgstädter Hortkinder in Containern betreut

Für 2,3 Millionen Euro will die Stadt eine neue Unterkunft bauen. Bis es soweit ist, leben Schüler in einem Komplex aus Blech. Eltern befürchten überhitzte Räume.

Burgstädt.

Gegenüber dem Autohaus an der Chemnitzer Straße ist eine kleine Containerstadt entstanden. Innerhalb von vier Wochen hat ein Burgstädter Bauunternehmen eine Hort-Unterkunft mit 80 Plätzen aufgebaut, inklusive Außenanlagen und Spielplatz. Ab 13. August sollen dort Kinder des Hortes Traumland betreut werden. Zurzeit werden das Außengelände gestaltet und das Mobiliar installiert.

"Wir sind aus allen Nähten geplatzt", sagt Susann Meißner vom Verein Muldentaler Jugendhäuser, der den Hort an der Göppersdorfer Straße betreibt. Deshalb hatte die Stadt einen Neubau beschlossen. Doch bis jetzt konnte sich der Stadtrat nicht über den Standort einigen. Auch gab es Verzögerungen bei den Planungen. Außerdem steht die Finanzierung noch aus. Deshalb hat der Stadtrat eine Interimslösung beschlossen. "Der Container-Hort wird pünktlich zum Schulbeginn fertig sein", sagt Hauptamtsleiterin Josefine Müller. Eine Woche vorher können Eltern und Kinder die neue Einrichtung besichtigen. In den Containern befinden sich Räume zum Bauen, Experimentieren, Werkeln sowie ein Atelier, Hausaufgabenzimmer, Mehrzweckraum, Bereich für Rollenspiele und eine Cafeteria. Sanitärbereiche, Garderoben sowie Sozialräume seien für bis zu 80 Kinder vorgesehen, erläutert Müller. Ab neuem Schuljahr seien 60 Schüler der zwei ersten Klassen und einer zweiten Klasse der Goetheschule angemeldet, ergänzt Müller. Die Mädchen und Jungen werden von vier Mitarbeitern des Vereins betreut.

Im Stammhaus an der Göppersdorfer Straße, das eine Kapazität von 126 Plätzen hat, werden 115 Kinder der dritten und vierten Klassen sowie einer zweiten Klasse erwartet. Ab August bietet die Stadt 350 Hortplätze an, die im Hort Traumland, im Container, in der Kita Entdeckerbande sowie im Hort der Grundschule Mohsdorf betreut werden.

Einige Eltern sehen den Bau skeptisch: "Bei der anhaltenden Hitze ist das in dem Blechcontainer bestimmt nicht auszuhalten", sagt eine 34-Jährige. Denn weit und breit sei kein Baum, der Spielplatz liege total in der Sonne. Die Meinung befragter Eltern ist geteilt: "Gut, dass es dann nicht mehr so beengt zugeht." "Der weite Fußweg an der viel befahrenen Straße nervt." "Totaler Schwachsinn, warum steht der Container nicht an der Schule?" und "In so einem Container ist es meist moderner als in alten Kitas." Das waren einige Kommentare. Auch im sozialen Netzwerk Facebook ist eine Diskussion entbrannt. Skepsis überwiegt.

Josefine Müller kennt viele Meinungen. "Der Container hat keine Klimaanlage, trotzdem wird es funktionieren", sagt sie. Die Unterkunft habe Jalousien. Zudem sei mit Schulbeginn der Sommer fast vorbei und nächstes Jahr finde in den Sommerferien sowieso keine Betreuung im Container statt. "Aber wir beobachten das, sollte es unzumutbar sein, reagieren wir natürlich." Denn die Stadt habe bereits Erfahrungen mit einer Kita-Betreuung im Container. 18 Krippenkinder der Kita Sonnenblume lebten mehrere Monate in so einer Unterkunft. "Als es im Sommer zu heiß wurde, haben wir vor allem die Schlafräume nachgerüstet und klimatisiert", sagt Müller.

Was den Fußweg von der Goetheschule zum Container betrifft, sagt Vereins-Chefin Meißner, dass ein Fußweg von zehn bis 15 Minuten an frischer Luft den Kindern zuzumuten sei. Im Stadtrat wurde vorgeschlagen, eine kürzere Querverbindung über einen Plattenweg zu nutzen. "Wir haben das geprüft", sagt Müller. Gemeinsam mit den Eltern sei entschieden worden, dass der nicht genutzt werden soll, weil er komplett in privatem Eigentum liegt, fügt sie hinzu. Der Aufbau des Containers an der Goetheschule sei nicht möglich, weil dort nicht genügend Platz und eine Verpachtung durch einen privaten Eigentümer nicht möglich sei, heißt es.

Eigentlich wären die Container nicht notwendig gewesen, wenn die Stadt rechtzeitig den 2,3 Millionen Euro teuren Neubau realisiert hätte. "Eine Grundsatzentscheidung soll im Spätsommer oder Frühherbst fallen", sagt Müller. Bereits in der Ausschusssitzung Ende August könnte das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen. "Die Zeit drängt", sagt Ralf Jerke, Stadtrat der Linken. Denn ab Schuljahr 2019/20 sollen der Bau stehen und die Container wieder verschwunden sein. Das Bauunternehmen hat die Unterkunft von einem Container-Hersteller gemietet und im Auftrag der Stadt die Randbedingungen geklärt. "Die Muldentaler Jugendhäuser mieten beim Investor die Container und wir zahlen monatlich dafür einen Betriebskostenzuschuss", so Müller. Das Mobiliar und alle Spielgeräte wie Klettergerüst, Doppelschaukel, Vogelnestschaukel, Sandkasten, Fußballfeld und Spielhütte sollen im neuen Hort wieder installiert werden.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...