Am Technologie-Campus wird an Physikerin erinnert

Der Stadtrat will, dass Chemnitz im Hinblick auf Straßennamen weib- licher wird. In Bernsdorf wird der Beschluss von 2017 jetzt umgesetzt.

Bernsdorf.

Eine neue Straße zwischen Reichenhainer und Fraunhoferstraße, die sogenannte Planstraße B im Gewerbegebiet Technologie-Campus Süd, erhält den Namen Lise-Meitner-Straße. Dem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt.

Gewürdigt wird damit das Wirken Meitners (1878 bis 1968), die zu den großen Physikerinnen des 20.Jahrhunderts gehörte. Sie hat maßgeblich zum Verständnis der Materie beigetragen, heißt es in der Begründung des Namensvorschlages. Auch das Rektoratskollegium der Technischen Universität, in deren Nähe sich die Straße befindet, unterstützt den Namensvorschlag.

Meitner, geborene Wienerin, begann 1901 Physik, Mathematik und Philosophie zu studieren, arbeitete später am dortigen Institut für theoretische Physik. Bei Max Planck in Berlin vertiefte sie danach ihre wissenschaftlichen Studien und begegnete dort erstmals dem Chemiker Otto Hahn. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit ihm auf dem Gebiet der radioaktiven Isotope lernte sie Albert Einstein und Marie Curie kennen und arbeitete als inoffizielle Assistentin bei Planck. Denn noch Anfang des 20. Jahrhunderts hatten es Frauen schwer, sich in wissenschaftlichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen zu etablieren.

In den 1920er-Jahren leitete sie eine eigene radiophysikalische Abteilung. 1926 wurde sie zur ersten Professorin für experimentelle Kernphysik an die Berliner Universität berufen. 1933 entzog ihr das Naziregime die Lehrbefugnis auf Grund Meitners jüdischer Herkunft. 1938 emigrierte sie nach Schweden, wo sie ihre Studien fortsetzte. Als Otto Hahn 1938 die Kernspaltung entdeckte, deuteten Meitner und ihr Neffe Otto Frisch dieses Phänomen erstmals theoretisch sowie kernphysikalisch und publizierten ihre Erkenntnisse.

Die friedliche Nutzung der Radioaktivität lag der überzeugten Pazifistin am Herzen, daher lehnte sie jegliche Forschungsaufträge zu militärischen Zwecken ab. Heute erinnern Straßen, Schulen, Universitätsgebäude und Forschungseinrichtungen, die Lise Meitners Namen tragen, an die Kernphysikerin. (gp)

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