Artenvielfalt - Warum ein Bienenexperte optimistisch ist

Am Tag der Deutschen Imkerei in Niederfrohna haben Besucher viele Fragen gestellt. Was die Lebensräume für Insekten betrifft, gibt sich ein Fachmann zuversichtlich.

Niederfrohna.

Als Mittelpunkt des Dorfes Niederfrohna konnte am Samstag die Wetzelmühle gelten. Auf dem Gelände des historischen Ensembles fanden gleich zwei Veranstaltungen statt: Die Blaskapelle Freudenklänge feierte ihr 100-jähriges Bestehen gemeinsam mit anderen Musikgruppen. Und der Chemnitzer Verein Selbsthilfe 91, der die Wetzelmühle betreibt, hatte am Tag der Deutschen Imkerei zu Führungen zum Thema Bienen eingeladen.

Das Interesse war groß, wie Steffen Reuter berichtete, der für die 15Bienenstöcke des Vereins zuständig ist. Während der vierstündigen Öffnungszeit habe er zweieinhalb Stunden lang durchgängig Informationen geben und Fragen beantworten müssen. Nur am Mittag sei es etwas ruhiger geworden. Die Anzahl der Besucher schätzte der Imkerei-Experte auf mehr als 50, darunter Familien ebenso wie ältere Leute. Viele von ihnen nutzten die Gelegenheit, sich Bienen und Waben aus nächster Nähe anzuschauen. Reuter empfahl, dafür Schutzkleidung anzuziehen, auch wenn ein Stich die absolute Ausnahme sei. Am Samstag ging in dieser Hinsicht alles gut.


Einige der Besucher hatten Fragen zum Honig, wie man ihn im Glas kaufen kann: Warum sieht er manchmal wie aufgeschäumt aus, warum ist er zum Teil flüssig, zum Teil fest? Dass Honig kristallisiert, ist wegen des enthaltenen Zuckers ganz natürlich. Trotzdem sei es das Ziel der Imker, einen homogenen Honig anzubieten, so Reuter. Auch Verbraucher könnten dazu beitragen, dass Honig mit Blick auf Konsistenz und Geschmack überzeugt. "Er sollte kühl, dunkel und trocken gelagert werden", erklärte der 58-Jährige. Weil Honig Wasser anziehe, sei es zum Beispiel ungünstig, ihn direkt neben dem Herd aufzubewahren. Die Erzeugnisse der Niederfrohnaer Bienen können übrigens direkt in der Wetzelmühle gekauft werden.

Andere Besucher wollten von Reuter wissen, wie man Imker werden kann. Der Fachmann riet dazu, sich einem entsprechenden Verein anzuschließen und Kurse zur Fortbildung zu besuchen. Auch ein Pate, also ein bereits etablierter Imker, könne dabei helfen, typische Fehler bei der Anschaffung von Bienen zu vermeiden. Angehende Halter der Insekten müssten sich zudem beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse anmelden. Die Imkerei ist zuletzt immer beliebter geworden. Nach Angaben des Landesverbandes Sächsischer Imker, dessen Geschäftsstelle sich in der Wetzelmühle befindet, waren im Jahr 2000 in den Vereinen 2800 Imker mit etwa 30.000 Bienenvölkern registriert. 2018 waren diese Zahlen auf 4400 Imker und 36.000 Völker gestiegen. Der Zulauf habe schon vor dem Aufflammen der Diskussion über das Insektensterben und die schrumpfende Artenvielfalt begonnen, heißt es aus dem Landesverband.

Auch Steffen Reuter betont, dass man unterscheiden müsse. Der Honigbiene gehe es gut, die zahlreichen Imker sicherten ihren Fortbestand. Viele Wildbienenarten seien hingegen vom Aussterben bedroht, weil ihnen der nötige Lebensraum fehle. Hoffnung macht Reuter, dass aus seiner Sicht zurzeit ein Umdenken stattfindet. Auch viele Landwirte hätten erkannt, dass sich Rücksicht auf Bienen wegen deren Bedeutung fürs Ökosystem langfristig auszahle. "Manche Maßnahmen helfen den Bienen, kosten den Bauern aber gar nichts", erklärt Reuter. So mache es einen Unterschied, um welche Tageszeit man Pflanzenschutzmittel versprühe und wann man eine Wiese mähe. Der Bienenexperte arbeitet in der Landesarbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft mit, in der beide Seiten versuchen, ihre Interessen unter einen Hut zu bringen. In Niederfrohna funktioniere das schon hervorragend, berichtet Reuter. Landwirte bauen nach seinen Angaben Pflanzen an, auf die Bienen - im Wortsinn - fliegen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    cn3boj00
    08.07.2019

    Welche Pflanzen bauen denn die Landwirte in Niederfrohna an? Bei uns ist das Winterweizen, Mais, Raps in immer wiederkehrendem Wechsel. Und davon zieht bestenfalls der Raps Insekten an, aber seine Blütezeit ist ja sehr kurz, und wenn es keine frühblühenden Ackerkräuter gibt (die bei uns nicht mehr vorhanden sind) sieht es dann auch im Raps dementsprechend aus: sehr ruhig, nicht mehr wie früher, als es da nur so wimmelte.
    Deshalb schade, dass das Thema so oberflächlich bleibt und man nicht erfährt was die Bauern dort anders machen als in Limbach. Denn im Gegensatz zur Honigbiene, die ja fast alles was blüht anfliegt, sind Wildinsekten in der Regel artspezifisch auf ganz bestimmte Pflanzenarten spezialisiert, und wenn die fehlen fehlen die Insekten.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...