Debatte über Umbau von Bushaltestellen

An welchen Stopps in Limbach-Oberfrohna soll der Einstieg barrierefrei werden? Und welche Kosten sind dafür angemessen? Stadträte haben dazu eine andere Meinung als die Verwaltung.

Limbach-Oberfrohna.

Für die allermeisten Menschen stellt es kein Problem dar, in einen Bus einzusteigen und dabei einige Zentimeter Höhenunterschied zu überwinden. Doch bei Personen, die schlecht zu Fuß oder auf einen Rollator angewiesen sind, sieht das schon anders aus. Auch für blinde Menschen kann eine Busfahrt zum Abenteuer werden, genauso wie für Eltern mit Kinderwagen. Um diesem Personenkreis das Busfahren zu erleichtern, will die Stadt Limbach-Oberfrohna die Haltestellen nach und nach umbauen.

Das geschieht nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern auch wegen rechtlicher Zwänge. Bis 2022 sollen alle Haltestellen barrierefrei sein - so sieht es eine Behindertenrechtskonvention der Europäischen Union vor, die in deutsches Recht umgesetzt wurde. Ausnahmen sind demnach zwar denkbar, müssen aber begründet werden. Einen möglichen Fall nannte Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) am Montagabend im Stadtrat: Da für eine barrierefreie Haltestelle mehr Platz benötigt wird als für eine normale, seien die Möglichkeiten in engen Straßen begrenzt.

Die Verwaltung schlug den Stadträten eine Liste von zehn Haltestellen vor, die umgestaltet werden sollen. Darunter waren mehrere Stopps an der Frohnbachstraße, etwa an der Gerhart-Hauptmann-Schule, an der Rosenapotheke und an der Polizeistation, außerdem in Kändler an der Grundschule und Am Hohen Hain nahe der Geschwister-Scholl-Oberschule. Auch eine Bushaltestelle am Rathaus fand sich in den Unterlagen - sozusagen als Nachzügler, denn dort genügen bereits mehrere Bussteige modernen Anforderungen.

Mehrere Stadträte waren mit der Vorarbeit der Verwaltung aber nicht zufrieden. Freie-Wähler-Fraktionschef Gerd Härtig nannte die Auswahl unglücklich. "An der Rosenapotheke steigt kaum jemand ein und aus", sagte er. Hingegen seien belebtere Haltestellen wie jene an der Lutherkirche und an der Ecke Chemnitzer Straße/Ostring, die beide vom Schnellbus Limbach-Oberfrohna-Chemnitz (Linie 526) bedient werden, nicht berücksichtigt. Ähnlich äußerte sich Jörn Wunderlich, Chef der Fraktionsgemeinschaft Linke/SPD/Grüne: "An der Lutherkirche sehe ich immer viele Leute stehen, an der Frohnbachstraße aber fast nie jemanden."

Andere Stadträte störten sich vor allem an den Kosten: Das Rathaus schätzt, dass für den Umbau von zehn Haltestellen etwa 500.000 Euro nötig sind. "Ich halte das nicht für angemessen. Die Bushäuschen sind ja gar nicht dabei", sagte Andreas Barth (FDP). Er sei sich sicher, dass das Geld an anderer Stelle besser investiert werden könne. AfD-Fraktionschef Uwe Müller ergänzte, die AfD plädiere für einen schrittweisen Umbau der Haltestellen mit Augenmaß. So müssten jene an Schulen Priorität haben.

OB Vogel räumte ein, dass die geschätzten Kosten im Laufe der Planungen deutlich gestiegen seien. Zunächst habe die Verwaltung mit 15.000 bis 20.000 Euro pro Haltestelle gerechnet, jetzt liege man bei etwa 50.000 Euro. Vogel verwies darauf, dass die Hälfte der Kosten durch Fördermittel gedeckt werden könne. Dafür müssten aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Bereits 2018, als der Haltestellen-Umbau erstmals angesprochen wurde, hatte die Stadtverwaltung betont, dass es mit einer Anhebung des Bordsteins, um den Höhenunterschied zum Buseinstieg auszugleichen, nicht getan ist. Die Haltestellen müssen zugleich mit einem Blindenleitsystem ausgestattet werden - also mit weißen Tastlinien, wie man sie etwa von vielen Bahnhöfen kennt. Auf diese Weise können Personen mit geringer oder keiner Sehfähigkeit erkennen, wo sich die Türen eines Busses befinden. Zudem muss das Pflaster im Bereich der Haltestelle rutschfest sein, damit niemand beim Ein- oder Aussteigen hinfällt.

Der zuständige Fachbereichsleiter im Rathaus, Michael Claus, sagte, dass sowohl die Behindertenbeauftragte des Landkreises Zwickau als auch der Verkehrsbetrieb CVAG, der die Linie 21 von Limbach-Oberfrohna über Kändler nach Chemnitz betreibt, auf barrierearme Haltestellen poche. CVAG-Sprecher Stefan Tschök bestätigte das auf Anfrage. Ziel sei, Menschen mit Beeinträchtigungen nicht von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehr auszuschließen. "Man hat oft das Gefühl, ein Umbau sei teuer, aber es steht auch eine Leistung dahinter."

Als Reaktion auf die Kritik der Stadträte zog OB Vogel den Beschlussvorschlag zurück. Das Thema soll im Technischen Ausschuss noch einmal beraten werden, bevor es erneut dem Stadtrat vorgelegt wird. Vogel: "Vielleicht gibt es für den Umbau von Haltestellen ja auch günstigere Lösungen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...