Eltern verunsichert: Gibt es bald immer weniger Hortplätze?

Weil dringend Kapazitäten für Krippen- und Kindergartenkinder benötigt werden, könnten Schüler am Ende das Nachsehen haben, wird befürchtet. Und das kommt nicht von ungefähr.

Angesichts zunehmender Engpässe bei Plätzen in Kindertagesstätten sorgen sich Eltern älterer Kinder zunehmend um die Zukunft der Hortbetreuung. Sie fürchten, das Angebot an Hortplätzen könne zugunsten von Kindergartenplätzen eingeschränkt werden - insbesondere in Einrichtungen, wo unter einem Dach Kinder sowohl im Vorschul- als auch im Grundschulalter betreut werden.

Beispiel Volkssolidarität: 78Hortplätze bietet der freie Träger in zwei seiner Einrichtungen in den Stadtteilen Morgenleite und Sonnenberg an. "Hinsichtlich der Verlagerung von Hortplätzen zu anderen Einrichtungen oder Trägern hat uns die Stadt Chemnitz angesprochen", bestätigt Stephan Ullrich, der Sprecher des Stadtverbandes. Gemeinsam würden derzeit verschiedene Möglichkeiten geprüft. Laut Rathaus stand eine abschließende Antwort der Volkssolidarität zuletzt noch aus.

Anderswo ist man unterdessen schon einen Schritt weiter. So bestätigte die Stadtverwaltung, dass in einer Kita im Yorckgebiet die ehemals 22 Plätze für Hortkinder komplett in Kindergartenplätze umgewandelt werden. "Das ist mit dem Amt für Jugend und Familie abgestimmt", erläutert eine Rathaussprecherin. Derzeit würden dort noch 13Kinder im Hort betreut, ab dem neuen Schuljahr werden es weniger als zehn sein. Für die reduzierten Plätze würden im Hort der örtlichen Grundschule - einer städtischen Einrichtung mit knapp 150 Kindern - entsprechend mehr Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

"Aus fachlicher Sicht sehen wir in unserer Einrichtung vorrangig Krippen- und Kindergartenbetreuung", heißt es vom Träger, der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (KJF). Hortkinder seien in der Kita seit jeher nur in geringem Maße betreut worden.

Keine Veränderungen hingegen sind bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geplant, die allein in Chemnitz mehr als 660 Hortkinder betreut. Diese Zahl werde sich bis Ende des kommenden Jahres nicht verändern, versichert Fachbereichsleiter Kay Herrmann. "Eine Verlagerung von Hortplätzen zu anderen Einrichtungen unserer Trägerschaft oder aber zu anderen Trägern ist nicht beabsichtigt."

Wo im Stadtgebiet wie viele Plätze für die einzelnen Altersklassen angeboten werden, ist im sogenannten Kita-Bedarfsplan geregelt. Er wird regelmäßig überarbeitet und aktualisiert. Für dieses und kommendes Jahr sieht der Plan jeweils rund 7900 Plätze für die Betreuung von Hortkindern vor. Damit stünde für 93,5 bis 95 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe ein Hortplatz zur Verfügung, so das zuständige Amt für Jugend und Familie.

Daran, so heißt es aus dem Rathaus, solle sich auch in Zukunft nichts ändern. "Die Zahl der Hortplätze wird nicht verringert", betonte eine Sprecherin auf Anfrage. Demnächst solle der Bedarfsplan für die Jahre 2018 bis 2020 "bedarfsgerecht" fortgeschrieben und angepasst werden. "Das bedeutet, dass jedes Kind, das einen Hortplatz benötigt, auch weiterhin einen erhalten kann." Dazu sollen nicht zuletzt die Hortkapazitäten an den Grundschulen ausgebaut werden. Das wiederum heißt: Räume dort werden in Zukunft häufiger doppelt genutzt werden müssen - von Schule und Hort.

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