Heimkehr nach mehr als 70 Jahren

Das Gebäude, in dem sich das Weltecho befindet, hat zwei Plastiken zurückbekommen. An deren Rettung waren viele beteiligt.

Präzisionsarbeit war am Montag gefragt, als Kranführer Jan Liedtke, Schmiedemeister Siegfried Schulze und Allround-Handwerker Matthias Borchert gegen Mittag die Bronzeplastiken "Erzählung" und "Belehrung" an ihren Heimatort, das heutige Weltecho an der Annaberger Straße, zurückbrachten. Ursprünglich war dies das Geschäftshaus der "Chemnitzer Neuesten Nachrichten". Die beiden vom Dresdener Bildhauer Arthur Lange gestalteten Figurengruppen standen auf dem Dach des Gebäudes. Als der Neubau 1908 eingeweiht wurde, erzählt Frank Maibier vom Verein Oscar im Weltecho, habe er deutschlandweit Aufmerksamkeit erregt, nicht zuletzt wegen der reichen Verzierungen des Gebäudes.

Als am Ende des Zweiten Weltkrieges eine Brandbombe in das Haus einschlug und das Dach einstürzte, seien wohl auch die Bronzefiguren zu Boden gefallen und beschädigt worden. Danach müssen sie einige Zeit verschollen gewesen sein, bis sie in DDR-Zeiten der Metallbauer Sieghart Uhlmann auf einem Schrottplatz in Weißbach entdeckt und gesichert habe. Auf seinem Werkstattgelände trotzten sie allen Buntmetallsammelaktionen in der DDR - ihr Retter wollte, dass sie wieder den ursprünglichen Platz bekommen. Als die Protagonisten des Weltechos davon erfuhren, war es für sie keine Frage, die Figuren wieder an dem Haus anzubringen. "Das gehört zu unserer Geschichte", sagt Maibier. Also habe man Uhlmann die etwa zwei Meter hohen Bronzen "zum Schrottpreis" abgekauft, sie einige Jahre bei dem Chemnitzer Bildhauer Rainer Maria Schubert aufbewahrt, bis gemeinsam mit Matthias Borchert die Schmiede und Schlosserei von Siegfried Schulz gefunden war, die bei der Aufstellung und Herrichtung der Figuren half.


Ihre Geschichte soll man den Figuren ansehen, so Frank Maibier, deshalb wurden sie nicht komplett restauriert, bleiben ihre Beschädigungen zu sehen. Sie wieder auf dem Dach aufzustellen, wäre zu teuer gewesen - also wurde ein Platz im Innenhof gefunden. Nun sollen dort die mit dicker Patina besetzten Figuren auf einem Stahlträger stehen, von unten angestrahlt werden und sichtbar sein.

Am Montag war es so weit: In Millimeterarbeit bugsierte Jan Liedtke den Kran in den Hof des Weltechos - die Lichtinstallation dort musste teilweise abgebaut werden -, um Stahlträger und Figuren fast filigran durch die Luft schweben zu lassen und sie an ihrem neuen Standort in der alten Heimat zu platzieren. Dies ergänzt andere Restaurierungsarbeiten an dem Haus, das ursprünglich mit vielen Metall- und Steinreliefs verziert war, erklärt Frank Maibier. So habe etwa im Durchgang zum Hof der Chemnitzer Matthias Mann einige Reliefs grafisch nachgestaltet.

Bewertung des Artikels: Ø 4.6 Sterne bei 7 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...