Neue Hürde für Abriss von Bahnhof

Das Gebäude am Ostring in Limbach wird nicht mehr gebraucht. Bevor die Bagger anrücken können, muss die Stadt als Eigentümerin aber noch eine Auflage erfüllen.

Limbach-Oberfrohna.

Die Tage des ehemaligen Limbacher Bahnhofes am Ostring scheinen gezählt zu sein. Das Gebäude, 1871 im preußisch-historischen Stil errichtet, darf abgerissen werden, obwohl es sich um ein Kulturdenkmal handelt. Das teilte Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) im Stadtrat auf Anfrage von Marvin Müller (CDU) mit. "Wir haben für den Bahnhof keine Verwendung", sagte Vogel. Die Stadtverwaltung hatte in der Vergangenheit mehrere Nutzungsvarianten prüfen lassen. Eine Lösung wurde dabei jedoch nicht gefunden.

Mehrere Faktoren sprechen dagegen, dass der Bahnhof samt historischer Bahnsteigüberdachung aus dem Jahr 1909 eine Zukunft hat. Erstens hat sich die Bausubstanz zuletzt mehr und mehr verschlechtert. Da das Gebäude seit Jahren leersteht und nicht gepflegt wird, ist es der Witterung ausgeliefert. Feuchtigkeit ist eingedrungen. Zudem musste die Feuerwehr erst im August einen Brand löschen, der im Bereich des Daches ausgebrochen war. Es ist nicht der erste Brand im Gebäude; Vandalismus tut sein Übriges. Selbst Eisenbahnfans schätzen ein, dass der Bahnhof nicht zu retten ist, selbst wenn sich ein Nutzer fände.

Auch die geplante Reaktivierung der Bahntrasse von Wittgensdorf nach Limbach-Oberfrohna im Rahmen des Chemnitzer Modells wird nicht zur Rettung beitragen. Selbst falls in etwa zehn Jahren die Züge rollen, wird es am Bahnhof wahrscheinlich keinen Haltepunkt geben. Stattdessen sind Stopps dort vorgesehen, wo sich die Verantwortlichen mehr Publikumsverkehr versprechen: auf Höhe des Werks von Continental, an der Burgstädter Straße sowie an der Kellerwiese. Die Stadt hatte das Bahnhofsgebäude 2014 gekauft. Ein Jahr später ließ sie die Empfangs- einschließlich der Gepäckhalle sowie den Zwischenbau abreißen. Von dem ehemals großen Bahnhofsareal sind nur die beiden Hauptgebäude übrig. Und selbst die könnten bald weichen. Wie der Landkreis Zwickau auf Anfrage bestätigte, hat das dortige Amt für Denkmalschutz im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Abbruchgenehmigung erteilt. Auflagen mit Blick auf den Denkmalschutz seien nicht erteilt worden, sehr wohl aber mit Blick auf den Naturschutz.

Der etwas abgelegene Bahnhof ist inzwischen offenbar zu einem Lebensraum für seltene Tierarten geworden. Der Landkreis spricht von "Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Arten", die bei einem Abbruch zerstört würden. Deshalb müsse auch die Naturschutzbehörde zustimmen. Damit das Amt den Fall bewerten kann, müsse die Stadtverwaltung darlegen, welche Tiere auf dem Grundstück zu Hause sind und wie die Natur gegebenenfalls an anderer Stelle als Ausgleich aufgewertet werden kann. Das sei bislang jedoch seitens der Stadt noch nicht erfolgt, erklärt das Landratsamt.


Seit dem Jahr 2000 fahren keine Züge mehr

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke

Limbach-Wittgensdorf erhielt Limbach 1872 einen Eisenbahnanschluss. Zuvor hatte der Ort beim Buhlen um die Streckenführung der Verbindung von Chemnitz nach Leipzig gegenüber Burgstädt den Kürzeren gezogen. 1897 kam die Linie nach Wüstenbrand über Kändler und Rabenstein hinzu. Ab 1913 endeten die Züge nicht mehr am Bahnhof Limbach, sondern fuhren über das Kellerwiesen-Viadukt weiter bis nach Oberfrohna.

Während der Personenverkehr nach Wüstenbrand wegen der geringen Bedeutung der Strecke 1950 eingestellt wurde, war die Verbindung Limbach-Wittgensdorf länger in Betrieb. Zu DDR-Zeiten verkehrten dort nicht nur Personen-, sondern auch viele Güterzüge. Nach der Wiedervereinigung ging die Auslastung rapide zurück. 1999 fuhr der letzte Zug nach Oberfrohna, ein Jahr später wurde auch die Strecke nach Limbach stillgelegt. (jop)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...