Neue Sportwände aus Lichtenau: Vorn klettern - hinten kicken

Ein Sportplatzbauer hat sein Sortiment erweitert. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft hofft er auf steigende Nachfrage. Dabei ist die Idee nicht neu.

Lichtenau.

Bernd Hetzer ist sportbegeistert. Rad- und Skifahren übte er in seiner Jugend leistungsorientiert aus. Doch seine Leidenschaft gehörte dem Fußball. "Ich hatte die Begabung, aber durfte nicht kicken", sagt der 57-Jährige. Sein fußballerisches Können gab er aber seinen drei Jungs weiter. Selbst war er Fußball-Jugendleiter bei den Turn- und Sportfreunden Ditzingen, wo auch der kroatische Stürmerstar Mario Mandzukic seine Karriere begann.

"Als Kind haben wir an ein Scheunentor oder die Hauswand gebolzt", sagt Hetzer. Heutzutage sei dies nicht mehr üblich. Das bedauert er, auch weil viele Kinder bewegungsarm seien und bei sportlicher Betätigung die Verletzungsgefahr steige. "Am Spielfeldrand beim Training meines ältesten Sohnes kam mir vor zehn Jahren die Idee", sagt Hetzer. Er habe beobachtet, dass die Bewegungen holprig sind. Es fehlte die Geschwindigkeit, erläutert er. Er kam auf die Idee, eine Fußballwand zu bauen. Als Vertriebsleiter bei einem Betonfertigteilwerk habe es nahegelegen, dass die Lösung mit Beton zusammenhängt. Und so entwickelte er die Grundidee, mittels Beton-Modulen eine Wand zu installieren. Er nannte sie Fußballreflexionswände, auch Kickbacks. Neben dem Einsatz für das Fußballtraining könnten die Ballwände auf der Rückseite auch für anderweitige Bewegung wie Klettern (Bouldern) genutzt werden, so Hetzer. Er spricht von einer Weltneuheit. "Betonwände gibt es überall, aber die verschiedenen Formen zum Fußballspielen sind einzigartig", so Hetzer.

Er stellte seine Erfindung erstmals auf einer Fachmesse 2010 vor. Dort erhielt er eine Innovationsmedaille. Daraufhin wurde eine komplette Trainingsanlage für die Profis und den Jugendfußball des 1. FC Heidenheim 1846 aufgebaut. "Vielleicht gelang deshalb 2014 der Aufstieg in die Zweite Bundesliga", sagt Hetzer scherzhaft. Der Kunstrasen- und Kunststoffbelagverleger Scos aus dem Lichtenauer Gewerbegebiet Ottendorf hatte für den Verein den Kunstrasen gefertigt und übernahm auch den Vertrieb der Kickwände. Doch dann geriet Scos in finanzielle Schieflage. Der Vertrieb der Fußballwände stockte, sagt Hetzer.

Vor zwei Jahren übernahm der Sportplatzbauer Kutter aus Bayern die Lichtenauer Firma. Scos hatte bisher Sportstätten mit Kunstrasen ausgestattet. Als nichtselbstständige Kutter-Niederlassung wird die Firma fortgeführt. Das Unternehmen beschäftigt jetzt 130 Mitarbeiter in Memmingen und zehn in Ottendorf.

In diesem Jahr hat der Sportplatzbauer die bundesweiten Vertriebsrechte der Wände übernommen. "Kickbacks sind keine herkömmlichen Ballwände. Der Ball prallt nicht einfach ab, sondern kommt berechenbar und zuverlässig zum Spieler zurück", sagt Geschäftsführer Stefan Kutter. Die Wände hätten besondere Schalungen. Die Betonwand sei sehr hart und glatt, sodass die Bälle dynamisch zum Spieler zurückkämen, fügt eine Firmensprecherin hinzu. Insgesamt sechs verschiedene, beliebig kombinierbare Wand-Module werden angeboten. Neben einer Torwand, wo das Tor eingezeichnet ist, gibt es Wände mit einer bestimmten Trefferfläche. Bei der Form einer Pyramide können Präzision, bei einem Halbkreis Schnelligkeit und Ballannahme geübt werden. Kopfball werde bei einer Wand in Form eines K, das Passen bei einem L-Winkel trainiert. Spontanes Draufballern sei ebenso möglich wie gezieltes Einüben spezifischer Bewegungsabläufe im Fußball-Nachwuchstraining.

Bisher sind die Wände in der Region größtenteils unbekannt. "Wir haben starre Wände in der Halle und trainieren dort", sagt Denny Haunstein, Vereinschef des SV Wacker 22 Auerswalde. Je nach Altersgruppe würden die Bewegungsabläufe trainiert. Gut vorstellbar sei der Aufbau einer Kickback-Wand im Fußballverein Herrenhaide, dessen Männermannschaft in der Kreisliga spielt. "Wir haben schon Prospekte gesehen", sagt Abteilungsleiter Mike Kellermann. "Das ist eine gute Sache. Aber die Anschaffung muss bezahlbar sein", ergänzt er.

In der Grundschule Grünlichtenberg bei Kriebstein wurde indes 2009 eine Boulderwand installiert. "Die Wand hat sich sehr bewährt und wird sehr gut angenommen", sagt Schulleiterin Elke Schlieder. Die Wand gehöre zu einer Sportanlage, die offen für alle sei. So werde waagegerecht im Sportunterricht oder im Hort geklettert. Aber auch am Wochenende sei die Wand umlagert. Die Kinder könnten Geschicklichkeit üben und die Muskulatur trainieren, so Schlieder. In einem Kunstprojekt sei die Wand künstlerisch mit Graffiti gestaltet worden.

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