Plüschtiere als Überraschungsgeschenk

Mit der Übergabe von 250 Stofftieren hat ein Berliner im Stadthallenpark für leuchtende Augen gesorgt. Nächstes Jahr will er die Aktion auf andere Weise wiederholen.

Vom überlebensgroßen Bugs-Bunny-Hasen bis zum kleinen Teddybären war alles vertreten. Mit etwas Verspätung und rund 250 Plüschtieren im Gepäck traf Anatol Hanau gestern Nachmittag in Chemnitz ein. Der 31-Jährige hatte sich aus Berlin auf den Weg nach Sachsen gemacht, um die Stofftiere, allesamt Spenden, an Flüchtlingskinder zu übergeben - im Stadthallenpark, wo anlässlich des Weltflüchtlingstages ein buntes Familienfest stattfand.

Die Idee sei Hanau in der Vorweihnachtszeit gekommen. "Da gab es wieder Bilder von brennenden Flüchtlingsunterkünften, und ich hatte mich gefragt, wie schlimm das vor allem für Kinder sein muss. Man kommt verängstigt in ein fremdes Land und erlebt dann gleich die nächsten Akte der Gewalt", sagte er.

Also habe er sich überlegt, ein "kleines Zeichen gegen Rassismus" zu setzen, speziell für die Jüngsten. Über ein soziales Netzwerk rief der Berliner zunächst in seinem Umfeld zur Spende von Kuscheltieren auf. Binnen der ersten Nacht kamen 20 zusammen, bei 400 zog er erst einmal einen Schlussstrich. "Ich habe den Boden meines Wohnzimmers nicht mehr gesehen." Es habe sich ausnahmslos um Neuware gehandelt, kein treuer Teddy aus der Kindheit sei darunter gewesen. "Erstens trennt sich ohnehin keiner von einem langjährigen Weggefährten und zweitens wäre das auch aus hygienischen Gründen nicht gegangen."

Warum er die Stofftiere ausgerechnet in Chemnitz verteilt habe, sei weitgehend Zufall gewesen. "Sachsen hatte ich mir gleich am Anfang ausgesucht, da mir das Engagement hier infolge vieler fremdenfeindlicher Vorfälle besonders notwendig erschien", sagt er. Nach einigen Telefonanten sei er bei der Chemnitzer Arbeiterwohlfahrt (Awo) gelandet. "Wir haben vorgeschlagen, die Kuscheltiere während des Festes zum Weltflüchtlingstag zu verteilen", sagt Franziska Anklam, die bei der Awo für Flüchtlingssozialarbeit zuständig ist.

Lange auf Abnehmer warten musste Hanau nicht. Schon die erste Plastiktüte mit Spenden leerte sich in rasantem Tempo, bei den anderen sah es später nicht anders aus. "Das Ganze hat sich auf jeden Fall gelohnt", so Hanau, der sich vorstellen kann, eine ähnliche Sammelaktion für Flüchtlingskinder auch im kommenden Jahr durchzuführen. "Dann aber nicht wieder mit Plüschtieren, sondern mit Schulsachen. Denn in dem Bereich ist der Bedarf auch richtig hoch", sagte er.

An dem gut besuchten Familienfest beteiligten sich 15 in der Flüchtlingsarbeit engagierte Vereine. "Infolge von Kriegen, Hungersnöten und Armut sind derzeit weltweit rund 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie nie zuvor. Uns ist es wichtig, auf die Situation aufmerksam zu machen", sagte Mit-Organisatorin Romy Gottschalk.

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