Protest gegen Windparkpläne

Gegen das Vorhaben einer Firma, in Amtsberg fünf Windräder zu errichten, wird protestiert. Eine Bürgerinitiative stellt ihr Konzept vor.

Amtsberg.

Gegen Ventilatoren hätten die rund 70 Amtsberger Bürger, die sich am Dienstagabend im Gasthof "Zur Linde" trafen, nichts einzuwenden gehabt. Schließlich herrschte brütende Hitze. Riesige Windräder mit einer Gesamthöhe von 240 Metern, von denen eine Freiberger Firma fünf Stück auf der Anhöhe zwischen Weißbach und Gelenau errichten will, sind für die Anwohner jedoch in Ortsnähe ein Grauen. Genau deshalb waren sie auch zusammengekommen.

Auf Anregung von neun Personen hin sollte mit der Gründung einer Bürgerinitiative ein klares Zeichen gesetzt werden, was allein durch die Eintragung von 66 Amtsbergern in die Teilnehmerliste auch geschah. "Wir sind kein Verein und haben auch keine Satzung", betont Mathias Hallbauer. Er gehört zu dem harten Kern, der sich seit der Einwohnerversammlung im Februar, als das geplante Windenergie-Projekt erstmals öffentlich vorgestellt wurde, jeden Monat mindestens zweimal trifft. Seither wurde mit vielen Plakaten und Schildern im Ort gegen das Vorhaben protestiert. Nun erhält der Widerstand auch ein Gesicht, besser gesagt neun. Denn die Initiatoren stellten sich am Dienstagabend vor und hoben den Widerstand auf eine neue Stufe. "Mit der Durchführung dieses Abends wurde die Bürgerinitiative gegründet", sagt Michael Schubert, der die Veranstaltung moderierte.


Bei der Vorstellung der bisherigen Aktivitäten wurde klar, dass neben Plakaten und Flyern im Amtsblatt noch mehr geschehen ist. "Wir haben Gespräche mit Politikern und Vertretern von Nachbargemeinden geführt. Außerdem ist eine Unterschriftensammlung in vollem Gange", berichtet Schubert. Bis Dienstag hatten 732 Amtsberger unterzeichnet, weitere sollen folgen. Auch neue Plakate werden aufgehängt, sagen die Initiatoren, die ihre Arbeit nach eigenen Angaben in kleinem Kreis besser koordinieren können. "Aber die Tür ist immer offen", sagt Schubert, der sich über neue Mitstreiter und Ideen freut.

Als Zwischenerfolg wertet der Weißbacher, dass beim Landratsamt immer noch kein Bauantrag für den Windpark eingegangen sei. Ursprünglich hatte die Firma diesen Schritt bereits für Ende Mai angekündigt. Fakt sei aber, dass es Vorverträge mit Pächtern gebe. Diese Tatsache und die Ungewissheit, ob nach der Überarbeitung des Regionalplans in Amtsberg womöglich doch eine Vorhaltefläche für Windenergie ausgewiesen wird, sind Anlass genug für intensives Engagement. Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause begrüßte wie sein ebenfalls anwesender Gelenauer Kollege Knut Schreiter die Gründung der Bürgerinitiative: "Das trägt die Meinung der Bevölkerung besser nach außen." Je größer die Masse, desto mehr Einfluss werde auf Behörden genommen. Mit vor Ort war auch der Landtagsabgeordnete Rico Anton (CDU) aus Stollberg, der den Amtsbergern Hoffnung machte. Zwar ist er sich nicht sicher, ob der aktuelle Regionalplan rechtskräftig sei. Doch selbst wenn der neue Plan, der noch dieses Jahr erscheinen soll, Windenergieflächen für Amtsberg aufweist, sei das Projekt "so wie geplant nicht vorstellbar".

Auch auf die Frage, warum in Sachsen der Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebieten trotz wachsender Höhen weiter bei 750 Metern liegt, beantwortete Anton. Gemeinsam mit Bayern, wo der Mindestabstand das Zehnfache der Windradhöhe beträgt, habe man bis 2014 um die sogenannte 10-H-Regelung gekämpft. Durch die Landtagswahl, die seiner Partei einen neuen Koalitionspartner bescherte, sei die Umsetzung aber nicht erreicht worden. Sachverhalte wie diese tragen dazu bei, dass die Amtsberger nicht nur abwarten, sondern selbst Zeichen setzen. "Wir verleihen dem Nachdruck, was die Bürger wollen", sagt Olaf Aulhorn, der zu den Initiatoren gehört.

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1Kommentare

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  • 2
    1
    Dorpat
    27.06.2019

    Auf die Frage, warum in Sachsen der Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebieten trotz wachsender Höhen weiter bei 750 Metern liegt, antwortete Rico Anton von der CDU: "Gemeinsam mit Bayern, wo der Mindestabstand das Zehnfache der Windradhöhe beträgt, habe man bis 2014 um die sogenannte 10-H-Regelung gekämpft."

    Was für eine Heuchelei! Nach der Wahl will Anton´s Chef, Ministerpräsident Kretschmer, mit den Grünen zusammengehen, um die AfD mit den allerletzten Mitteln zu verhindern.
    Die Grünen würden Windkraftanlagen am liebsten noch näher an Wohnstandorte heran bauen (natürlich nur wenn sie natürlich nicht selbst dort wohnen), damit das ganze Land mit den Windkraftmonstern beglückt wird.

    Dann droht der Windpark in Amtsberg auf jeden Fall. Solange wartet die Freiberger Firma wahrscheinlich auch noch mit dem Bauantrag.



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