Stadtgeflüster : Bei Trettmann rockt auch Kraftklub mit

Die Party in der Hartmannhalle, die Lesung am Bahnhofsschalter und die Wette an der Kaffeetasse.

Robert Schuster (Foto), in der Clubszene als DJ Shusta bekannt, hatte in den vergangenen Tagen eine Art Großauftrag. In der Hartmannhalle sorgte der Plattendreher während des RAW-Festivals für die musikalische Untermalung. Mal bediente er die Regler ganz zurückhaltend, während die Besucher der historischen Industriebrache zwischen den Ständen einzelner Museen spazierten, mal fuhr er die Bässe richtig hoch. In der Nacht zum Samstag gab er dann richtig was auf die Ohren: Beim Kopfhörerkonzert im Rahmen der Tage der Industriekultur schickte er seine Beats direkt in die Gehörgänge der Partygäste. Noch lauter ging es dann am folgenden Abend zu. Da sprang der Hip-Hop-Musiker Trettmann - früher nannte er sich Ronny Trettmann, geboren wurde er in der Stadt als Stefan Richter - auf die provisorischen Bretter in der Halle. Und vor der Bühne sprangen die Promikollegen auf und ab: die Brummer-Brüder von Kraftklub zeigten sich im Party-Modus. Hinter den Kulissen regierte derweil strenges Management. Zwei Profifotografen wollten knipsen, ran durfte aber nur einer, hieß es vom Begleittross. In den zwei Wochen des RAW-Festivals der Industriekultur kamen bis gestern insgesamt 13.500 Besucher.

Thomas Brussig (Foto), Schriftsteller und Drehbuchautor, schaute am Samstag ziemlich skeptisch, als er an den Ort kam, an dem er eine Stunde später aus seinem Buch "Beste Absichten" lesen sollte. Der Autor der Literaturvorlagen für die Filme "Sonnenallee" und "Helden wie wir" war Stargast des erstmals durchgeführten Literatur- und Kunst-Events "Literatourbahnhof" - mitten in der Schalterhalle. "Das ist für eine Lesung ein schwieriger Ort", meinte Brussig und kratzte sich am Kopf. "Ich hoffe, die Zuhörer bleiben konzentriert, auch wenn Reisende mit ihren Rollkoffern vorbeiziehen." Hatten sich zunächst nur ein paar "Hanseln" auf den 70 Zuhörerstühlen in der Bahnhofshalle niedergelassen, blieben nach Brussigs Lesestart aber immer mehr Menschen sitzen und lauschten. "Ein spannendes Experiment", fand Elke Beer, die Chefin der Stadtbibliothek. Sie hatte dem Stand des Bücherei-Fördervereins einen Besuch abgestattet. "Toll, dass die Menschen innehalten", freute sie sich dann. Thomas Brussig machte aus seinem Chemnitz-Besuch passend zum Bahnhofsmotto eine Express-Visite - und stieg ein Stündchen später wieder in den Zug Richtung Berlin.

Klaus Kowalke, Inhaber der Vereinsbuchhandlung "Lessing und Kompanie", hatte am Freitag Notstand - einen Wasserrohrbruch mitten im Kaßberg-Geschäft, mit danach etwa 300 eingeweichten Büchern. Und trotzdem machte er mit seiner Lebensgefährtin und Buchhandlungs-Mitinhaberin Susanne Meysick wie versprochen bei einer großen Kaffeewette mit. Von Freitag auf Samstag ging es darum, im Stadtgebiet mehr als 5000 Tässchen "Heeßen" aus fairem Handel auszuschenken. Neben den Buchhändlern beteiligten sich die Mensa-Mitarbeiter der Uni, die Szenekneiper vom Lokomov und die Markthändler während der Eröffnung der Interkulturellen Wochen in der City an dem Kaffee-Deal. Der besagte: Trinken die Chemnitzer mehr als die angepeilten 5000 Tassen aus, muss Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig auf dem Weihnachtsmarkt solchen fair gehandelten Kaffee verkaufen. Sie hatte nämlich gewettet, dass die Einwohner das nicht schaffen. Jedoch: Die Kaffeemaschinen mahlen offenbar schneller, als die Wettinitiatoren zählen können. Das Ergebnis der Wette wird erst heute ausgezählt. Klaus Kowalke lieferte seine Statistik bereits am Samstag übergenau: "Bei uns tranken 160 Gäste 207 Tassen Kaffee." Und noch genauer ergänzte er: "Vier davon kamen mit dem Nahverkehr zu uns, elf mit dem Fahrrad und 145 zu Fuß."

Carsten Knödler (Foto), Direktor des Chemnitzer Schauspiels, holte sich am Samstagabend nach der "Faust II"-Inszenierung einen satten Applaus ab. Und anschließend zur Premierenparty im Theaterclub schwärmten die Weintrinker: Beeindruckendes Stück! Dicht inszeniert! Sagenhaftes Bühnenbild! Die Theaterleute hatten also Grund, zu feiern. Intendant Christoph Dittrich machte mit, Ballettdirektorin Sabrina Sadowska hob das Glas auf ihre am Stück beteiligte Kompanie. Nur der Regisseur und Hauschef selbst blieb zurückhaltend. "Ich bin noch nicht ganz fit", sagte Knödler zerknirscht. In der vergangenen Woche hatte ihn eine ziemlich heftige Erkältung schwer im Griff gehabt.

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