Ferienlager: Was muss ich alles wissen?

Das Ferienlager ist heute wieder gefragt - Wo es noch Plätze gibt, was sie kosten und warum es sich für Kinder lohnt.

Noch acht Wochen, dann gehen in Sachsen die Sommerferien los. Aber in den meisten Fällen haben Eltern nicht so lange frei wie ihre Kinder. Das stellt viele vor die Frage: Wohin dann mit meinem Kind? Eine Möglichkeit, die Tage sinnvoll zu verbringen, bieten Ferienlager. In Sachsen gibt es überraschend viele davon.

Ein Großteil nutzt die Betriebsferien- oder Pionierlager aus DDR-Zeiten, die inzwischen umfangreich modernisiert wurden. "Unsere Anlage ist vom Aufbau her ähnlich geblieben. Aber wir haben Bungalows, Küche und sanitäre Einrichtungen runderneuert", sagt Ingo Döring vom Kiez "Querxenland" in Seifhennersdorf. Vor der Wende war es als Betriebsferienlager des VEB Waggonbau Bautzen nach Rosa Luxemburg benannt. Nur die Zelte, in denen bis 1983 alle Kinder bei jedem Wetter schliefen, gibt es nicht mehr.

Susanne Plecher hat die wichtigsten Fragen rund ums Ferienlager zusammengefasst.

Welche Ferienlager-Angebote gibt es?

Lagerfeuer, Nachtwanderungen und Kinderdiscos, die viele Eltern aus der eigenen Kindheit kennen, sind auch heute noch fester Bestandteil der Feriencamps - unabhängig vom thematischen Schwerpunkt. So gibt es Angel-, Reit-, Kletter- oder Fußballlager, Kinder können an Theaterworkshops oder Beautycamps teilnehmen, Filme drehen, Hörspiele produzieren oder Englischkenntnisse vertiefen. Das organisieren einerseits kommerzielle Dienstleister, die Reisen auch außerhalb Sachsens anbieten. Andererseits gibt es etwa die Kinder- und Jugenderholungszentren, die die Camps in ihren eigenen Einrichtungen durchführen. In Sachsen gibt es neben dem in Seifhennersdorf vier dieser sogenannten Kieze: in Grünheide, Schneeberg, Sebnitz und Weißwasser. Ähnlich handhaben das auch einige der 22 Jugendherbergen im Freistaat, zum Beispiel die Häuser an der Talsperre Kriebstein, in Klingenthal oder Plauen. Auch die Schullandheime sind für Ferienkinder offen und bieten preiswerte Alternativen. Zu den 15 Einrichtungen, die im sächsischen Landesverband organisiert sind, gehören Landheime in Sohland/Spree oder Netzschkau im Vogtland. Dazu bieten die Kirchgemeinden Kinder- und Jugendfreizeiten an. Sie sind meist sehr preisgünstig, weil die Kinder in Gemeindezentren schlafen oder ihre Zelte auf Kirchengrund aufschlagen.

Gibt es noch freie Plätze für die Sommerferien?

Ja, gibt es. So sind beispielsweise von den rund 2700 Plätzen in den sächsischen Kiezen noch gut 800 frei. "Man hat auf jeden Fall die Chance, etwas Gutes zu bekommen", sagt Juliane Körner vom Touristik-Service-Center in Dresden. Anmelden kann man sich in der Regel bis wenige Tage vor Beginn des Ferienlagers. Wem das zu hektisch wird, der kann sich auch schon nach Camps für die Herbst- und Winterferien umtun. Die ersten Angebote sind bereits auf den Internetseiten eingestellt.

Was kostet eine Woche Ferienlager?

Das kommt auf Ziel, Thema und Dauer an. Wander- und Badecamps sind natürlich günstiger als Tauch- oder Sprachangebote. Kurzreisen von Montag bis Freitag sind ab 150 Euro zu haben. Die meisten Reisen für ein Kind und eine Woche kosten zwischen 200 und 350 Euro. Eltern sollten zusätzlich etwas Taschengeld einplanen.

Gibt es Fördermöglichkeiten für Leute mit wenig Geld?

In der Regel nicht. Aber einige Anbieter sind Kooperationen mit Kommunen eingegangen. So zahlen Kinder aus Chemnitz zehn Euro pro Übernachtung weniger, wenn sie sich für ein Angebot der Firma Verreiser von der Kindervereinigung Chemnitz entscheiden. Chemnitz-Pass-Inhaber erhalten dort einen Zuschuss von weiteren 20 Euro je Übernachtung, wenn sie verbindlich bis zum 22. Juni buchen. Zudem gewähren manche Anbieter einen Geschwisterrabatt. Die Jugendherbergen etwa reduzieren generell den Preis für ein Geschwisterkind um zehn Prozent, wenn beide Geschwister das gleiche Ferienlager besuchen. Eltern, die Sozialleistungen wie ALG II, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten, können über das Bildungs- und Teilhabepaket Geld ansparen: Monatlich stehen ihren Kindern zehn Euro für das soziale und kulturelle Leben zu, die auch für das Ferienlager verwendet werden können. Anträge müssen beim zuständigen Amt vor Reisebeginn gestellt werden.

Wie kommt mein Kind hin?

Früher wurden Ferienlager meist zentral von den Betrieben für die Kinder der Mitarbeiter organisiert. Das umfasste auch den Transport. Heute müssen die Eltern ihren Nachwuchs in den meisten Fällen zu den Camps fahren - und wieder abholen. In Einzelfällen wird gegen einen Aufpreis ein Busshuttle angeboten, vor allem wenn die Ferienlager außerhalb Sachsens liegen. Das macht zum Beispiel Zebra-Tours aus Leipzig. Dafür müssen die Kinder zu einem zentralen Abfahrtsort gebracht werden.

Braucht das Kind eine Reiserücktrittsversicherung?

"Wir empfehlen das unseren Kunden immer", sagt Winni Kettner vom Landesverband der Kinder- und Jugenderholungszentren. Schließlich werden Kinder auch in den Ferien mal krank. Branchenüblich sind bei Reisen bis 500 Euro Versicherungspreise von 15 bis 30 Euro. Sinnvoll ist, beim Abschluss darauf zu achten, dass ein Abbruch mitversichert ist. "Dann muss ein Arzt attestieren, dass die Reise nicht fortgesetzt werden kann", sagt Diana Geishecker von der Allianz in Freiberg. Bei einigen Ferienlageranbietern ist die Versicherung bereits im Preis inbegriffen.

Wann ist ein Kind alt genug fürs Ferienlager?

Die Kieze bieten sogenannte Bambini-Camps schon für Sechsjährige. Günstig ist es, wenn das Kind vorher schon einmal mit der Kindergartengruppe oder der Klasse auf Landheimfahrt war. "Wenn es diese erste Mutprobe überstanden hat, weiß es, dass es auch einmal ohne seine Eltern unterwegs sein kann", sagt Katja Hartmann vom Kiez Sebnitz. Bambini-Camps arbeiten mit kleineren Gruppen und mehr Betreuern, die für die Bedürfnisse der jüngeren Kinder sensibilisiert sind. "Da wird auch mal gehuschelt, es gibt Gute-Nacht-Geschichten und der Bewegungsradius ist nicht so riesig", sagt sie. In den meisten Camps sind die Kinder älter. "Das Gros bewegt sich zwischen acht bis 13 Jahre", sagt Gerd Richter vom Sächsischen Landesverband der Schullandheime. Angebote gibt es für Jugendliche bis 18 Jahre.

Was, wenn das Kind Heimweh hat?

Dass einmal ein Tränchen rollt, lässt sich nicht immer verhindern. Die beste Therapie ist Abwechslung: "Kinder dürfen sich nicht langweilen. Wenn sie beschäftigt sind und abends kaputt ins Bett fallen, hat Heimweh keine Chance", sagt Winni Kettner. Die Campleiter trösten, helfen mit einem Kuscheltier aus, motivieren. Hilft alles nichts, können die Kinder auch vorzeitig abgeholt werden.

Was haben die Kinder davon?

"Kinder können eine Woche lang machen, worauf sie Lust haben", sagt Juliane Körner. Dass sie einmal ganz ohne Eltern klarkommen müssten, sei gut für das Selbstvertrauen. "Die Situation ist für alle neu, die meisten lernen sich erst kennen und begegnen einander unvoreingenommen. Sie finden innerhalb kürzester Zeit neue Freunde", so Winni Kettner. Das sei vor allem für die Kinder wohltuend, die an ihrer Schule Schwierigkeiten haben oder gehänselt werden. Und manche Freundschaften halten länger als einen Sommer. "Am Ende verabreden sich einige schon für das nächste Camp", sagt Katja Hartmann.

Weitere Informationen zu Ferienlagern in Sachsen finden Sie im Internet:

Landesverband der Kinder- und Jugenderholungszentren in Sachsen: Sächsischer Landesverband der Schullandheime: www.kiez.com www.schullandheime-sachsen.de

Dt. Jugendherbergswerk Landesverb. Sachsen: www.jugendherberge-sachsen.de

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