Scheidung: Wer zahlt wem was?

Haus, Unterhalt, Rente: Wenn Paare sich trennen, gibt es einiges zu regeln. "Freie Presse"-Experten geben Rat

Viele Paare kaufen sich im Lauf ihrer Partnerschaft eine Immobilie, um ein eigenes Zuhause zu haben und für das Alter vorzusorgen. Bei manchen geht der Plan leider nicht auf, und sie trennen sich, bevor der gemeinsame Lebensabend beginnen kann. Was dann mit Haus oder Eigentumswohnung geschieht, sorgt in den meisten Fällen für Streit - und wirft viele Fragen auf. Susanne Plecher hat die Antworten notiert, die die Notare Jana Rhein aus Dresden und Rüdiger Müller aus Freital sowie Frank Simon, Dresdner Fachanwalt für Familienrecht, am Lesertelefon gegeben haben.

Wir werden uns trennen. Mein Mann tilgt den Kredit für unser Haus, er steht auch allein im Grundbuch. Wir haben ein Kind. Welche Schritte stehen an?

Zunächst sollten Sie Klarheit über einige Fragen gewinnen: Wer ist unterhaltspflichtig, wo wird das Kind künftig leben, wer soll weiter im Haus wohnen? Wie soll die weitere Finanzierung funktionieren? Für eine Klärung im Vorfeld der Scheidung müssen Sie und Ihr Mann sich in diesen Fragen einig sein. Das kann in einem Notarvertrag geregelt werden. Ein Vorgespräch mit Ihnen beiden wäre sinnvoll.

Wir wollen uns scheiden lassen. Können wir beim Notar einfach die Umschreibung im Grundbuch veranlassen? Ist das Haus dann noch Gegenstand der Scheidung?

Eine notarielle Beurkundung reicht aus. Wenn auch der gesamte Zugewinnausgleich darin geregelt ist, ist das Haus kein Gegenstand der Scheidung mehr.

Mein Noch-Ehemann will aus meinem Haus einfach nicht ausziehen. Er nutzt das hinsichtlich Zugewinn und Scheidungsfolgevereinbarung als Druckmittel. Ich zahle alle anfallenden Kosten, er auf Anraten seiner Anwältin nur eine Nutzungsentschädigung. Was kann ich tun?

Wenn das Zusammenleben unzumutbar geworden ist, kann man einen Antrag auf Zuweisung der ehelichen Wohnung bei Gericht stellen. In diesem Fall müsste ein Partner ausziehen. Grundsätzlich bleibt die eheliche Wohnung bis zur rechtskräftigen Scheidung bestehen. Der Ehemann muss nicht ohne Weiteres ausziehen, auch wenn ihm das Haus nicht gehört. Sie sollten sich an einen Anwalt wenden, ob für Sie als Alleineigentümerin gegebenenfalls ein Anspruch auf Räumungsklage besteht.

Mein Ehemann hatte schon vor der Ehe ein Grundstück und wir haben das Haus während der Ehe gemeinsam darauf gebaut. Welcher Anspruch steht mir zu?

Die während der Ehe angefallene Wertsteigerung am Grundstück einschließlich des Hauses ist bei der Berechnung des Zugewinnausgleichsanspruchs mit zu berücksichtigen. Soweit Sie sich über den Wert nicht einigen können, muss dieser durch ein Verkehrswertgutachten festgestellt werden.

Nach 20 Jahren Beziehung (vier davon in Ehe) haben wir uns jetzt getrennt. Mein Mann ist von der Trennung sehr verletzt und will die Scheidung, ich nicht. Ich habe auch die Witwenrente im Hinterkopf. Kann sich mein Mann auch ohne meine Zustimmung scheiden lassen?

Ja, das kann er - nach einer dreijährigen Trennungszeit. Im Fall der einverständlichen Scheidung beträgt die Trennungszeit nur ein Jahr. Ein Anspruch auf Witwenrente besteht nur, wenn Sie zum Zeitpunkt des Todes noch verheiratet waren.

Können unsere erwachsenen Söhne (45 und 49 Jahre) einen Pflichtteil einfordern, wenn mein Ex-Mann verstirbt? Er hat mit seiner zweiten Frau nicht nur ein großes Haus, sondern auch einen Sohn (30 Jahre).

Pflichtteilsansprüche der Kinder bestehen unabhängig davon, mit wem der Erblasser zuletzt verheiratet war. Ihre Höhe richtet sich nach den gesetzlichen Erbansprüchen. Durch die zweite Heirat und den weiteren Sohn verringern sich die Ansprüche Ihrer Söhne jedoch.

Mein Mann trennt sich gerade von mir. Er verdient 3500 Euro, ich 700 Euro. Erhalte ich Unterhalt, wenn er aus unserem gemeinsamen Haus auszieht, in dem ich noch mit einem minderjährigen Kind lebe? Wir kommen beide finanziell für das Haus auf.

Sie haben Anspruch auf Trennungsunterhalt und nach der Scheidung gegebenenfalls auf nachehelichen Unterhalt. Den erhalten Sie jedoch nur, wenn Sie ihn nachweislich, zum Beispiel durch ein privates oder anwaltliches Schreiben, von Ihrem Mann fordern.

Wir leben mit unseren minderjährigen Kindern im eigenen Haus. Mein Partner will nicht ausziehen, obwohl er es sich leisten könnte. Ich habe bislang noch nicht den Mut dazu gefasst. Wer bekommt das Haus?

Entscheidend ist, wer im Grundbuch eingetragen ist. Bei Miteigentum muss eine einvernehmliche Lösung gefunden werden - im ungünstigsten Fall kann das Miteigentum nur durch eine Zwangsversteigerung auseinandergesetzt werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in diesem Fall unter Umständen die gemeinsamen Kredite von der Bank sofort fällig gestellt werden können.

Mein Ehemann und ich leben im Trennungsjahr, er ist ausgezogen. Unsere gemeinsame Tochter wohnt bei mir. Muss er mich finanziell unterstützen, wenn ich allein nicht so viel verdiene? Wer muss sich um den Unterhalt und das Umgangsrecht kümmern?

Da Ihre Tochter bei Ihnen lebt, müssen Sie den Kindesunterhalt fordern. Das gilt auch für Ihren eventuellen Trennungsunterhalt, wenn Ihr Einkommen geringer ist als das Ihres Mannes. Nach dem Gesetz steht Ihnen beiden das Umgangsrecht zu. Soweit Sie sich nicht über die Einzelheiten einigen können, kann das mit Unterstützung des Jugendamtes oder im gerichtlichen Verfahren geregelt werden.

Wie wird die Höhe des Kindesunterhaltes berechnet?

Grundsätzlich beurteilt sich die Höhe des Kindesunterhaltes nach der Düsseldorfer Tabelle. Dabei hängt die Höhe von der Anzahl der Kinder und vom Einkommen des Unterhaltspflichtigen ab. Das Jugendamt ermittelt die Höhe auf Nachfrage kostenfrei. Bei schwierigen Fällen sollten Sie sich an einen Fachanwalt für Familienrecht wenden.

Ich möchte mit unserem Kind, das bei mir lebt, für eine Woche verreisen. In diese Zeit fällt das Umgangswochenende des Vaters. Er sperrt sich gegen den Urlaub und geht nicht auf angebotene Ersatzwochenenden ein. Muss ich die Reise stornieren oder kann ich ohne seine Zustimmung wegfahren?

Grundsätzlich hat jeder Elternteil Anspruch auf hälftigen Ferienumgang, der auch dem regelmäßigen Wochenendumgang vorgeht. An sich sollte der Ferienumgang im Rahmen der Umgangsregelung mit vereinbart werden. Wenn keine kurzfristige Lösung möglich ist, müsste unter Umständen ein Eilverfahren beim Familiengericht angestrengt werden.

Ich darf meine Tochter nur drei Stunden pro Woche sehen, weder Wochenenden noch Urlaub mit ihr verbringen. In welchem Umfang ist mir Umgang zu gewähren? Wie setze ich mein Recht um?

Sie sollten eine anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen und Ihr Anliegen gerichtlich überprüfen lassen. Die konkrete Länge des Umganges muss nach den Umständen des Einzelfalls bestimmt werden.

Ist ein Ehevertrag vor Gericht anfechtbar?

Grundsätzlich ist das möglich, wenn sich die Lebensverhältnisse oder die Rechtsprechung geändert haben. Er fällt deshalb nicht zwingend weg, sondern wird an die aktuelle Lebenssituation oder Rechtsprechung angepasst.

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