Aus Eiscafé Temmler wird eine Sushibar

Wer in der fast 100 Jahre alten Eisdiele an der Zschopauer Straße eine Kugel Vanille oder Schoko essen möchte, steht derzeit vor verschlossenen Türen. Nach einem Umbau soll es statt italienischen bald japanische Gerichte geben. Aber ganz aufgeben will der Inhaber das Traditionsgeschäft auch nicht.

Die großen Glasfenster sind mit Folie abgehangen, Kabel ragen aus den kahlen Wänden und von der Decke. In jeder Ecke stehen Baumaterialien. Dass das ehemalige Eiscafé Temmler an der Zschopauer Straße einmal auf links gedreht werden soll, lässt sich mehr als erahnen. Nur die geschwungene Treppe erinnert noch an das Café, in dem bis Ende Dezember auf zwei Etagen selbsthergestelltes Eis und italienische Speisen wie Pizza serviert wurden.

Doch damit soll nun Schluss sein, der Inhaber hat neue Pläne. "Wir vergrößern den Gastraum, und die Toiletten werden in den hinteren Restaurantbereich verlagert", erzählt Karsten Richter. Aus familiären Gründen will er die mit Lager und Küche rund 650 Quadratmeter großen Räume künftig vermieten und nicht mehr selbst bewirtschaften. "Wir hatten einige Angebote von Gastronomen. Aber wir haben jemanden mit einem besonderen Konzept, viel Erfahrung in der Gastronomie und finanzieller Sicherheit gesucht", so Richter. Und ergänzt: "Italienische Restaurants und Döner-Buden haben wir in der Stadt genug." Die Wahl fiel auf ein japanisches Restaurant. Der neue Betreiber investiere eine hohe sechsstellige Summe allein in die neue Einrichtung, gibt Richter preis.

Statt Eis und Pizza soll es an der Zschopauer Straße also bald Miso-Suppe und Sushi geben. "Das spezielle Konzept des neuen Restaurants dürften die Chemnitzer noch nicht kennen", schätzt Karsten Richter. Als Vermieter lege er Wert darauf, dass das Projekt kein Schnellschuss und kein "klassischer Asia-Tempel mit Buffet" werde.

Wie die künftige Restaurantchefin Chen Zhangzhang verrät, sollen die Gäste ihre Bestellung von ihrem Platz aus elektronisch über ein Tablet, also eine Art Computer, bestellen können. "Die Bestellung kommt dann direkt in der Küche an und wird dort frisch zubereitet." Die 36-Jährige betreibt bereits mehrere asiatische Restaurants in den alten Bundesländern und sei mit ihrem Mann und zwei Söhnen nach Chemnitz gezogen, um sich um das neue Projekt zu kümmern. Mindestens zehn Mitarbeiter will sie einstellen. Einen genauen Eröffnungstermin können Vermieter und Betreiberin noch nicht nennen. "Wir rechnen aber mit Juni", so Karsten Richter.

Doch nicht nur im ehemaligen Café Temmler finden Bauarbeiten statt. Denn Karsten Richter will die fast einhundert Jahre alte Tradition von Eis-Temmler fortführen. Die erste Kugel Eis verkaufte die Familie Temmler an der Zschopauer Straße bereits im Jahr 1923. Damals jedoch noch in einer kleinen Holzhütte. "Nach der Wende haben wir neu gebaut. In einer Holzhütte durfte kein Eis mehr hergestellt werden", erzählt Richter, der den Betrieb 1985 von der Familie Temmler übernommen hatte. Auf rund 70 Quadratmetern soll nun im gleichen Gebäude, aber ein Eingang weiter links eine neue Eisdiele entstehen. "Wir bringen die Eis-Manufaktur aus dem Jahr 1923 zurück. Unsere Kunden können wieder dabei zusehen, wie das Eis in den Maschinen frisch hergestellt wird."

Selbst bewirtschaften will er das Café jedoch nicht. "Wir stellen das Konzept und den Namen zur Verfügung und suchen aktuell noch nach einem Betreiber", so der 49-Jährige. Diesen will er mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung unterstützen. "Den Eröffnungstermin für die Eisdiele können wir noch nicht benennen. Wir lassen uns viel Zeit dabei, einen Nachfolger zu finden."

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