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Florian Huber (vorn) hatte zur Eröffnung seiner Installation "Distrikt" am Marx-Kopf Besuch seines Vaters Walter Huber. Dieser nahm Platz in einer der Zellen, die ein Chemnitzer Paar gestaltet hat. Darin geht es um das Thema Glück. Was es bedeuten könnte, steht auf den angehängten Zetteln.

Foto: Andreas Seidel

Chemnitz: Kritik an Zuschüssen für Käfig-Kunst um den Karl-Marx-Kopf

Eine Installation aus Bauzäunen steht bis Mitte September am Marx-Monument. Dass der Künstler dafür 6000 Euro Fördermittel bekommen hat, finden nicht alle gut.

Von Jana Peters
erschienen am 01.08.2017

Auf den ersten Blick denkt der Betrachter an eine Baustelle. Rings um die Büste von Karl Marx stehen rund 300 Bauzäune. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sie ein Labyrinth aus rund 50 begehbaren Zellen bilden.

Ausgedacht hat sich diese Installation Florian Huber. Der Künstler aus Hamburg beschäftigt sich meist mit dem Thema ein- und ausgrenzen. Bevorzugte Materialien dafür sind Bauzäune und Stacheldraht. Als Grenzsymbol sowie als konkrete Grenze trete der Bauzaun für Menschen aus verschiedensten Kulturen, Zeiten und Lebenssituationen auf. Die Installation, die den Namen "Distrikt" trägt, sei mit den Räumen, die dort entstanden sind, eine Einladung zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema Ausgrenzung, beschreibt Huber. Gestern wurde die Installation offiziell eröffnet.

Das Projekt wurde mit 6000 Euro aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" gefördert. Das hält mancher Chemnitzer für ungerechtfertigt. So schrieb Gerd Krämer der "Freien Presse", er halte die Installation für eine "absurde Idee". Und weiter: "Ich will nur nicht daran denken, dass dafür Fördermittel ausgegeben werden". Leser Klaus Müller bezeichnete die Installation als Unsinn. Sybille und Joachim Koppe schrieben, Chemnitz sei mit dem Image der grauen Maus behaftet und deshalb bereit, "auch für Unspektakuläres im Sinne einer künftigen Kulturhauptstadt Geld in die Hand zu nehmen". Huber käme angesichts einer Förderung von 6000 Euro wahrscheinlich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Kritik an dem Zuschuss übt auch Künstlerin Dagmar Ranft-Schinke. "Für so etwas Temporäres 6000 Euro auszugeben, ist schade", sagt die Malerin und Grafikerin. Das Geld hätte man besser in etwas von Dauer investieren können. Chemnitzer Künstler würden von der Stadt kaum noch gefördert. Sie kaufe nichts mehr an, bei Bauprojekten gebe es - entgegen der Praxis zu DDR-Zeiten - keine Kunst am Bau mehr und damit keine Verdienstmöglichkeiten für Künstler. Ihr fehle eine Geste der Stadt.

Das Bundesprogramm "Demokratie leben" ist ein Teil, mit dem der sogenannte Lokale Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz (LAP) umgesetzt wird. Ines Vorsatz koordiniert den LAP. Er sei eine kommunale Strategie zur Stärkung der Demokratie und Akzeptanz demokratischer Werte. Unterstützt werden Vereine, Privatpersonen und Institutionen, die sich gesellschaftspolitisch engagieren. Die Stadt gibt 80.000 Euro in diesen Topf, aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" kommen weitere 22.000 Euro hinzu. Ein Ausschuss, bestehend aus 17 Personen, berät über die Anträge und gibt Empfehlungen ab. Das letzte Wort hat aber die Stadt, erklärt Vorsatz. 2017 werden 39 Projekte unterstützt.

Die Installation am Marx-Kopf hat mit 6000 Euro die maximale Fördersumme erhalten. Auch der Verein ASA-FF hat diese Summe bekommen. Er hatte 2016 ein Theatertreffen zum Thema NSU organisiert, das Projekt soll in diesem Jahr fortgeführt werden. Ebenfalls mit 6000 Euro wird der Verein Creative Change gefördert, der Theaterworkshops und Mitmachtheater zu Demokratie, Fremdenfeindlichkeit und Menschenrechten plant. Abgelehnt beziehungsweise auf eine Warteliste gesetzt wurde zum Beispiel das Vorhaben, an den Astra-Werken eine Gedenktafel anzubringen, die an den Einsatz von Kriegsgefangenen dort während der NS-Zeit erinnert, oder ein Theaterpädagogisches Projekt, das mit Flüchtlingen und EU-Bürgern gestaltet werden sollte.

Ines Vorsatz sagte, in Diktaturen, die aktuell auf dem Vormarsch seien, werde zuerst Meinungs- und Pressefreiheit abgeschafft, die Kommunikation eingeschränkt und Meinungen ausgegrenzt. Dafür stehe das Kunstwerk, und deshalb sei auch die Diskussion darum gut. Es biete eine Plattform für weitere Auseinandersetzung mit dem Thema, was auch ein Grund für die Förderung sei. So wird eine Zelle bald genutzt werden, um eine Ausstellung über das Geschäft Tønsberg an der Mühlenstraße zu zeigen. Dort wird Bekleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar verkauft. Die Ausstellung weist darauf hin, dass sich in der norwegischen Stadt Tønsberg ein KZ befand. Diese Ausstellung passe hervorragend in eine der Bauzaun-Zellen, so Vorsatz.

Florian Huber sagte, er habe viele Anfragen von Künstlern, die Zellen nutzen möchten. Eine Zelle wurde bereits gestern von Chemnitzern zum Thema Glück gestaltet.

Zur Kritik an der Förderung erklärt Huber, zwei Drittel des Geldes seien in Materialkosten geflossen, ein weiteres Drittel sei für Fahrtkosten, Verpflegung und Unterbringung in den vergangenen zwei Wochen für sich und für Helfer draufgegangen. Das Projekt erlaube ihm lediglich, seine Fixkosten zu decken. "Es geht nicht ums Geldverdienen", so Huber.

 
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Chemnitz: Kritik an Zuschüssen für Käfig-Kunst um den Karl-Marx-Kopf
Ist das Steuergeld richtig eingesetzt?
 
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Kommentare
22
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 04.08.2017
    14:32 Uhr

    Pragmatiker: @ Zeitungss: Bezüglich der Steuergelder auf alle Fälle, aber bezüglich der Kunst? Dann doch lieber den Fettfleck von Beuys....

    1 1
     
  • 04.08.2017
    14:16 Uhr

    siegmilde: Mit Material für 6000? für den Kunstunterricht in einer Schule hätte man mehr für die Kunst getan. Welches Gremium entscheidet über die Verteilung unserer Steuermittel für solche angebliche Kunst? Wer trägt anschließend die Kosten für den Abbau und die Entsorgung der Bauzäune?

    1 5
     
  • 04.08.2017
    09:04 Uhr

    Zeitungss: @Pargmatiker: Einen noch als Zugabe, den CFC !!!!!

    1 3
     
  • 04.08.2017
    00:16 Uhr

    cn3boj00: Na ja die Frage was Kunst ist konnte hier nicht richtig geklärt werden. Es geht eher um die Frage welche Kunst gefördert werden darf und welche nicht? Und klar, "solche" Kunst eben nicht. Da frage ich eben nicht, was Kunst überhaupt ist, sondern wann darf man Kunst fördern? Gibt es ein Kriterium dafür? Ich glaube übrigens die Schocken-Bank wurde nicht als Kunst gefördert, und die Steuerverschwendung ist immens (das weiß ich). Deshalb sind 6000 Euro wirklich nichts, worüber man sich aufregen muss, es sei denn man will von wirklicher Verschwendung ablenken.

    4 4
     
  • 03.08.2017
    07:52 Uhr

    Hinterfragt: An das Rathaus:

    Ich habe hier noch 5 alte Klobecken herumstehen.
    Diese würde ich gern vorm Rathaus als Kunstinstallation aufstellen

    Titel: "Kommen und Gehen".

    Keine Angst die Becken sind sauber.
    Für die Zuwendung von Fördermittel wäre ich sehr dankbar ...

    5 5
     
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