Kehrt der Bergbau nach Chemnitz zurück?

Auf der Suche nach Nickel-Vorkommen ist der Stadtteil Röhrsdorf in den Fokus von Rohstoffexperten gerückt. In Unterlagen ist bereits von einem Tagebau die Rede. Die Lagerstätte hat es in sich.

Wer sich in Chemnitz auf die Spuren des Bergbaus begeben will, wird unter anderem in Rabenstein fündig. Reichlich 600Jahre lang wurde dort in schwerer Arbeit Kalk abgebaut, gebrannt und abtransportiert. Die Felsendome zeugen als Besucherbergwerk bis heute davon.

Im Nachbarort Röhrsdorf könnte nun in nicht allzu ferner Zukunft ein neues Kapitel Bergbaugeschichte aufgeschlagen werden. Ein Privatunternehmen aus der Nähe von Freiberg, die Saxony Minerals & Exploration AG (SME), will dort in den kommenden Jahren nach Nickel, Kobalt und Chrom suchen.

Die Rohstoffe werden nicht zuletzt für den Bau von Batterien für Elektrofahrzeuge benötigt. Der steigende Rohstoffbedarf unter instabilen geopolitischen Verhältnissen erfordere es, auch Lagerstätten und Vorkommen in Betracht zu ziehen, die bislang nicht als wirtschaftlich nutzbar galten, begründet SEM das Vorhaben.

Die Nickelgewinnung hat westlich von Chemnitz durchaus Tradition. Bei Callenberg wurden bis in die 1980er-Jahre hinein nickelhaltige Erze abgebaut und über eine eigene Erzbahn zur Aufbereitung in die Nickelhütte St. Egidien transportiert. Das Vorkommen soll damals als das größte in Mitteleuropa gegolten haben. Auch für den Röhrsdorfer Ortsteil Löbenhain gibt es Erkenntnisse. Laut einem "Freie Presse" vorliegenden Datenblatt werden unter einer 7,4Hektar großen Feldfläche unweit des Autobahnkreuzes bis zu 2000Tonnen Nickel vermutet - eingebettet in 243.000 Tonnen Roherz.

Die Vorkommen zwischen der A72 und dem Röhrsdorfer Umspannwerk sind Teil eines großen Erkundungsfeldes "Enora" (für Erzgebirgsnordrandstufe), das sich über mehrere Landkreise und Teile der Stadt Chemnitz erstreckt. Es reicht von Hohenstein-Ernstthal im Westen bis nach Siebenlehn im Osten. Dem Oberbergamt in Freiberg liege ein Antrag von SME auf Erkundung dieses fast 600Quadratkilometer umfassenden Gebietes vor, sagt Oberberghauptmann Bernhard Cramer, der Leiter der Behörde. Das Unternehmen beabsichtige, vorliegende historische Daten zu überprüfen und zu bewerten. "Die Aufsuchung ist für eine Dauer von fünf Jahren beantragt", so Cramer.

In Röhrsdorf hat sich mittlerweile auch der Ortschaftsrat mit dem Ansinnen beschäftigt. Ortsvorsteher Hans-Joachim Siegel (Linke) sieht dem Vorhaben mit gemischten Gefühlen entgegen. "Wir können gegen eine solche Erkundung wenig einwenden", sagte er. Gegen die Einrichtung eines Tagebaus, wie ihn das Datenblatt unter dem Stichwort "Gewinnung" vermerkt, würde sich Röhrsdorf aber wohl sicher zur Wehr setzen. "Dafür hätte ich kein Verständnis", so Siegel. "Überall sollen Tagebaue geschlossen werden. Da passt es einfach nicht, dass man hier womöglich einen neuen aufmacht."

Im Moment erscheint es allerdings noch überaus fraglich, ob es je dazu kommt. "Die Ergebnisse der Erkundungen werden nach Abschluss der zuständigen Behörde bekannt gegeben", erläutert Oberberghauptmann Bernhard Cramer den Ablauf des Verfahrens. Sollten die Untersuchungen erfolgreich gewesen sein, könnte danach ein Antrag auf Erteilung einer Bewilligung zur Gewinnung von Bodenschätzen beantragt werden.

Das Röhrsdorfer Vorkommen dürfte dabei kaum erste Wahl sein. Es gilt im Vergleich zu anderen innerhalb des weiträumigen Erkundungsfeldes nach vorläufiger Einschätzung als nicht besonders umfangreich. Aufgrund seiner Zusammensetzung dürfte das Erz zudem schwerer aufzubereiten sein als Vorkommen andernorts. Erheblich erschwerend kommt hinzu, dass die nähere Umgebung bebaut ist. Ein Freiberger Ingenieurbüro kam 2008 zu der Einschätzung, dass sich "hier der mögliche Zugriff auf die Vorräte als nahezu ausgeschlossen darstellt".

Die SEM AG selbst will sich derzeit öffentlich nicht äußern. "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir hierzu keine Stellungnahme abgeben", sagte eine Sprecherin. (mit hfn, bp)

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