Ärger wegen Bebauungsplänen für bisherige Grünfläche

Auf einem Grundstück in Dittersdorf durften bislang keine Häuser entstehen. Das will die Gemeinde jetzt aber ändern. Damit sind nicht alle einverstanden.

Amtsberg.

Mit der Aufstellung einer Klarstellungs- und Ergänzungssatzung will der Gemeinderat Amtsberg eine im Außenbereich gelegene Fläche im Ortsteil Dittersdorf dem Innenbereich zuführen. Ein Beschluss dazu ist gefasst, doch das betroffene Grundstück an der Bergstraße neben der August-Bebel-Siedlung sorgt für Diskussionsstoff. Genauer gesagt geht es um eine 27 mal 37 Meter große Teilfläche, auf der durch die angestrebte Veränderung der Bau eines Wohnhauses möglich wäre. Nachbarin Kerstin Grimm will das verhindern. Ihr liegt der Erhalt der dort stehenden Bäume am Herzen, da sie für die Natur eine wichtige Rolle spielen.

Das von der Gemeinde angegebene Ziel, eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung zu fördern, wird von der Dittersdorferin infrage gestellt. "Man bekommt eine Familie dazu. Dafür müssten aber mindestens 20 Bäume weichen, die 80 bis 90 Jahre alt sind", sagt sie über die dort stehenden Buchen, Stileichen, Ulmen und Bergahornbäume. Die 48-Jährige fürchtet aber nicht nur um die Bäume, sondern um das gesamte dortige Ökosystem und die klimatischen Bedingungen in diesem Bereich. "Der dichte Baumbestand sorgt besonders in immer heißer werdenden Sommern dafür, dass es hier meist etwas kühler ist", erklärt die Geschäftsführerin eines mittelständischen Feinmechanik-Unternehmens, die "mit gelebtem Naturschutz aufgewachsen" ist. Auch als Wasserspeicher bei Starkregen komme dem kleinen Waldgürtel eine wichtige Bedeutung zu.


Seit Kerstin Grimm vor acht Jahren in ihr jetziges Haus gezogen ist, sei es ihr Bestreben, das benachbarte Grundstück zu kaufen. Ohnehin hätten die Flächen eine Einheit gebildet, ehe sie aus Erbschaftsgründen getrennt wurden. Ein Vielfaches des üblichen Preises habe sie für das Grünland geboten, sei aber mit ihrem Versuch gescheitert. Bei einem Verkauf als Bauland, der durch das Vorhaben der Gemeinde möglich würde, geht es um deutlich höhere Summen. "Geld regiert nun mal die Welt", sagt die 48-Jährige, die aber nicht aufgeben will. Mit einem Schreiben hat sie sich an die Naturschutzbehörde des Landratsamtes gewandt, um auf die Konsequenzen hinzuweisen. "Dieser Eingriff in dieses kleine Ökosystem - inzwischen wegen eines Grundwassertümpels Heimat von Bergmolchen - kann durch nichts kompensiert werden", heißt es in dem Brief vom Juni 2019. Auch eine Wildwechselstelle würde durch die Bebauung verloren gehen.

Für Kerstin Grimm steht die aktuelle Entwicklung in krassem Widerspruch zur Positionierung der Gemeinde im bisherigen Flächennutzungsplan, in dem der Naturschutz für diese Fläche Vorrang hatte. Durch die Naturschutzbehörde sei dieses Grundstück als "Biotopverbund mit land- und ortschaftsbildendem Charakter" eingestuft worden. Laut Bürgermeister Sylvio Krause handelt es sich jedoch um ein Objekt, für dessen Bebauung die Kommune schon seit Jahren gesprächsbereit sei. Statt deshalb jedoch den gesamten Flächennutzungsplan zu kippen, könne dies als Einzelfall über eine Klarstellungs- und Ergänzungssatzung geschehen - so wie gerade praktiziert. "Der Gemeinderat steht mehrheitlich zu diesem Beschluss", betont Krause und ergänzt: "Wir müssen abwägen zwischen öffentlichem Wohl und Privatwohl." Er verweist unter anderem darauf, dass das Grundstück durch nahe liegende Leitungen problemlos zu erschließen sei.

Ob die Bäume, die womöglich ohnehin bald eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen könnten, im Zuge einer Bebauung gefällt würden, sei noch gar nicht klar. Ein Wohnhaus in grüner Umgebung kann sich der Bürgermeister an besagter Stelle gut vorstellen - ähnlich dem Haus von Kerstin Grimm auf dem Grundstück direkt daneben. "Zunächst werden in diesem Verfahren die Träger öffentlicher Belange angehört", erklärt Krause.

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