Die Kanzlerin und die Korbjäger

Angela Merkel hat noch nie zuvor ein Basketballspiel live gesehen. Warum dann ausgerechnet in Chemnitz?

Chemnitz.

Als Lukas Wank acht Sekunden vor Schluss den Ball in den Korb drückt, sich kurz am Ring festhält, die Halle jubelt, ist der Abend perfekt. So, wie ihn sich die Niners gewünscht hatten. Und auch so, wie es sich die Bundeskanzlerin erhofft hatte. Zu diesem Zeitpunkt steht sie nur wenige Meter hinter dem Korb vom Team Ehingen Urspring und jubelt mit den Chemnitzern, die das Spiel der 2. Bundesliga Augenblicke später mit 84:73 gewinnen. Ein wichtiger Sieg am Sonntag für die Basketballer und ein gelungener Abend für Angela Merkel.

Es ist das erste Basketballspiel ihres Lebens, das sie live sieht. Kennt sie die komplizierten Regeln? "Sie können davon ausgehen, dass ich weiß, wer gewinnt", sagt sie. Was heißen soll, sie weiß, was auf dem Parkett passiert. In der engen VIP-Lounge der Niners ist sie umringt von Ministerpräsident Michael Kretschmer, Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Vereinspräsidentin Micaela Schönherr und immer wieder von Sportfans, die sich für ein Selfie oder für ein paar Worte zu ihr durchkämpfen.


Seit November hat die Kanzlerin eine besondere Beziehung zu den Niners. Als sie die Stadt in der aufgeheizten Stimmung des vergangenen Herbstes besuchte, war sie zum ersten Mal im Verein, sprach mit Nachwuchsspielern und Funktionären. Die offenen Gespräche und die Atmosphäre haben ihr gefallen, sagt sie heute. Sofort habe sie beschlossen wiederzukommen. Aus dem eigenen Wahlkreis wisse sie, wie wichtig solches Engagement sei und das Bemühen um Sponsoren.

Micaela Schönherr hat zunächst nicht daran geglaubt, dass die Kanzlerin ihr Versprechen wahr macht. Um so zufriedener ist sie nun, dass es doch geklappt hat. Die Mannschaft hat es erst am Spieltag erfahren. "Die fanden das cool", sagt Schönherr. Sie selbst wusste es seit Freitag. Auch Torsten Kerl wechselt mit Merkel ein paar Sätze und findet gut, dass sie noch einmal da ist. Seit 20 Jahren ist der einstige West-Berliner in der Stadt. Als Unternehmer unterstützt er den Verein.

In der ersten Viertelpause kommt Karli auf die Regierungschefin zu. Karli ist das Maskottchen der Niners - und das Abbild des vorübergehenden Namensgebers der Stadt: Karl Marx. Dem Regierungssprecher wird mulmig. Aber Karli bekommt sein Küsschen. So wie nach dem Spiel der Kapitän des Teams, Malte Ziegenhagen. Die Fans in der Halle jubeln wie zu Merkels besten Zeiten. Und der Hallensprecher verkündet: "Wer so viel Glück bringt, darf auch wiederkommen."

 

 

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