Ein Fragebogen für den Notfall

Auf die Disponenten in der Rettungsleitstelle kommen neue Aufgaben zu. Sie sollen Anrufe künftig noch effizienter bearbeiten - und lernen, mit Autos zu "reden".

Zwickau.

Es herrscht Hochbetrieb in der Zwickauer Rettungsleitstelle. In der Zentrale an der Crimmitschauer Straße gehen täglich 1300 bis 1400 Anrufe für den gesamten Leitstellenbereich ein. Der umfasst neben dem Landkreis Zwickau auch das Vogtland und derzeit noch Teile von Aue-Schwarzenberg.

Im Durchschnitt ergeben sich aus den Anrufen 600 Einsätze. Davon wird 20-mal eine Feuerwehr losgeschickt, die restlichen Einsätze übernehmen Rettungswagen, Notärzte, Krankentransporte, oder sie gehören zur kassenärztlichen Bereitschaft. Auffällig ist, dass sich die Zahl der Krankentransporte seit Anfang des Jahres von bisher 250 bis 300 täglich auf 320 bis 350 erhöht hat. Die Grippewelle allein reicht dafür als Erklärung aber nicht aus, sagt der Zwickauer Feuerwehramtsleiter Heinrich Günnel.


Die mehr als 1000 Menschen, die pro Tag unter anderem über die Notrufnummer 112 in der Rettungsleitstelle landen, sind in ganz unterschiedlicher Verfassung. Manch einer wirkt gefasst, andere verhalten sich hysterisch. Für die Helfer am Telefon ist es mitunter kompliziert, die notwendigen Angaben zu bekommen. Ein neu entwickelter Fragebogen soll nun helfen. Denn werden die Informationen in einer festgelegten Reihenfolge abgefragt, besteht weniger die Gefahr, in der Aufregung etwas zu vergessen. Die erste Frage ist laut Heiko Kluß, bei der Feuerwehr Zwickau für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, die nach dem Ort des Geschehens. Auch wenn manch einer das anders gelernt hat: Das ist die erste Antwort, die an den Computer für die Koordinierung des Einsatzes gehen muss. Dann versuchen die Fachleute gemeinsam mit dem Anrufer herauszufinden, ob ein Notarzt oder ein Rettungswagen auf den Weg geschickt werden muss. Oder ob die Angelegenheit gar nicht so dramatisch ist - auch das kommt vor.

Derzeit werden die Mitarbeiter für die Anwendung des Fragebogens geschult. Erste Tests haben gezeigt, dass die Befragung nicht länger dauert. In einer Minute soll viel besprochen sein. Wenn nötig, bleibt der Disponent so lange am Telefon, bis Hilfe eingetroffen ist. Mehrmals im Jahr kommt es vor, dass die Experten eine Anleitung geben, damit die Anrufer Erste Hilfe leisten können.

Sind die Schulungen abgeschlossen, hört für die Frauen und Männer an den Telefonen das Lernen nicht auf. Mit der Regelung, dass jeder Neuwagen über einen E-Call verfügt, müssen die Disponenten den Umgang damit lernen. Das automatische Notrufsystem ist seit einigen Tagen Pflicht. Es gibt im Schadensfall den Standort eines Fahrzeugs durch und schaltet eine Sprechverbindung frei. "Wir hatten solche Fälle schon", sagt Kluß. Allerdings scheint das System noch Kinderkrankheiten zu haben. "Einmal stand das Auto vor der Tür, und der Besitzer hat sich gewundert."

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