Einbrüche im Yorck-Center: Hilferuf an Polizei und Rathaus

Geschäfte in der Einkaufspassage werden immer häufiger zum Ziel von Dieben, beklagt der Verwalter. Die Firma kritisiert zudem die Sicherheitsbehörden.

Yorckgebiet.

Als Kathrin Bothe ihren Laden für Presse- und Tabakartikel öffnen will, erschrickt sie. Unbekannte haben mit einem Gullydeckel eine Scheibe eingeschlagen. "Drinnen haben sie einige Artikel aus den Regalen gerissen und Zigaretten gestohlen", berichtet Bothe. Sachschaden: 400 Euro, dazu Stehlschaden in unbekannter Höhe. Passiert ist der Einbruch im Laufe des vergangenen Wochenendes, festgestellt wurde er am Montagmorgen. Bothes Laden liegt am Eingang des Yorck-Centers - und er ist nicht der einzige in der Einkaufspassage, den Diebe zuletzt heimgesucht haben.

Die Verwaltung des Yorck-Centers hat sich deshalb am Dienstag mit einem Hilferuf an Polizei und Stadtverwaltung gewandt. Es vergehe keine Woche ohne Einbruch oder Einbruchsversuch, heißt es in dem Schreiben der in Wien ansässigen Firma Hallmark Properties an das Chemnitzer Rathaus und die hiesige Polizei, das "Freie Presse" vorliegt. Es müsse "schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden", fordert das Unternehmen.

Vor Ort mit der Verwaltung des Centers beauftragt ist der frühere jahrelange Eigentümer Wilfried Huck. "Lange Zeit hatten wir keine Vorfälle. Jetzt häuft es sich", sagt Huck. In den vergangenen acht Wochen habe er sechs Einbrüche oder Einbruchsversuche gezählt. Allein eine Textilreinigung sei dreimal betroffen gewesen, zudem je einmal ein Frisör, ein Reisebüro und Kathrin Bothes Presseladen. Den dabei entstandenen Sachschaden beziffert Huck auf etwa 20.000 Euro. In der Regel komme die Versicherung der Mieter oder die des Centers dafür auf, ergänzt er.

Allen Tatorten gleich ist, dass sie auf dem Oberdeck des zweigeschossigen Centers liegen und Fassaden nach außen haben. So wie das Reisebüro, in dem Franziska Marek arbeitet. Vor gut zwei Monaten haben Unbekannte über Nacht ein Fenster aufgehebelt und im Inneren eine Verbindungstür aufgebrochen, berichtet sie. Der Sachschaden beläuft sich auf 3300 Euro - ein Vielfaches des Stehlschadens. Für die Kosten komme zwar die Versicherung auf, sagt Marek. Bei ihr bleibe nach dem Vorfall aber Verunsicherung zurück: "Man kommt jetzt mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit."

Die Center-Verwaltung erhebt indes Vorwürfe gegen die örtlichen Sicherheitsbehörden. Anfragen an Polizei und städtischen Ordnungsdienst nach mehr Präsenz im Umfeld des Centers seien "abgeschmettert" worden, heißt es in dem Schreiben an Polizei und Rathaus. Zur Begründung seien unter anderem personelle Engpässe oder fehlende Zuständigkeiten wegen des privaten Charakters des Geländes angeführt worden. "Wir mussten leider unser stets positives Gesamtbild von Chemnitz relativieren", bilanziert das Unternehmen.

Die Polizei erkennt im Yorck-Center und dessen unmittelbarem Umfeld allerdings keinen Kriminalitätsschwerpunkt. Eine erste Recherche zu Vorfällen in den vergangenen Wochen und Monaten habe "keine gravierende Häufung" ergeben, teilt Sprecherin Jana Ulbricht mit. Man werde sich aber mit dem Verwalter des Einkaufszentrums in Verbindung setzen, ergänzt sie.

Die Stadtverwaltung teilt auf Anfrage mit, man habe erst durch das Schreiben der Verwaltung von der Problematik erfahren. Bislang habe es keine Hinweise zu einer Häufung von Ordnungswidrigkeiten am Yorck-Center gegeben, heißt es. Der Stadtordnungsdienst werde das Areal aber im Rahmen der normalen Streifentätigkeit mit in Augenschein nehmen, kündigt das Rathaus an. Die Verfolgung von Straftaten sei jedoch Aufgabe der Polizei und nicht des Ordnungsdienstes.

Centermanager Wilfried Huck denkt indes darüber nach, selbst Maßnahmen zu ergreifen. Eine Option sei die Anbringung von Kameras zur Videoüberwachung. "Da könnte es aber Probleme mit dem Datenschutz geben", gibt er zu bedenken. Eine andere Möglichkeit sei der Einsatz von privaten Sicherheitsfirmen. Das Problem: Die Kosten dafür würden auf die Gewerbetreibenden umgelegt. "Und dafür müssten sie erstmal bereit sein."


2000 umfassend saniert

Das Yorck-Center, das offiziell New-Yorck-Center heißt, hat seine Wurzeln in einem Anfang der 1970er-Jahre errichteten Versorgungszentrum. 2000 und 2001 wurde es in einen zeitgemäßen Einzelhandels- und Dienstleistungskomplex umgewandelt. 2014 ging die Einkaufspassage von einem Privatunternehmer an eine auf Gewerbe-Immobilien spezialisierte Kapitalgesellschaft. An dem Standort an der Fürstenstraße gibt es unter anderem einen Edeka-Markt, eine Sparkassen-Filiale und eine Stadtteilbibliothek. Von 20 Gewerbeflächen steht laut Verwalter eine leer. (lumm)

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