Fahrt bezahlt: Flixbus lässt Chemnitzerin dennoch stehen

Trotz gültigem Ticket nahm ein Busfahrer die junge Frau nicht mit - die Erklärung der Firma ist für sie unbefriedigend.

Paloma Rauer wollte zurück nach Jena. Dort studiert die Chemnitzerin bereits im zweiten Jahr Pharmazie. Trotzdem ist sie noch häufig in ihrer alten Heimatstadt. Sie besucht ihre Eltern, erledigt Arzt- und Friseurtermine, trifft Freunde. Daher pendelt sie mehrmals im Monat die gut 110Kilometer zwischen Chemnitz und Jena, bisweilen bis zu acht Mal monatlich.

So gut wie immer fährt sie dabei mit dem Flixbus, eigentlich eine angenehme Sache, sagt sie: 19.55 Uhr in Chemnitz einsteigen, ankommen 21.55 in Jena, dazwischen hat sie Zeit, sich auf Vorlesungen vorzubereiten, in einem Buch zu schmökern oder mit Freunden zu plaudern- vorausgesetzt, sie gelangt in den Bus.


Vor einigen Tagen war das nicht der Fall. Wie immer hatte Paloma Rauer ihr Ticket dabei. Die Buchungsbestätigung des Unternehmens lässt sich ausdrucken oder per Smartphone dem Fahrer zeigen, dieser scannt den quadratischen QR-Code - ähnlich den Strichcodes auf Produkten im Supermarkt - und checkt noch kurz die Passagierliste. Nun hatte sie zwar ein gültiges Ticket dabei - und wurde trotzdem stehen gelassen.

"Der Fahrer sagte mir, dass ich nicht auf seiner Liste stünde", erinnert sich Rauer. Dass sie deswegen nicht in den Bus gelassen wurde, empörte sie. Obwohl sie ihr gültiges Ticket gezeigt habe - richtige Uhrzeit, richtiger Bus -, habe sich der Mann geweigert, sie einsteigen zu lassen. "Dann ist der tatsächlich ohne mich gefahren", sagt Rauer. Auch ein Anruf bei der Flixbus-Zentrale habe keinen Erfolg gebracht. Am Telefon habe man ihr gesagt, dass man im System keinen Fehler erkennen könne. Auf Einwände ihrerseits sei nicht eingegangen worden.

Paloma Rauer wandte sich mit ihrer Geschichte an die "Freie Presse". Auf eine Nachfrage der Redaktion an das Unternehmen, wie so ein Vorfall zu erklären sei, antwortete der Pressesprecher, dass ein Buchungsfehler nicht festzustellen sei. Man habe Rauer allerdings das Ticket aus Kulanz erstattet. Eine erneute Frage der Redaktion, wie denn grundsätzlich ein solcher Fehler passieren könne, ließ Flixbus unbeantwortet.

Den Ticketpreis hat Paloma Rauer nach eigenen Angaben inzwischen zurückerhalten. "Zwischenzeitlich hatte ich lediglich eine mittelfreundliche E-Mail erhalten." Darin habe man ihr die Erstattung zunächst angekündigt. Dennoch möchte sie, wenn möglich, den Service des Unternehmens nicht mehr in Anspruch nehmen. Da die Zugverbindung derzeit wegen des teilweisen Schienenersatzverkehrs auch nicht die praktikabelste sei, nutzt sie momentan die Dienste eines Onlineservices, der Mitfahrgelegenheiten vermittelt.

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 10 Bewertungen
3Kommentare
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  • 12
    2
    Zeitungss
    29.06.2019

    Die Leistung von Flixbus entspricht nun einmal dem Fahrpreis, welcher auf dem Rücken der Beschäftigten erarbeitet wird. Ich frage mich schon, was der Kunde für diesen Fahrpreis noch alles erwartet. Das Unternehmen ist eben mehr am Ertrag interessiert, wie Technik und Organisation deutlich zeigt.

  • 12
    0
    CPärchen
    28.06.2019

    Da kam Flixbus aber noch gut davon. Alternativ wäre auch eine Zugverbindung möglich gewesen und anschließend Flixbus in Rechnung stellen

  • 10
    1
    philipploeschau
    28.06.2019

    Ist mir neulich auch passiert. Wenn man kurzfristig bucht und der Fahrer auf der Strecke schlechten Handyempfang hat, muss er sein Smartphone nochmal aktualisieren, damit das Ticket bei ihm erscheint.



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