Handys bei Komsa gestohlen - Täter muss ins Gefängnis

120 Smartphones soll ein Kurierfahrer entwendet haben. Der Käufer wusste offenbar, dass es sich um heiße Ware handelte.

Hartmannsdorf/Callenberg.

Ein 42-jähriger Kurierfahrer aus Callenberg ist am Landgericht Zwickau in einer Berufungsverhandlung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung lehnte das Gericht ab. Damit hat der Angeklagte sein Ziel verfehlt, nicht hinter Gitter zu müssen.

In erster Instanz war er vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Schon damals sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Mann, der zur Tatzeit im August 2016 aushilfsweise als Kurierfahrer arbeitete, beim Telekommunikationsdienstleister Komsa in Hartmannsdorf mehr als 120 Smartphones an sich gebracht und in einem An- und Verkauf zu Geld gemacht hatte. Die Unterschlagung hatte der Familienvater am Amtsgericht bis zuletzt bestritten. Offenbar in der Hoffnung auf Milde widerrief er im Berufungsprozess diese Aussage. Er habe an vier Tagen jeweils eine Kiste mit den Mobiltelefonen in seinen Besitz gebracht, gab er zu. Dazu habe er alle Pakete auf einer Palette abgestellt, diese mit dem Lesegerät gescannt, den Mitarbeiter unterschreiben lassen und dann in einem unbeobachteten Moment jeweils eine Kiste zurück in den Lieferwagen gebracht. Dem Unternehmen war dabei ein Schaden von 66.600 Euro entstanden. Wie Komsa-Sprecherin Andrea Fiedler auf Anfrage sagte, sei das Hartmannsdorfer Unternehmen nur als Zeuge gehört worden, "da es sich um Geräte handelt, die sich auf dem Zustellweg zu uns befanden".

Kopfzerbrechen bereitete jedoch der zweite Teil des Amtsgerichtsurteils. Das Gericht war davon ausgegangen, dass der Angeklagte auch den Inhaber des An- und Verkaufs betrogen hat. Allerdings ist im Urteil auch von einem sogenannten böswilligen Ankauf die Rede. Der Käufer könnte also gewusst haben, dass der Verkäufer nicht der rechtmäßige Besitzer der Telefone ist. Und einen Punkt hatte das Gericht offenbar überhaupt nicht hinterfragt: Könnten Angeklagter und Ladenbesitzer gemeinsame Sache gemacht haben? Der Staatsanwalt am Landgericht: "Das Urteil ist in diesem Punkt inkonsequent". Nach einem längeren Rechtsgespräch erfolgte dann der zweite Teil des Geständnisses. "Mir war bekannt, dass in dem An- und Verkauf nicht alles ganz legal zugeht", sagte der Angeklagte. Daher sei er in das Geschäft gegangen und habe eine Kiste mit den unterschlagenen Handys auf den Tisch gestellt. Auf die Frage, woher sie stammen, habe er geantwortet: "Die sind vom Lkw gefallen". Ohne weiteren Kommentar habe der Ladenbesitzer die Mobiltelefone für 6000 Euro angekauft. "Wenn ich wieder Ware hätte, könnte ich jederzeit zu ihm kommen", soll der Mann laut dem Angeklagten gesagt haben. Damit stand für die Kammer am Landgericht fest, dass der Ladenbesitzer wusste, dass es sich um heiße Ware handelte. "Er konnte daher weder getäuscht noch betrogen worden sein", sagte der Richter. Der Anklagepunkt Betrug wurde verworfen. Für die Aussage des 42-Jährigen wird sich auch die Staatsanwaltschaft Chemnitz interessieren. Dort wird wegen des Handygeschäftes gegen den Ladenbesitzer ermittelt. In einem möglichen Verfahren ist der Angeklagte der Hauptbelastungszeuge. Verurteilt wurde der Angeklagte, weil er sich die Handys angeeignet hatte, in dem er sich eine Schwachstelle bei der Anlieferung zunutze machte. In der Strafe ist ein Urteil des Amtsgerichtes enthalten. Das hatte ihn zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er sich als Kurier ohne Führerschein hinter das Lenkrad gesetzt hatte. (mit bj)

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