Immer mehr Pkw - immer mehr Diesel

Chemnitz macht seinem Ruf als Autofahrerstadt alle Ehre. Das zeigt nicht zuletzt der Vergleich mit Dresden und Leipzig.

Die Anzahl der Pkw, die in Chemnitz zugelassen sind, hat in den zurückliegenden Jahren zugenommen. Waren Anfang 2010 noch knapp 118.000 Pkw in Chemnitz gemeldet, so waren es im vergangenen Monat schon mehr als 125.000. Damit machen Pkw etwa 86 Prozent aller in der Stadt zugelassenen Kraftfahrzeuge aus. Mit einem Zuwachs von sechs Prozent innerhalb von zehn Jahren liegt Chemnitz deutlich über dem Landesschnitt. In ganz Sachsen waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts zu Jahresbeginn 4,3Prozent mehr Pkw zugelassen als 2010.

Gemessen an Einwohnern gibt es in Chemnitz so viele Pkw wie in keiner anderen sächsischen Großstadt. Rechnerisch kommt hier auf zwei Einwohner ein Auto. In Leipzig und Dresden lag das Verhältnis zuletzt bei 0,38 und 0,41 Pkw pro Einwohner (Chemnitz: 0,51). Allerdings sind die beiden größten sächsischen Städte auch deutlich kompakter strukturiert als Chemnitz. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 1700 (Dresden) und rund 2000 (Leipzig) Einwohnern pro Quadratkilometer jeweils deutlich über der von Chemnitz (gut 1100).

Unterm Strich hat die Anzahl der Pkw in den zurückliegenden Jahren in Chemnitz weitaus deutlicher zugenommen als die der Einwohner. Dem Zuwachs von sechs Prozent bei den Fahrzeugen seit 2010 steht ein Einwohnerplus von etwa 1,7Prozent gegenüber. In Dresden und Leipzig klafft diese Schere weniger stark auseinander, gleichwohl auch dort die Zunahme der Pkw mit plus 11,0 und 16,5 Prozent jeweils stärker ausfällt als das Bevölkerungswachstum (plus 6,6 und 12,2 Prozent).

Benziner oder Diesel? Sieben von zehn Personenkraftwagen in Chemnitz fahren mit Benzin, gut jeder vierte mit Diesel. Allerdings haben sich die Anteile in den vergangenen Jahren deutlich zugunsten der Selbstzünder verschoben. Waren 2010 noch knapp 80 Prozent aller in Chemnitz zugelassenen Pkw mit Benzinmotoren ausgestattet, so sind es aktuell noch 71,8 Prozent. In der gleichen Zeit stieg der Anteil der Diesel-Pkw - ähnlich wie in ganz Sachsen - von 19,2 auf 26,4 Prozent.

Alternative Antriebe spielen noch immer eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil lag im September bei 1,9Prozent (2010: ein Prozent). Knapp die Hälfte machen dabei sogenannte Hybridfahrzeuge aus, von denen zuletzt fast 1100 zugelassen waren. Autos mit (zusätzlichem) Gasantrieb stellen gut ein Drittel, wobei deren Anzahl in den zurückliegenden Jahren stark abgenommen hat. Waren 2013 in noch 1200 gasbetriebene Pkw registriert, so sind es aktuell nur noch gut 800.

Reine Elektrofahrzeuge führen auf Chemnitzer Straßen noch immer ein Exotendasein. Gerade einmal 218 waren Mitte September mit einem C-Kennzeichen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 0,17Prozent. Allerdings hat sich die Anzahl der Elektro-Pkw in der Stadt seit Anfang 2018 mehr als verdoppelt. Für die kommenden Jahre wird eine weitere deutliche Zunahme erwartet.

Die strenge Abgasnorm Euro 6 erfüllte zu Jahresbeginn gut jeder vierte in der Stadt zugelassene Pkw. Bei Dieselfahrzeugen lag die Quote mit fast 37 Prozent noch deutlich höher. Die Norm Euro 5 erfüllen 29Prozent aller Pkw.

Stadtgeländewagen (sog. SUV) spielen auch in Chemnitz eine zunehmende Rolle. Zu Jahresbeginn war laut Zeitungsdienst Südwest bereits fast jeder zehnte zugelassene Pkw in der Stadt ein Fahrzeug dieser Bauart. Damit bewegt sich Chemnitz etwa in der Mitte der 400 Städte und Landkreise in Deutschland. In Teilen Bayerns, aber auch in mehreren Zulassungsbezirken in Thüringen ist der Anteil doppelt so hoch. Spitzenreiter in Sachsen ist das Erzgebirge mit 16,3 Prozent.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 8 Bewertungen
11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    3
    cn3boj00
    13.10.2019

    @fnor, was soll uns ihr Vergleich sagen? Nur mal zur Information: Die CO2 - Emission hängt immer direkt vom Verbrauch ab. Ein Liter Benzin verursacht die gleiche Menge CO2 wie ein Liter Diesel. Ich darf ihrem Vergleich unser Auto hinzufügen, ein Benziner, 5 Sitze, 90 PS, 94 g CO2. Man kann inzwischen auch mit Benzinern die gleichen Verbrauchswerte erreichen.
    Anders bei Feinstaub oder Stickoxiden: das hängt von der Technologie ab. Benziner mit Saugrohreinspritzung erzeugen keinen Feinstaub und kaum Stickoxide. Deshalb brauchen sie keine Filter, und keine Schummelsoftware.
    Und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie jemand auf dem Foto eines Auspuffs erkennen kann wie die Zusammensetzung der Abgase ist. Klar, Wasserdampf ist weiß, Ruß ist dunkelgrau, Öl ist hellblau. Auf einem Foto ist es einfach eine Wolke. Und Wolken kommen nun mal vorwiegend aus Dieselautos, meist weil der Partikelfilter nicht gewartet wird.
    Im Übrigen ist der nach wie vor steigende Anteil an Dieseln ja normal. Der Staat will es doch so. Er unternimmt ja nichts dagegen, im gegenteil, Diesel wird immer noch künstlich verbilligt (das hat man vor unendlichen Jahren gemacht, um der Landwirtschaft und den Speditionen zu helfen). Warum also sollten Dieselfahrer ein schlechtes Gewissen haben?
    Aber das ist ja gar nicht das Thema. Chemnitz ist eine Autostadt heißt das. Und das ist doch einfach. Der Nahverkehr ist sehr unterentwickelt. Es gibt viel zu wenig Straßenbahnlinien. Mit stinkenden Bussen im Stau zu stehen ist keine Alternative. Noch schlimmer der Fernverkehr. Man hatte 30 Jahre Zeit ein paar lumpige Kilometer Oberleitung zu bauen, um Chemnitz als drittgrößte Stadt des Ostens an den ICE anzubinden. Hat man nicht gemacht. Und wird man immer noch nicht machen. Wenn ich mit dem Zug in den "Westen" will fahr ich mit dem Auto nach Leipzig oder Erfurt. Also, es liegt meines Erachtens nicht an den Menschen, sondern an den Rahmenbedingungen, welche die Politik verfehlt.
    Das hab ich übrigens schon gestern geschrieben, ging aber mal wieder verloren....

  • 14
    4
    Steuerzahler
    13.10.2019

    @Inke: Ihr Kommentar spiegelt die Unqualifiziertheit Ihrer Diskussion wider. Für realistische Vergleiche ist Ihr Weltbild nicht geschaffen.

  • 7
    4
    394101
    13.10.2019

    @Inke: CO2 ist ein farb- und geruchloses Gas. Vielleicht erläutern Sie uns noch einmal den Zusammenhang zwischen Partikelausstoß und CO2-Emission?

    @Deluxe ging es sicher nur um den unsachlichen Bildtext, welcher impliziert, dass jeder PKW, der ein paar sichtbare Wölkchen mehr aus dem Auspuff quetscht, automatisch die Klimaerwärmung befördert.

    Hier würde ich mir auch von der Freien Presse wieder etwas mehr nüchterne Sachbezogenheit wünschen - egal ob Umweltstinker oder Naziglockenspiele. Solche Bild-Vergleiche haben Sie nicht nötig!

  • 2
    14
    Inke
    13.10.2019

    @Deluxe: Und das CO2 presst er in Würfel, schweißt sie ein und dann landen diese in einem internen Behälter, welcher wiederum regelmäßig beim Wertstoffhof entleert wird. Oder?

  • 14
    1
    Hankman
    13.10.2019

    Dresden und Leipzig, die hier als Vergleich herangezogen werden, haben ein besser ausgebautes Nahverkehrssystem. Besser meint vor allem: mehr Straßenbahnlinien, außerdem S-Bahnen bzw. S-Bahn-ähnliche Linien. Auch die Vororte sind besser angebunden. Leipzig und Dresden sind sehr gut an den Fernverkehr angeschlossen, Chemnitz gar nicht. In Dresden und Leipzig gibt es durch die Unis und die Hochschulen viel mehr Studenten - ich unterstelle mal, dass ein Großteil auch dort gemeldet ist. Und unter Studenten ist die Ausstattung mit Pkws geringer als in der sonstigen Bevölkerung. Alles mögliche Erklärungen für die Unterschiede. In Dresden und Leipzig rollen aber trotz allem viel mehr Autos durch die Stadt als in Chemnitz - vor allem bedingt durch Einpendler aus dem Umland oder Besucher.

  • 7
    5
    1371270
    13.10.2019

    Stimme allen bisherigen Kommentaren aus vollem Herzen zu!

  • 14
    6
    Zeitungss
    13.10.2019

    @Deluxe: NEIN, es würde nicht ins Konzept passen !

  • 22
    4
    Deluxe
    13.10.2019

    Das Bild des angeblichen Stinkers zeigt vor allem eins:
    Wasserdampf, der aus dem Auspuff kommt.

    Sollten die Redakteure irgendwann mal lernen...und nicht aus jeder sichtbaren Wolke todbringenden Qualm machen.

  • 19
    3
    fnor
    13.10.2019

    Wir haben unter den Kollegen mal den CO2-Ausstoß verglichen. Dabei gabs 2 fast gleiche Autos: Selbes Modell, 4 Sitze, ca 5 Jahre alt, ca 80 PS, Euro 5 Abgasnorm. Der Benziner produziert laut Zulassung 125g CO2, der Diesel 88g CO2. Der Diesel hat einen Feinstaubfilter, der Benziner nicht. Der Diesel war mit Schummelsoftware unterwegs und der Benziner? Stickoxide kommen beim Diesel sicher mehr raus. Je nachdem welches Kriterium ich zum Vergleich heranziehe, ist der eine oder andere besser. Das gilt sicher auch für den Vergleich mit dem E-Auto.

  • 25
    8
    Zeitungss
    12.10.2019

    - immer mehr Diesel, man orientiert sich an Frau Baerbock und so mancher Zeitgenosse bringt auch seinen Verstand ein. Mit Feinstaub und Stickoxiden ist es hier recht ruhig geworden, das Thema CO2 blendet man gleich ganz aus, kommt wohl doch nicht alles vom Diesel ? Eine Zeit lang kam bereits beim Einschalten des PC bei diesem Thema eine Feinstaubwolke aus dem Gerät hervor.
    Habe ich Weltbewegendes verpasst ?

  • 46
    4
    Mike1969
    12.10.2019

    Sorry, aber ohne PKW kommt man aus Chemnitz nicht weg. Gibt keine vernünftigen Zuganschlüsse. Also warum auf das Auto verzichten. Politik - Du bist Schuld an verpassten Rahmenbedingungen!



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