Kita-Erzieher - Stadträte entscheiden über erste Azubis

Um Personalengpässen zu begegnen, will die Stadt nun selbst zum Ausbilder werden. Schon 2020 könnte es losgehen.

An die Schlagzeilen vom Herbst 2013 kann sich Andreas Ehrlich, der Leiter des fürs Personal der Stadtverwaltung zuständigen Hauptamtes im Rathaus, noch gut erinnern. Eine junge Frau, ausgezeichnet als eine der besten Nachwuchserzieherinnen Sachsens, hatte sich damals bei der Stadt um eine Kita-Stelle beworben - und erhielt trotz erstklassiger Zeugnisse und Beurteilungen kein Angebot. "So etwas wäre heute unvorstellbar", sagt Ehrlich. Denn die Zeiten haben sich gründlich geändert. Weil einerseits immer mehr Kinder zu betreuen sind, andererseits aber viele ältere Mitarbeiter in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden, sucht die Stadt nach Wegen, wie sie ihren Personalbedarf absichern kann.

Ein Baustein dazu soll künftig die eigenverantwortliche Ausbildung angehender Erzieher und Erzieherinnen sein. Stimmt der Stadtrat kommende Woche zu, werden in einem Pilotprojekt zunächst zehn Ausbildungsstellen bei der Stadt eingerichtet. Die Bewerber erhalten - anders als bei der sonst üblichen rein schulischen Erzieherausbildung - eine Vergütung, und zwar in Höhe der Ausbildungstarife des öffentlichen Dienstes. Im Gegenzug müssen sie sich vertraglich dazu verpflichten, nach Abschluss der Ausbildung mehrere Jahre in einer Kita der Stadtverwaltung tätig zu sein. Andernfalls müssten sie einen Teil des Geldes wieder zurückzahlen.


Mit dem Plan würde ein im Frühjahr von der damaligen Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP eingebrachter Vorschlag verwirklicht. Er orientiert sich an einem Modell, das in Leipzig bereits praktiziert wird. Hauptamtsleiter Ehrlich hofft, damit nicht zuletzt Seiteneinsteiger begeistern zu können, eine entsprechende Ausbildung bei der Stadt zu absolvieren. Die Zustimmung diverser Gremien vorausgesetzt, soll das Modell in gleichem Umfang auch mit freien Trägern umgesetzt werden, die etwa die Hälfte der Chemnitzer Kitas betreiben. Alle 20 Azubis würden dann gemeinsam in einer Klasse am Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Soziales unterrichtet.

Der Jugendhilfeausschuss hat das Vorhaben bereits gutgeheißen. Die Umsetzung würde die Stadt pro Jahr rund 105.000 Euro kosten. Gibt der Stadtrat grünes Licht, könnten die ersten Stellen in Kürze ausgeschrieben werden.

Kritik äußerten AfD und die extrem rechte Gruppierung Pro Chemnitz. Deren Chef Martin Kohlmann plädierte dafür, statt einer Ausbildungsvergütung ein "Stipendium" in deutlich geringerer Höhe zu zahlen. AfD-Stadtrat Nico Köhler kritisierte, dass noch nicht klar sei, für wie viele Jahre die Absolventen an die Stadt gebunden werden können. Ziel sei, so Hauptamtsleiter Ehrlich, eine Regelung, die einer rechtlichen Überprüfung standhalte. Sozialbürgermeister Ralph Burghart warnte davor, das Modellprojekt von den zu vereinbarenden Bindungsfristen abhängig zu machen. "Wir stehen im Wettbewerb und müssen möglichst rasch vorwärtskommen", mahnte er. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sieht die Stadtverwaltung überdies vor einer grundsätzlichen Herausforderung: "Damit die Leute bei uns bleiben, müssen wir als Arbeitgeber attraktiv sein." ( mit dy)

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