Krankenkassen-Statistiken zeigen: Chemnitz hat Rücken

Probleme mit dem Muskel-Skelett-System nehmen zu. Überhaupt waren die Einwohner der Stadt im vergangenen Jahr häufiger krank als 2016.

Es ist ein Leiden, das viele kennen. So häufig ist es, dass sich, um zu sagen, dass man darunter leidet, ein Satz durchgesetzt hat, der grammatikalisch gesehen gar keiner ist: Man hat Rücken.

Die Krankenkasse DAK hat am Mittwoch ihren Gesundheitsreport für Chemnitz vorgestellt. Daraus geht hervor, dass 2017 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems für 18,4 Prozent aller Krankentage sorgten. Je 100 Versicherte kamen mit dieser Diagnose 328 Fehltage zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von 21 Prozent. Immerhin liegt Chemnitz damit 30 Tage unter dem sächsischen Durchschnitt. 2016 führten die Statistik der DAK übrigens noch psychische Erkrankungen mit rund 18 Prozent aller Fehltage an. Die DAK hat in Chemnitz rund 12.000 Versicherte, die meisten davon sind traditionell Angestellte, erklärt Jörg Ziehe, Leiter des Servicezentrums der Krankenkasse in der Stadt.

Auch die Statistik der Krankenkasse Barmer zeigt, dass Rückenprobleme die meisten Fehltage nach sich zogen. 2017 waren es 389 je 100Versicherte - vier mehr als im Jahr zuvor. Allerdings verdeutlicht Regionalgeschäftsführer Alexander Spenke: "Bei den Chemnitzern sind die Ausfallzeiten bei allen Erkrankungsarten gestiegen."

Auch bei der AOK plus, der mit über 78.000 Versicherten in Chemnitz die mitgliederstärkste Krankenkasse der Stadt, führen Rückenleiden die Statistik an. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sorgten für 477 Fehltage je 100 Versicherte. Der Großteil der Chemnitzer AOK-Versicherten arbeitet im Dienstleistungssektor, im Handel und dem verarbeitenden Gewerbe.

Dem Thema Rückenschmerzen hat sich die DAK noch etwas tiefergehend gewidmet. So sei das Leiden keinesfalls ein Chemnitzer Problem. "Daran leidet man in Baden-Württemberg genauso", sagt Servicezentrumsleiter Jörg Ziehe. Aus einer Umfrage des Instituts Forsa unter rund 200 Beschäftigten in Sachsen, auf die sich die DAK beruft, geht hervor, dass fast drei Viertel der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten Rückenschmerzen hatten. Doch davon ging nur jeder Vierte auch zum Arzt. Dort erhielt die Mehrheit Physiotherapie verschrieben. Aus der Befragung geht auch hervor, dass eine Lücke besteht zwischen dem, was sich Arbeitnehmer zur Verbesserung ihrer Gesundheit wünschen, und dem, was sie tatsächlich nutzen können. So sagten 45 Prozent, sie hätten gern Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung wie Rücken- und Fitnesstraining, aber nur 33 Prozent gaben an, daran auch tatsächlich teilnehmen zu können.

Gestiegen ist in Sachsen auch die Anzahl der Krankenhausfälle aufgrund von Rückenschmerzen, nämlich um 80 Prozent seit 2007 auf mehr als 12.700 Fälle. 46 Prozent davon werden als Notfall aufgenommen. Dafür hat Ziehe eine Erklärung: "Viele bekommen beim Orthopäden keinen Termin mehr und gehen direkt in die Notaufnahme", hat er beobachtet.

Auch der allgemeine Krankenstand in Chemnitz hat sich erhöht. Bei der DAK betrug er 2017 insgesamt 4,9 Prozent. Das bedeutet, dass pro Tag 49 von 1000 Versicherten krank waren. Im Jahr 2016 waren es 4,3 Prozent. Auch bei der Barmer stieg dieser Wert. 2017 betrug er 5,4Prozent, im Jahr zuvor lag er bei 5,1 Prozent. Die AOK verzeichnete 2017 unter ihren Mitgliedern einen Krankenstand von 5,3 Prozent, ein Jahr zuvor lag er 0,1 Prozentpunkte darunter.

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