Mit Wassereimern gegen die Dürre

Eine Hohenstein- Ernstthalerin will nicht zuschauen, wie Bäume unter der Trockenheit im Boden leiden - und sucht Mitstreiter.

Hohenstein-Ernstthal.

Wenn Michaela Jonas derzeit Bäume oder Sträucher sieht, macht sie sich Sorgen. Denn das Grün leidet durch die Trockenheit immer mehr. "Da helfen auch die letzten Regenfälle nicht viel. Der Boden ist ja bis in große Tiefen trocken", sagt sie. Nun will Michaela Jonas helfen und hat einen Aufruf initiiert. Bäume, die Lebensgrundlage für viele Tiere sind und Menschen mit Sauerstoff versorgen, sollen Unterstützung bekommen.

"Ich möchte dazu aufrufen, dass wir uns in Gemeinschaften verbinden, Wasser spenden und alle zwei oder drei Tage Bäume, Büsche oder Hecken wässern und auch Kleintieren wie Igeln Wasser geben", appelliert sie. Sie hofft, dass sich beispielsweise Mieter in Wohnsiedlungen zusammentun, aber genauso Firmen und Genossenschaften mitziehen, damit jeder leidende Baum regelmäßig ein paar Eimer Wasser bekommt. "Es ist angesagt, die Augen zu öffnen, das Bewusstsein für die Belange der Natur zu schärfen und aktiv zu werden", sagt Michaela Jonas und fordert auch über das Gießen hinaus mehr Einsatz für die Natur.


Uwe Kemter, der in der Stadtverwaltung Hohenstein-Ernstthal für Grünflächen und Bäume zuständig ist, kann dem Aufruf durchaus Positives abgewinnen. "Derzeit ist jeder Eimer Wasser wichtig", sagt er. Gerade den Bäumen, die erst seit einigen Jahren stehen, könne damit geholfen werden. Allerdings reiche da ein Eimer nicht, pro Woche müssten es schon mehrere sein. Mittlerweile haben laut Kemter auch viele große Bäume ein Problem, die trotz tiefer Wurzeln nicht mehr ans Grundwasser kommen. Zwei trockene Jahre nacheinander lassen so auch Baumriesen im Wald oder in Parks absterben und umfallen.

Vor allem die in den letzten Jahren gepflanzten Bäume werden in der Stadt gegossen, doch nicht alle sind zu retten. Unter anderem sind im Bereich des Parkplatzes am ehemaligen Güterbahnhof junge Bäume abgestorben. "Unsere Zielstellung ist es, neue Bäume zu pflanzen. Im Herbst planen wir deshalb eine Pflanzaktion", sagt Kemter. Allerdings muss dafür erst einmal Geld her. Das Budget für Pflanzungen und Baumpflege ist ausgereizt, vor allem weil Fällungen kranker und abgestorbener Bäume teuer sind.

Die Mitarbeiter des Stadtbauhofes gießen derzeit regelmäßig. "Das Grasmähen oder das Schneiden von Hecken haben wir weitgehend eingestellt. Momentan haben die Bäume und Anpflanzungen Priorität", sagt Bauhofchef Manfred Dietz. Genutzt wird Wasser aus einer Bergwasserzisterne. Wasser aus Bächen darf nicht genutzt werden, weil der Landkreis die Wasserentnahme untersagt hat. Zu niedrige Pegel gefährden die Tier- und Pflanzenwelt. In Oberlungwitz nutzt der Bauhof Wasser aus einem Brunnen. "Allein an der Hauptstraße stehen etwa 80 Bäume", sagt Bauhofchef Ralph Leichsenring. Bei vielen ist das Gießen aber schwierig, weil der Boden zu hart ist. Auch an anderen Stellen muss derzeit bewässert werden.

Mittlerweile haben auch Politiker dazu aufgerufen, Bäume zu gießen. Der Landtagsabgeordnete Gerald Otto (CDU) aus Zwickau teilte bei Facebook mit, dass er 300 Liter Wasser für Bäume auf einem Nachbargrundstück bereitgestellt hat und mehr Einsatz von der Stadtverwaltung fordert. Seine Partei hatte jüngst angekündigt, dass in Sachsen bis 2030 insgesamt 50 Millionen neue Bäume gepflanzt werden sollen.

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