Nach Bedrohung und Flucht - Mann jetzt im Gefängnis

Wochenlang suchte die Polizei nach ihm. Als sie ihn hatte, war er schnell wieder frei. Für einen Haftbefehl reichten die Vorwürfe nicht, hieß es. An seinem 30. Geburtstag klickten die Handschellen nun doch.

Selten hat ein Beziehungsstreit einen Polizeieinsatz in diesem Ausmaß ausgelöst: Im Juni soll ein damals 29-Jähriger seine Ex-Freundin sowie ihre Familie bedroht haben und danach geflüchtet sein. Die Polizei ging davon aus, dass das Mitglied eines Schützenvereins bewaffnet ist. Hunderte Beamte suchten nach dem Mann in Chemnitz, in einem Waldgebiet bei Pleißa, in der Innenstadt von Limbach-Oberfrohna sowie in Hartmannsdorf. Gestellt wurde er schließlich nach einem Hinweis in einem Hotel in Frankfurt/Main.

Doch der Erleichterung folgte die Ernüchterung: Nach kurzer Befragung mussten die Ermittler den Mann ohne Auflagen gehen lassen. Es gab keinen Haftbefehl. Er war von der Staatsanwaltschaft auch nie beantragt worden. Die zu dieser Zeit bekannten Vorwürfe - Bedrohung und möglicher Verstoß gegen das Waffengesetz - wogen dafür nicht schwer genug, schätzte die Chemnitzer Ermittlungsbehörde zu diesem Zeitpunkt ein.

Inzwischen liegt das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Zwickau, weil ein Großteil der Taten im dortigen Landkreis begangen wurde, so die Begründung. Die Zwickauer Behörde hat die Tatvorwürfe teils anders bewertet als die Kollegen in Chemnitz und Haftbefehl beantragt, den die zuständige Amtsrichterin sofort erließ. An seinem 30. Geburtstag Anfang August ist der Mann festgenommen worden. Seither sitzt er in Zwickau in Untersuchungshaft.

Eine Vielzahl von Verfahren wurde gebündelt, die alle auf den Beziehungsstreit zurückzuführen seien, sagt Ines Leonhardt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau. Dem Mann wird vorgeworfen, seiner Ex-Freundin seit Februar nachgestellt, sie bedroht und Hausfriedensbruch begangen zu haben. Weitere Vorwürfe lauten Sachbeschädigung, versuchte gefährliche Körperverletzung, unerlaubtes Führen einer Schusswaffe und Wohnungseinbruchsdiebstahl. An jenem Tag, als der Streit eskalierte, soll der Mann auch in das Haus der bedrohten Familie eingebrochen sein und etwas entwendet haben. Dieser Einbruchsvorwurf wiege, das mögliche Strafmaß betreffend - mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe -, am schwersten, so Leonhardt.

Aufgrund des insgesamt zu erwartenden Strafmaßes könne von Fluchtgefahr ausgegangen werden. Deshalb und wegen seines bisherigen Verhaltens, so Leonhardt, sei der Haftbefehl erlassen worden. Mit einer Anklage sei erst in mehreren Monaten zu rechnen. Solange bleibe der 30-Jährige in Haft.

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4Kommentare
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  • 1
    1
    Hinterfragt
    22.08.2018

    @bicicleta;"... Hätte man die Party noch abwarten sollen?..."

    Ich lache später ...

    Das der Mann an dem Tag Geburtstag hatte. geht in der Öffentlichkeit einfach niemanden was an!
    Wie hat man sich zu Seehofers 69. echauffiert ...

  • 2
    2
    bicicleta
    22.08.2018

    @Hinterfragt: Dann wenigstens hämisch. Und wenn die Festnahme an dem Tag war, dann war es eben so.
    Hätte man die Party noch abwarten sollen?

  • 4
    0
    Hankman
    22.08.2018

    @Hinterfragt: Ich weiß nicht, Häme lese ich da nicht heraus. Die Aussage erweckt eher ein wenig Mitleid mit dem Mann. Mich überrascht es schon, dass er jetzt plötzlich doch in Haft in gekommen ist. Ich bin gespannt, was von den erhobenen Vorwürfen tatsächlich den Weg in die Anklageschrift finden und wie die Sache vor Gericht ausgehen wird.

  • 8
    5
    Hinterfragt
    22.08.2018

    Hallo Frau Fischer, hätte man sich die hämige Bemerkung mit dem Geburtstag nicht sparen können?!?



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