Retter proben Unfall mit Gefahrgut-Transporter

Bei einer Übung haben 100Einsatzkräfte ein Szenario mit Radioaktivität geübt. Vieles klappte, doch es gab Schwachstellen.

Oederan.

Schreck am Samstagmorgen: Im Oederaner Gewerbegebiet stoßen ein Privatauto und ein Kurierfahrzeug zusammen. Schwer verletzt befreit sich der Autofahrer aus seinem Wagen und wählt den Notruf. Kurz darauf eilen Feuerwehrleute zum Oederaner Gerätehaus und fahren zur Unfallstelle. Toni Wolfram führt den Trupp an, der mit dem Löschzug kurz nach 9 Uhr als erster am Unfallort eintrifft. Der Gruppenführer registriert sofort: Der Wagen des Kurierfahrers trägt ein Gefahrgutzeichen. Eine austretende, vermutlich radioaktive Substanz hat den verunglückten Fahrer und einen Ersthelfer verseucht (kontaminiert). Was die Retter noch nicht wissen: Es handelt sich um eine Katastrophenschutzübung. Es ist die erste dieser Art in Mittelsachsen.

Jana Lützner vom Landratsamt hat das Szenario eines Unfalls mit einer radioaktiven Substanz vorbereitet. Dabei haben sie Rettungsfachleute wie Erik Hennings, Fachberater f im Kreisfeuerwehrverband Freiberg, unterstützt: "Ein solches Ereignis kommt sehr selten vor. Den letzten Einsatz mit einem radioaktiven Verdacht in Mittelsachsen gab es vor drei Jahren." Bei der Übung am Samstag löst Gruppenführer Wolfram ABC-Alarm aus, warnt vor einer Bedrohung durch radioaktive, biologische oder chemische Stoffe. Der Kurier transportierte ein strahlendes, zum Röntgen verwendetes Diagnosemittel. Unfallbeteiligte und Retter sind in Gefahr. Über die zentrale Leitstelle in Chemnitz kommt eine Handlungskette in Bewegung:


Rund 100 ehrenamtliche und hauptberufliche Helfer sind in Aktion. Der Auftrag: Beide strahlenbelastete Verletzten sollen ins Klinikum Chemnitz gebracht werden, das als eines von drei Krankenhäusern in Sachsen für derartige Behandlungen spezialisiert ist. Die Herausforderung: Die Kontamination darf sich nicht ausbreiten. Die Gefahrenstelle wird daher mit Schläuchen abgetrennt, dort dürfen nur noch die zuerst eingetroffenen Helfer arbeiten.

Ein etwa vierstündiges Prozedere setzt ein. Die Dauer wird später ein Kritikpunkt sein. So dauerte es 50 Minuten, bis das zweite Opfer geborgen wurde. Laut Jana Lützner hätte die radioaktive Belastung des Fahrers gemessen und er an den betroffenen Stellen abgespült werden müssen: "Dadurch wäre seine radioaktive Belastung gesunken. Es wäre vertretbar gewesen, ihn ins Krankenhaus zu bringen." Ferner übertraten Einsatzkräfte Markierungslinien, verseuchten versehentlich Hilfsmittel, unterbrachen Handlungsabläufe und gaben Meldungen unvollständig weiter, so Lützner. Trotzdem schätzte sie die Übung als gelungen ein. (hy/hh)

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