Sanierungspläne für historische Gartenanlage

Der Zschopauer Stadtrat hat den Weg zur Sanierung einer Parkanlage weiter geebnet. Doch einige Hürden sind für das Projekt noch immer zu nehmen.

Zschopau.

Für die Neugestaltung des Seminargartens am Zschopauer Gymnasium hat der Stadtrat ein weiteres Puzzleteilchen gelegt. Das Gremium stimmte vorige Woche mehrheitlich (elf Ja, einmal Nein, sechs Enthaltungen) einer Sanierungsvereinbarung mit dem Erzgebirgskreis zu. Denn der ist Eigentümer der historischen Gartenanlage, die seit Jahrzehnten mehr oder weniger brachliegt und zunehmend verwildert.

Der Vertrag ist notwendig, weil Zschopau Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" beisteuert - laut Verwaltung höchstens 921.000 Euro, wobei die Kommune 20 Prozent davon aus der eigenen Tasche aufbringt. Schon im vergangenen Jahr hatten sich die Beteiligten auf einen Sanierungsvorschlag verständigt, der sowohl aus Sicht des Denkmalschutzes als auch finanziell machbar erschien. Die sogenannte Blühhang-Variante sieht vor, den terrassenförmigen Aufbau des Seminargartens beizubehalten. Nur die obere und untere von insgesamt fünf Natursteinmauern sollen instand gesetzt und der dazwischen liegende Teil mit Sträuchern bepflanzt werden, die zu verschiedenen Zeiten blühen.

Arne Sigmund verwies am Mittwoch auf zähe und langwierige Verhandlungen mit dem Landkreis. "Wir sind froh, nun Konsens zu haben", sagte der parteilose Oberbürgermeister. Für 2020 rechnet er mit dem Baubeginn. Doch seine Freude war von kurzer Dauer. Denn schon im folgenden Tagesordnungspunkt erhielt er vom Rat eine Abfuhr. Hierbei ging es um die Vergabe von Planungsleistungen für den unteren Teil des Seminargartens. Eine Fläche von gut 4000 Quadratmetern, die die Kommune vom Landkreis erwerben und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Arne Sigmund, der sich am Bodenrichtwert orientiert, sprach von höchstens vier Euro pro Quadratmeter, rechnet aber mit einem kleineren Betrag. Denn die Fläche befindet sich im Überschwemmungsgebiet der Zschopau.

Das Vorhaben steht eng im Zusammenhang mit der im früheren Stadtcafé geplanten Jugendherberge. Auf diese Weise würde nahe dem Gebäude an der Ecke Lange Straße/Gartenstraße ein attraktiver Stadteingang entstehen.

Teil des zwischen Stadt und Landratsamt verabredeten Planes ist es, den im Kreiseigentum verbleibenden Terrassengarten und die von der Stadt zum Kauf beabsichtigte Grünfläche in einem Gemeinschaftsprojekt umzugestalten. Weil der Erzgebirgskreis für seinen Teil schon einen Planer beauftragt hat, wollte OB Sigmund dasselbe Büro für das herauszulösende Grundstück verpflichten.

Doch an dieser Stelle traf er im Stadtrat auf Widerstand. Zum einen, weil sich das Grundstück noch nicht im Eigentum der Kommune befindet. "Wir begeben uns damit auf Glatteis", entgegnete Frieder Meyer. Ein solches Wagnis könne man nicht eingehen. Veikko Bartsch (beide Fraktion BFW/FDP) schlug in die gleiche Kerbe. Zumal er sich zum jetzigen Zeitpunkt zum Grundstückskauf nicht positionieren könne. Damit zielte er auf die zu dem Zeitpunkt noch ausstehende Entscheidung zum Betrieb des Stadtcafés als Jugendherberge ab, für das ja die Grünfläche mit konzipiert werden soll. Bevor die Kommune mehr als 12.000 Euro für Planungsleistungen ausgibt, sollte eine Vereinbarung mit dem Landkreis zum Flächenkauf vorliegen, machte auch Markus Männel (CDU) seine Position deutlich.

"Ich habe keine Vorstellung, was auf dem Grundstück passieren soll", sagte Jürgen Hetzner (Linke). Er vermisst eine Vorgabe für den Planer und könne deshalb nicht zustimmen. Es gehe darum, mit wenig Aufwand eine begehbare Grünfläche zu schaffen, entgegnete OB Sigmund.

Niels Sigmund (Grüne) schlug vor, dann eben zunächst nur eine Vorplanung zu erstellen und damit die Ausgaben zu senken. Doch sein Kompromissvorschlag vermochte die Stimmung nicht zu drehen. Ebenso wenig ein Hinweis von OB Sigmund, dass der Landkreis hinsichtlich bestehender Absprachen ein verlässlicher Partner sei. Bevor es zur Abstimmung kam, setzte der Stadtchef den Tagesordnungspunkt ab.


Geschichte des Seminargartens in Zschopau

Die Parkanlage ist vor mehr als

148 Jahren mit der Eröffnung des Königlich-Sächsischen Lehrerseminars entstanden. Oberlehrer Oskar Moritz Seidel, der damals Naturwissenschaften lehrte, hatte den Pflanzengarten angelegt. Dessen Sammel- und Arbeitseifer machte die Anlage zu einem bedeutenden Lehr- und Erziehungsmittel. Auf der Brüsseler Weltausstellung erhielt der Garten 1910 eine Anerkennungsurkunde.

Angepflanzt wurden insbesondere Gehölze, die nicht heimisch sind. Neben Ginkgo, Tulpen- und Götterbaum wuchsen etwa Platanen, Magnolien, Rhododendron, Azaleen und viele Rosensorten. Auch ein Alpinum für Hochgebirgspflanzen und ein Bereich für Wasser- und Sumpfpflanzen waren im Garten zu finden. Vieles davon ist verloren. Doch nach wie vor finden sich auf dem Gelände zahlreiche botanisch interessante Arten. (mik)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...