Schule, Firma, Familienzentrum - Kretschmers Chemnitz-Programm

Nach Besuchen mehrerer Einrichtungen lädt Sachsens Ministerpräsident am Donnerstagabend im Stadion zum Sachsengespräch

Kommt er oder kommt er nicht? Der morgige Donnerstag ist im Kalender von Sachsens Ministerpräsident seit langem für Chemnitz reserviert gewesen - viele Tage vor den Ausschreitungen in der Innenstadt und der anschließenden Kritik an seiner Polizeibehörde. Michael Kretschmer kommt nach Chemnitz, erklärte er am Dienstag. Laut Staatskanzlei hält er zudem an seinem vereinbarten Besuchsprogramm fest.

Das startet in der Oberschule Am Flughafen, wo er sich unter anderem mit etwa 20Schülern der Klassen 6 bis 10 zur Diskussionsrunde trifft, sagt Schulleiterin Kerstin Daniel. Sie geht davon aus, dass die Kinder und Jugendlichen den Ministerpräsidenten auch nach den jüngsten Ereignissen fragen werden. Daniel: "Das Thema ist bei den Schülern angekommen. Es treibt sie um." Etwa 30 Prozent der 350 Flughafen-Oberschüler haben laut Daniel einen Migrationshintergrund. Für den Kretschmer-Besuch empfohlen hat sich ihre Schule mit dem Projekt "Demokratisches Handeln entwickeln", wofür sie in diesem Jahr mit dem Sächsischen Schulpreis des Kultusministeriums ausgezeichnet wurde. Eine Schulcarta regelt das Zusammenleben im Klassenzimmer und auf dem Schulhof. Wer gegen die darin aufgestellten Regeln verstößt, muss sich vor anderen Schülern verantworten, die über eine Wiedergutmachung beraten. Beispiel: Wer unachtsam Papier auf dem Schulhof fallen lässt, muss möglicherweise den Hof sauber machen. "Die Kinder erziehen sich selbst", sagt Daniel.

Von der Oberschule aus gehts für Kretschmer zum Technologie-Campus. Dort wird er im Unternehmen Baselabs erwartet, wo mehr als 40Mitarbeiter Software für automatisiertes Fahren entwickeln. Anschließend informiert sich der Sachsenchef in den "Bunten Gärten" auf dem Sonnenberg über die Angebote im Kinder- und Familienzentrum.

Danach fährt er ins Stadion an der Gellertstraße. Dorthin hat er alle Chemnitzer eingeladen, die mit ihm diskutieren wollen. Beim Sachsengespräch könne man ihm "jede Frage stellen, die man möchte", erklärte er am Dienstag. Die rechtspopulistische Vereinigung Pro Chemnitz, die die Kundgebung am Montagabend am Marx-Kopf angemeldet hatte, will auch vor dem Stadion demonstrieren. Eine entsprechende Veranstaltung sei den Ordnungsbehörden bereits angemeldet worden, heißt es aus dem Rathaus. Nicht zuletzt ließ Kretschmer offen, ob er die zwei Verletzten der Messerattacke gemeinsam mit OB Ludwig besucht, falls dies gewünscht ist. (dy)

Das Sachsengespräch mit Ministerpräsident Kretschmer, mehreren Ministern, Staatssekretären und OB Ludwig beginnt am Donnerstag, 19 Uhr. An unterschiedlichen Thementischen werde über die Zukunft des Freistaates, dessen Gestaltung und die Zusammenarbeit in der Gesellschaft geredet. Anmeldungen sind nicht erforderlich.

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