Sperrung der Ortsdurchfahrt in Bräunsdorf dauert länger

Die Arbeiten an der Teichmühle sollen nun erst Mitte 2020 beendet werden. Das ist eine schlechte Nachricht für Gewerbetreibende im Unterdorf, die sich auf unterschiedliche Art mit der Baustelle arrangiert haben.

Bräunsdorf.

Matthias Kühnert ist derzeit damit beschäftigt, einen Teil des Daches der Evangelischen Grundschule in Bräunsdorf zu erneuern. Die Bildungseinrichtung im Zentrum des Ortes und der Dachdeckerbetrieb des Handwerksmeisters im Unterdorf liegen beide an der Unteren Dorfstraße, knapp zwei Kilometer voneinander entfernt. Doch in den Genuss eines derart kurzen Anfahrtsweges kommt Kühnert derzeit nicht. Wegen der Baustelle an der Teichmühle ist ein Umweg über Langenchursdorf und Limbach-Oberfrohna nötig. Und damit nicht genug: Weil die Talstraße im Callenberger Ortsteil ebenfalls gesperrt ist, müssen er und seine Mitarbeiter derzeit erst noch einen Schlenker in Richtung Callenberg fahren, bevor sie über Falken und Limbach-Oberfrohna wieder nach Bräunsdorf gelangen - sozusagen eine Umleitung in der Umleitung. "Das bedeutet einen Umweg von etwa 20 Kilometern und 25 Minuten Fahrtzeit", sagt Kühnert.

Trotz des Aufwandes kann sich der Dachdecker mit den Bauarbeiten arrangieren. "Es muss ja gemacht werden. Und auf der Baustelle geht es vorwärts", konstatiert er. Den Arbeitern der Baufirma VSTR aus Rodewisch im Vogtland stellt der Unternehmer ein gutes Zeugnis aus. Auf Absprachen könne man sich verlassen. So werde die Baustelle abends oft teilweise freigeräumt, um die Straße Am Hohen Busch passierbar zu machen. Dann könne man über Kaufungen fahren, was die Wege deutlich verkürze, sagt Kühnert.


Mit den Bauarbeitern vor Ort ist auch eine Mitarbeiterin des Partyservices Kürth im Unterdorf zufrieden. Trotzdem betrachtet sie das Projekt wesentlich kritischer als der Dachdecker. Wegen der Baustelle laufe das Geschäft schlechter als sonst, berichtet sie. "Kunden finden uns nicht, weil die Ausschilderung so schlecht ist." So müsse man wegen eines Sackgassenschildes in Langenchursdorf annehmen, dass Bräunsdorf von dort aus nicht zu erreichen sei, obwohl das nicht stimme. Ein Kollege habe deshalb schon ein eigenes Schild aufgestellt, sagt die Mitarbeiterin. Auch Lieferanten hätten Schwierigkeiten, zum Partyservice zu gelangen. Es sei deshalb schon vorgekommen, dass Waren auf der anderen Seite der Baustelle im Ort abgeladen worden seien. Nicht zuletzt müssten auch die zehn Mitarbeiter der Bräunsdorfer Firma täglich Umleitungen fahren. Aus dem Betrieb heißt es, dass die Beschäftigten eine Entschädigung für die höheren Kosten erhalten, damit sie trotz der Umstände dem Partyservice treu bleiben.

Eine Information aus dem Landratsamt Zwickau, unter dessen Regie die Baustelle auf der Ortsdurchfahrt läuft, dürfte nun alle betroffenen Anwohner und Gewerbetreibenden auf eine harte Probe stellen: Der Ausbau der Ortsdurchfahrt, die im Juli 2018 begonnen hatte und eigentlich Ende dieses Jahres abgeschlossen werden sollte, dauert länger - voraussichtlich bis Juni 2020. Als Grund führt Kreissprecherin Ilona Schilk Probleme mit der Bausubstanz der alten Brücke an der Teichmühle an. Nach ihren Angaben haben die Bauleute versucht, die Bohrpfähle für die neue Brücke direkt neben dem Vorgängerbauwerk in die Erde zu rammen. Das Natursteingewölbe habe dieser Belastung aber nicht standgehalten. "Folglich musste die alte Bogenbrücke abgebrochen werden", erklärt Schilk. Anschließend mussten die Arbeiter die entstandene Baugrube verfüllen, was nicht eingeplant war. Dadurch sei es zu einer Verzögerung gekommen. Zugleich verteuert sich das gesamte Projekt laut dem Landkreis von 3,4 auf etwa 3,7 Millionen Euro.

Inzwischen haben die Mitarbeiter der Baufirma die Stützmauer am Teich, für deren Errichtung zahlreiche Pfähle in den Erdboden getrieben werden mussten, abgeschlossen. Sie widmen sich nun der neuen Brücke, die Stück für Stück in die Höhe wächst. Die seitlichen Ränder, die sogenannten Kappen, werden betoniert. Parallel wird am neuen Bett des Bräunsdorf-Herrnsdorfer Baches samt Überlaufschwelle gearbeitet. Der Großteich bleibt zu diesem Zweck bis auf Weiteres leer und ist wegen des regen Wachstums von Gräsern und kleinen Büschen derzeit kaum als solcher zu erkennen.

Eine gute Nachricht für alle Anrainer hat das Landratsamt dann doch noch parat: Während der Winterpause soll ein provisorischer Fahrbahnbelag aufgebracht werden, damit die Untere Dorfstraße vorübergehend genutzt werden kann.

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