Stadtgeflüster: Glänzender Ball im New Yorker Schick

Wo Männer den Rhythmus angeben, warum zwei Künstler zusammen feiern und wohin es einen TV-Mann verschlägt.

Mirko Dreischarf, Inhaber der Tanzschule Emmerling, schüttelte am Samstagabend mehr als 350 Hände. So viele Gäste hatten sich zum Neujahrsball 2020 angemeldet. "Das Haus ist ausgebucht", sagte der Chef der Tanzschule über das Ballhotel, den Chemnitzer Hof. Eine Stunde lang lief die Begrüßung. Da rauschten die Damen in glitzernden Kleidern, mit seidenen Schals und auf glänzenden Absatzschuhen herein. An ihrer Seite die Partner, mindestens im Anzug, manchmal sogar im Smoking. Auffällig: Noch vor einigen Jahren ging es beim Neujahrsball vergleichsweise locker zu.

Da kamen einige Gäste schon mal in Hemd und Jeans oder im Business-Kostüm. "Ja, das Bild hat sich gewandelt", bestätigte auch Anja Hofmann von der Direktion des Chemnitzer Hofes. "Die Besucher sind viel festlicher gekleidet als früher. Wir freuen uns auch, dass es wieder mehr Anfragen gibt, Bälle oder Galas auszurichten." Der Neujahrsball der Tanzschule Emmerling gehört zu den traditionsreichen Tanzveranstaltungen der jüngeren Stadtgeschichte. Er wurde zum 35. Mal gefeiert. Unter anderem nutzten die Mediziner Daniela und Dieter Jakob aus Olbernhau den Ball für ein gemeinsames Tänzchen - sie in ihrem sandfarbenen und mit Steinchen besetzten Lieblingskleid aus New York. "Wir tanzen seit 20 Jahren zusammen", sagten die Jakobs. "Meine Frau hatte mir einst zum Geburtstag einen Gutschein für einen Kurs geschenkt", so Chirurg Dieter Jakob. "Seitdem ist das Tanzen unsere gemeinsame Leidenschaft. Zum Opernball sind wir auch mit dabei."

 

 

Ulrike Just, mit ihrem Mann Henry Just ebenfalls langjährige Kunden der Tanzschule, stellte gleich zu Beginn des Ballabends mit einem Augenzwinkern klar: "Auf dem Parkett müssen wir Frauen uns dazu zwingen, den Männern den Rhythmus zu überlassen." Mit einer ganzen Gruppe an Freunden waren die Justs im Ballhotel erschienen. Dort erlebten sie unter anderem Salsa-Sows, Stepp-Tanz-Darbietungen und Swing-Vorführungen. Carsten Hetze, gemeinsam mit Mirko Dreischarf Geschäftsführer der Tanzschule Emmerling, hatte sich höchstpersönlich an die Regler gestellt und war der DJ des Abends. Tanzen verbraucht Kalorien: Deshalb wurde den Gästen ein Menü aufgetischt. Unter anderem gab es ein Duett vom Kalbsfilet und ein eisbombiges Omelett Surprise.

Thomas Ranft, Chemnitzer Künstler, feierte am Samstag seinen 75. Geburtstag. Es war ein Familienfest, ein ziemlich großes sogar: Denn die Chemnitzer Künstlerfamilie kam in der kuschelig-warmen Galerie unter dem Dach des Heck-Art-Hauses zusammen, um dem Grafiker zu gratulieren. Viel Platz zum Händeschütteln, zum Herzen und zum Drücken war da nicht. Und bei all dem freudigen Wiedersehensgeplauder der Künstler und ihrer Kunstfreunde im noch jungen Jahr verstanden die Gäste auch teilweise ihr eigenes Wort nicht mehr. Wer alles dabei war? Zum Beispiel die Fördermitglieder vom Kunst-für-Chemnitz-Verein Ingrid und Wolfgang Ahlemeyer, Theaterlegende Hartwig Albiro, die Steuerberater Ute und Torsten Wolf, Fotograf Dieter Wuschanski - und dann die Riege der Künstlerkollegen, darunter Dagmar Zemke und Dagmar Ranft-Schinke, Klaus Süß und Michael Morgner, Gregor Torsten Kozik und Osmar Osten.

Steffen Volmer, Chemnitzer Künstler, weilte auch unter den Gratulanten. Allerdings nahm er am Abend der Vernissage im Heck-Art-Haus eine besondere Rolle ein. Denn neben aller Geburtstags- und Wiedersehensfreude stand vor allem die Kunst selbst im Mittelpunkt. Eröffnet wurde eine Schau kleinformatiger Grafiken von Thomas Ranft und Steffen Volmer. Sie hatten im Vorfeld sogar eine gemeinsame Arbeit geschaffen, die gleich prominent links neben der Eingangstür der Heck-Art-Galerie präsentiert wurde. Anlass für die Kooperation und die gemeinsame Ausstellung: Auch Volmer feiert bald Geburtstag. Anfang Februar wird er 65. Deshalb läuft auch noch drei Wochen lang unter dem Titel "Passion" die erste Einzelschau des Chemnitzers in den benachbarten Kunstsammlungen.

Willi Weitzel, Moderator und Reporter, ist vielen Menschen aus dem Kinderfernsehen bekannt. Am Sonntagnachmittag zeigte er aber in Chemnitz seine abenteuerlustige Seite. Da präsentierte er "Willis wilde Wege". Mal sind das Expeditionen auf der Suche nach Bärenspuren durch Alaska, mal Schifffahrten auf Plastikmüllsuche in den Ozeanen und mal Erlebnisse in Deutschland ganz ohne Geld und Hotel. Ort für die außergewöhnlichen Erlebnisberichte von Willi Weitzel und anderen Abenteuern war die Freiträumer-Arena in der Chemnitzer Messehalle. Diese hatte am Wochenende im Rahmen der Reisemesse in der kleinen Halle ihre Pforten geöffnet.

Derweil griff in der großen Messehalle das Reisefieber um sich. Poolluft schnuppern, exotische Happen genießen, empor kommen: Das konnten die Gäste von Freitag bis Sonntag erleben. Lotta Engelmann machte es vor. Das Mädchen wagte sich an einem Turm des Kletterzentrums Chemnitz in waghalsige Höhen. Insgesamt vermeldete der Veranstalter am Abend 14.000 Messebesucher. Das sei das beste Ergebnis seit fünf Jahren, so die Organisatoren.


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