Tagesmutter sein ist kein Kinderspiel

Weniger Kinder, mehr Individualität: Die Tagespflege ist eine Kita-Alternative. Doch für die Anbieter birgt die Arbeit Tücken.

Auch nach fünf Jahren als Tagesmutter will sie keinen anderen Beruf ausüben, wie sie sagt. Gudrun Lange ist gelernte Erzieherin und betreibt ihre Kindertagesstätte "Entdeckerland" in Schloßchemnitz. Die Vorteile im Vergleich zur Kita sind für sie offensichtlich.

"Ich kümmere mich um maximal fünf Kinder", sagt sie. Besonders für Kinder im Alter bis drei Jahren sei eine starke Bindung zur betreuenden Person wichtig. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt bei Kindern in dieser Altersklasse sogar, dass ein Erzieher nur drei Kinder betreuen sollte. In Sachsens Kitas sind laut Bertelsmann jedoch durchschnittlich 6,4 Kinder im Krippenalter auf einen Betreuer Realität, der schlechteste Wert in Deutschland.


Lange sagt, als Tagesmutter zu arbeiten, bedeute, für alle anfallenden Aufgaben selbst verantwortlich zu sein: Hausmeistertätigkeiten, Putzen oder Büroarbeiten fallen ihr zu. "Ich arbeite im Schnitt 13 Stunden am Tag", erzählt sie. Aus einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von 2016 geht hervor, dass die tägliche Arbeitszeit von Tagesmüttern und -vätern im Schnitt bei elf bis zwölf Stunden liegt.

Neben der Arbeitszeit trägt Lange das wirtschaftliche Risiko ihrer Einrichtung. Sie betreibt das Entdeckerland in einer eigens dafür gemieteten Wohnung. Allerdings kann sie nicht entscheiden, wie viel Geld sie pro Kind verlangt, das regelt die Kommune. Für einen Schützling, den sie neun Stunden betreut, erhält sie monatlich 583 Euro brutto. Weniger Stunden oder weniger Kinder bedeuten weniger Einnahmen bei gleichen Fixkosten wie Miete oder Strom. Eltern hingegen merken monetär keinen Unterschied zwischen Tagesmüttern oder der Kita: die zu bezahlenden Sätze sind dieselben.

Allerdings sorgen sich Eltern bisweilen, sollte die Tagesmutter mal ausfallen. In Briefen, die Väter und Mütter von Langes Kindern an ihre Abgeordneten im Landtag geschickt haben, steht: "Leider ist die Vertretung im Krankheits- oder Urlaubsfall oft unzureichend." Man wünsche sich "bessere Vertretungsregelungen". Aktuell kommt in Chemnitz hauptsächlich ein Springer-Modell zum Einsatz. Das bedeutet, eine Person ersetzt die Tagesmutter, sollte sie ausfallen. Derzeit ist ein Springer für sieben bis acht Tagesmütter verantwortlich, die Stadt sucht zwei weitere Personen. Knapp wird es, wenn mehrere Tagesmütter ausfallen. Dann müssen Kinder auf eine Kita ausweichen oder die Tagesmutter muss anderweitig Ersatz finden. Als Gudrun Lange im vergangenen Jahr nach einer Operation ein halbes Jahr ausfiel, sprang ihr Sohn ein. Er ist selbst Erzieher. Sein Kind betreute er dann auch im Entdeckerland.

Trotz dieser Herausforderungen, wie sie Lange nennt, möchte sie in keinem anderen Beruf mehr arbeiten. In der individuellen Betreuung liege der Vorteil, findet sie. Ob nun die Kita oder die Tagesmutter besser sei, will sie nicht pauschal beantworten. "Für die Eltern muss es sich einfach richtig anfühlen."

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