Tagespflege und Krankenkasse ziehen in ehemaliges Amtsgericht

Alle Räume im Wohn- und Geschäftshaus in Burgstädt sind vermietet. Bauarbeiten mussten mehrmals gestoppt werden.

Burgstädt.

Am Eingang des ehemaligen Amtsgerichts am Ahnataler Platz ist von Weitem das königlich-sächsische Wappen als gepflanztes Blumen-Arrangement zu sehen. Über dem Eingangsportal prangt das Wappen in Naturstein. "Wir haben alles liebevoll restaurieren lassen", sagt Investor Andreas Scholz. Der Chef der Immobilienfirma Chreans wolle an die Tradition des im Jahr 1877 errichteten Gebäudes anknüpfen, sagt der Burgstädter.

Passanten bleiben stehen: "Sehr prunkvoll alles", sagt eine Rentnerin. Sie sei froh, dass das Tor zur Innenstadt, wie es der Investor nennt, so ansprechend gelungen sei. Ein Schandfleck sei verschwunden. Dabei verschweigt Scholz nicht, dass es ein steiniger Weg bei der Restaurierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes war. Während der Umbau- und Sanierungsarbeiten hatten sich unvorhergesehene Baustopps ergeben, sagt Scholz. So hätten etwa zwei Meter dicke Natursteinbrocken beim Ausbau des Kellers entfernt werden müssen. Deshalb seien im Verlauf der Bauarbeiten im Inneren neue statische Berechnungen notwendig gewesen.

Rückschläge gab es seit dem Leerstand des Amtsgerichtes vor mehr als 20 Jahren schon einige. Vorherige Besitzer beließen es bei Absichtserklärungen. Aber das Gebäude verfiel weiter. Scholz musste lange auf eine Baugenehmigung warten, weil rechtliche Fragen mit Nachbarn zu klären waren. "Aber wir sind jetzt auf der Zielgeraden", sagt der Investor, der keine Angaben über die Höhe seiner Investition macht.

Durch die Bauverzögerungen sind einige potenzielle Mieter abgesprungen. "Aber wir haben immer am Konzept festgehalten", sagt Scholz. So hatte im März ein Spezialist für Orthopädietechnik aus Chemnitz sein Geschäft eröffnet. Nach Angaben von Orthopädietechnikermeister Ralf Müller, einer von drei Gesellschaftern, hat das Unternehmen rund 80.000 Euro in den Ausbau des Geschäftes und der Werkstatt samt Lager investiert. "Wir sind froh, dass jetzt das Amtsgericht fertig ist und wir an so einem traditionellen Ort arbeiten können", sagt Müller.

Seit Juli betreut die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK Plus) im zweiten Obergeschoss die rund 23.200 Versicherten aus der Region. "Wir haben jetzt mehr Platz für individuelle Beratung", sagt Sprecherin Hannelore Strobel. Das Gebäude habe einen Aufzug, sodass die Kunden im Rollstuhl oder mit Kinderwagen barrierefrei die Filiale erreichen. Neu sei ein großzügiger Wartebereich mit Kinderspielecke sowie eine Kundentoilette mit Babywickelmöglichkeit, so Strobel.

Eingezogen sind zudem die Elefantenapotheke sowie der Lohnsteuerhilfeverein Steuerring im Erdgeschoss. Zudem wolle Scholz mit seinem Immobilienunternehmen Büroräume beziehen. Dann sei das Gebäude fertiggestellt.

Ein offizieller Eröffnungstermin steht aber noch nicht fest, sagt Scholz. Doch Joachim Opitz vom Pflegeservice Wirtz, der in der ersten Etage eine Tagespflegeeinrichtung für 20 Personen einrichtet, verspricht: "Wir stellen uns im September zu einem Tag der offenen Tür vor." Bis dahin werde der Anlaufpunkt für Kranke, Pflegebedürftige und Rentner hergerichtet. Zurzeit erfolge die Möblierung. Sechs Mitarbeiter übernehmen die Betreuung der Tagesgäste. "Wir wollen individuelle Betreuung, auf die Wünsche der Burgstädter zugeschnitten, bieten", sagt der 63-Jährige.

Auch im Dachgeschoss finden letzte Arbeiten einer Chemnitzer Immobilienfirma statt, die sieben hochwertige Wohnungen zwischen 40 und 50 Quadratmetern herrichtet. "Im Oktober sollen die ersten Mieter einziehen", sagt Geschäftsführer Sven Kühn. Dabei setze das Unternehmen auf barrierefreie Wohnungen mit Klimaanlagen. "Das Besondere: Die Mieter können zwei Balkone nutzen", sagt Kühn. Von dort habe man einen schönen Blick über die Stadt.

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