Warum eine Wasserschlacht nicht nur Spaß ist

Dass Protest gegen Rechts kreativ sein kann, haben etwa 150 Aktive im Stadthallenpark bewiesen. Am Marx-Kopf wurden derweil Volkstänze zelebriert.

Die beiden Lager sind bis auf die Zähne bewaffnet gewesen. Wasserpistolen, Wasserbomben und sogar gefüllte Eimer gehörten zum Arsenal der Truppen, die Sonnen- beziehungsweise Kaßberg extra für die historische Schlacht im Stadthallenpark ausgehoben hatten.

Eine Gruppe Kreative, die sich "Hedonistische Spaltpilze" nennt, hatte sich die Aktion einfallen lassen. Mit dem Schlachtruf "Nass, nass, nass" standen etwa 150 vornehmlich junge Frauen und Männer parat. Die Wasserschlacht, die laut Veranstalter nicht weniger als die "totale Spaltung der Stadt" zum Ziel hatte, konnte beginnen. Tommy Ullrich zog im weiß-rosafarbenen Einhornkostüm an die Front - für den Sonnenberg. "Dort gibt es wenigstens Parkplätze", sagte er und ließ sich auch von den "Blauhelmen" (tatsächlich hatten sie Badekappen auf) der "UN-Einseiftruppe" nicht stoppen. Mädi Dietrich, die extra aus Leipzig anreiste, wollte sich nicht festlegen. "Ich bin auf dem Sonnenberg geboren und habe später auf dem Kaßberg gewohnt. Ich werfe einfach auf alle." Schon nach kurzer Zeit klitschnass war Fatima Maged, deren Rollstuhl sie nicht davon abhielt, kräftig auszuteilen. "Das ist eine richtig coole Aktion", sagte sie. Allerdings verwies sie auch auf den ersten Hintergrund der Aktion.

Denn das von der Stadt unter Auflagen genehmigte feuchtfröhliche Vergnügen - so durfte kein Wasser aus dem Springbrunnen entnommen werden - war keine reine Spaßveranstaltung. Vielmehr ging es darum, die Kundgebung "Deutsch und stolz darauf" satirisch aufs Korn zu nehmen, die zur selben Zeit am Marx-Kopf stattfand. Unter anderem sprach dort der inzwischen entlassene Berliner Lehrer Nicolai Nerling, der mit rechten Verschwörungstheorien überregionale Bekanntheit erlangt hat. Zudem wurden bei der Kundgebung mit ebenfalls rund 150 Besuchern, organisiert von Aktivisten aus dem Umfeld von Pegida und AfD, Tänze in traditionellen Trachten aufgeführt. Beim akustischen Vergleich hatten die Wasserkämpfer die Nase vorn. Auf der anderen Seite der Brückenstraße war von den Rednern am Marx-Kopf kein Wort zu verstehen. Bei der Wasserschlacht war übrigens Durchhaltevermögen gefragt. Erst kurz vor 18 Uhr stand der Sonnenberg als Sieger fest.

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1Kommentare
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  • 7
    2
    SonjaRJ
    20.08.2018

    Die akustische Niederlage hat folgenden Grund: Die Auflage für die Demo am Nischl war 85db... Die „Wasserkämpfer“ hatten diese nicht.



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