Was der Kulturhauptstadt-Titel mit einem Spielplatz zu tun hat

Bei einem Bürgerforum durften Einwohner über ihre Wünsche an die Stadt abstimmen. Über die Verwirklichung wird jedoch eine internationale Jury entscheiden.

Glösa-Draisdorf.

Glösaer, die sich eine Erweiterung des Spielplatzes an der Grundschule im Stadtteil wünschen, sollten Chemnitz bei seiner Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 die Daumen drücken. Diesen Zusammenhang erklärte Steffi Mehner, Referentin im Baudezernat der Stadtverwaltung, jetzt den Teilnehmern eines Bürgerforums im Freizeitzentrum am Schulberg in Glösa. Zu der Veranstaltung hatte die Anfang dieses Jahres gegründete Bürgerplattform Chemnitz-Nord Einwohner von Glösa-Draisdorf, Furth und Borna-Heinersdorf eingeladen.

Der Spielplatz könnte im Falle einer erfolgreichen Kulturhauptstadt-Bewerbung ausgebaut werden, weil die Verantwortlichen der Stadt dann insgesamt 90 Millionen Euro an Bundes-, Landes- und Eigenmitteln ausgeben wollen. Rund 60 Millionen Euro von dem Geld sollen für Veranstaltungen und 30,5 Millionen in die Aufwertung von Gebäuden und Flächen fließen, erläuterte Steffi Mehner. Sechs Millionen Euro davon sind für die Verschönerung öffentlicher Plätze vorgesehen. Damit möglichst viele Bürger und nicht nur Einwohner und Besucher der Innenstadt davon profitieren, lässt die Stadtverwaltung zurzeit über die Bürgerplattformen die Wünsche der Bevölkerung ermitteln.


In der sogenannten Steuerungsgruppe der Bürgerplattform Chemnitz-Nord wurden in Vorbereitung auf diese Befragungen insgesamt sechs Vorschläge in den drei Stadtteilen zusammengetragen, berichtete die Koordinatorin der Bürgerplattform, Kerstin Pätzold vom Waldorfschulverein: in Glösa der Spielplatz an der Grundschule, in Draisdorf der Platz gegenüber vom griechischen Restaurant in der Ortsmitte, in Heinersdorf eine Grünfläche an der Hermann-Löns-Siedlung sowie in Borna eine Freifläche an der Auerswalder Straße, der ehemalige Genossenschaftsplatz an der Sandstraße und der Spielplatz am Crimmitschauer Wald hinter dem Botanischen Garten.

Aus diesen Vorschlägen sollten die Teilnehmer am Bürgerforum ihren Favoriten wählen. Die Resonanz auf die Einladung war allerdings gering geblieben. Nur knapp zehn Interessenten, zum Großteil Glösaer, waren ins Freizeitzentrum gekommen. Sie entschieden sich eindeutig für den Spielplatz am Freigutweg zwischen dem Langteich und dem ehemaligem Gemeindeamt in der Nähe der Grundschule und der neuen Kindertagesstätte. Denn dort gebe es derzeit zu wenig Geräte für die rund 170 Grundschüler und weitere Kinder aus dem Stadtteil.

Dringender Handlungsbedarf bestehe zwar auch am Spielplatz hinter dem Botanischen Garten in Borna, waren sich die Anwesenden einig. Doch dieser Spielplatz stehe ohnehin auf der Vorhabenliste des Grünflächenamtes für die nächsten Jahre, berichtete Kathrin Kneita vom Stadtplanungsamt.

Eine kurze Debatte gab es zudem zum Spielplatz am Genossenschaftsplatz in Glösa, der ebenfalls in einem "jämmerlichen Zustand" sei, wie Einwohner Matthias Mette schilderte. Es gebe nur noch drei Federwippen, einen Sandkasten, der mehr einem Katzenklo gleiche, und schiefe Bänke. Sie habe schon einmal versucht, Anwohner für einen Arbeitseinsatz auf dem Spielplatz zu gewinnen, sagte Katrin Stephan-Kunert, die Vorsitzende des Vereins Gemeinsam für Glösa. Doch die Anwohner hätten mit der Begründung abgelehnt, als Steuerzahler hätten sie Anspruch auf Leistungen der Stadt. Der Bedarf an dem Spielplatz sei auch nicht so groß, schätzte Katrin Stephan-Kunert ein. Auch aus Sicht der Bürgerplattform habe der Spielplatz an der Grundschule Priorität, sagte Kerstin Pätzold.

Doch eine Entscheidung ist damit noch lange nicht gefallen. Die Bürgerplattform will zunächst noch am 30. September bei einem weiteren Forum in Borna Einwohner nach ihrem Wunschort für die Verwendung von Kulturhauptstadt-Geld befragen, kündigte Kerstin Pätzold an. Und dann müsste eine internationale Jury in Berlin im Dezember dieses Jahres bei der Vorauswahl aus den neun deutschen Bewerberstädten Chemnitz als einen der drei Favoriten auswählen. "Wir glauben fest daran, dass wir das schaffen", sagte Steffi Mehner. In diesem Fall rechne die Stadtverwaltung schon mit einem ersten Zuschuss vom Freistaat.

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1Kommentare
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  • 0
    5
    Urlaub2020
    12.09.2019

    Wieder so eine Posse für das Volk



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