Wie Chemnitz Anschluss ans Fernbahn-Netz bekommen soll

Bahn prüft Verlängerung von Intercity-Linie - Strecke nach Leipzig voraussichtlich erst in zehn Jahren elektrifiziert

Chemnitz.

Über den aktuellen Stand der Bemühungen um eine bessere Fernbahn-Anbindung der Stadt haben Vertreter der Deutschen Bahn und der Politik am Mittwoch öffentlich im Rathaus informiert. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen dazu.

Wann werden in Chemnitz wieder Fernzüge halten?


Ein Termin wurde noch nicht genannt. Am wahrscheinlichsten ist, dass zuerst die neue Intercity-Linie 17, die ab Dezember dieses Jahres Dresden, Berlin und Rostock verbinden soll, bis Chemnitz verlängert wird. Die Deutsche Bahn prüft zurzeit zwei Varianten - die Verlängerung nur einzelner Züge und einen Zwei-Stunden-Takt, sagte der Konzernbevollmächtigte für Sachsen, Eckart Fricke. Ergebnisse werden für Herbst dieses Jahres erwartet. Er sei "zuversichtlich", dass dann ein entsprechendes Angebot gemacht werden könne, so Fricke. Zuletzt hieß es noch, in Chemnitz fehle dafür eine Zug-WC-Reinigungsanlage. Perspektivisch könnten die Züge über Zwickau bis München weiterfahren, vorerst aber nur bis Hof. Denn die Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Hof und Regensburg verzögert sich voraussichtlich bis nach dem Jahr 2030.

Was ist mit der Verlängerung der Intercity-Linie Düsseldorf-Gera bis Chemnitz?

Auch daran will die Bahn laut Fricke festhalten. Allerdings sei die Verlängerung voraussichtlich erst ab 2028 möglich, weil vorher noch die Strecke zwischen Weimar und Gera elektrifiziert werden müsse.

Wie ist der Stand bei der Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig?

Die Planungen für dieses Vorhaben können nahtlos fortgesetzt werden, sagte der sächsische Verkehrsminister Martin Dulig (SPD). Nachdem der Freistaat die ersten Planungen dafür vorfinanziert hatte, wurde das Projekt 2018 in die Kategorie Vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Damit übernimmt der Bund die Planungskosten. Untersucht werden zwei Trassenvarianten: über Borna und über Bad Lausick. Die Elektrifizierung selbst soll mit Geld finanziert werden, das für den Strukturwandel infolge des Ausstiegs aus der Kohleförderung bestimmt ist. Das sogenannte Kohlegesetz, in dem das vorgesehen ist, muss aber noch vom Bundestag beschlossen werden. Die Bahn rechnet mit dem Abschluss der Elektrifizierung Ende der 2020er-/Anfang der 2030er-Jahre.

Warum kann die rund 80 Kilometer lange Strecke nicht schneller elektrifiziert werden?

Die Planungen dafür erforderten sehr viel Arbeit, antwortete Fricke auf diese Frage. Es müssten nicht nur Fahrleitungsmasten aufgestellt und "Draht drübergehängt", sondern ein Großteil der Strecke erneuert und zweigleisig ausgebaut werden, ergänzte Marcus Schenkel, Leiter Großprojekte Südost der Bahn. Das Unternehmen hoffe, das Eisenbahnbundesamt werde die Baugenehmigung in einem verkürzten Verfahren erteilen und wolle auch selbst alle Möglichkeiten nutzen, um Zeit zu sparen. So könnte unter Vollsperrung der Strecke mit Schienenersatzverkehr zwischen Leipzig und Chemnitz schneller gebaut werden, sagte Fricke. Das sei aber noch nicht entschieden. Der genaue Zeitplan werde erst feststehen, wenn die Planungen abgeschlossen sind. Die Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn (Grüne) und Detlef Müller (SPD) haben der Landesregierung die Bildung eines Arbeitskreises zur Beschleunigung des Ausbaus und der Elektrifizierung sächsischer Eisenbahnstrecken vorgeschlagen.

Kann als Übergangslösung nicht die Chemnitz-Bahn von Burgstädt weiter bis nach Geithain fahren, wo die S-Bahn von Leipzig endet?

Das werde geprüft, versicherte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Dulig warnte, solche Interimslösungen könnten dazu führen, dass der Bund keinen Fernverkehr nach Chemnitz mehr für erforderlich hält.

Wann werden auf der Regionalbahnlinie Chemnitz-Leipzig modernere Züge eingesetzt?

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) habe den Zuschlag erhalten, die Linie noch bis 2023 zu betreiben, erklärte Ludwig. Unabhängig davon sei der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) als Auftraggeber weiter dabei, bessere Wagen zu besorgen. Dabei spiele auch die Deutsche Bahn eine Rolle, so die OB. Die Bahn könne zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 klimatisierte Wagen zur Verfügung stellen, wenn sie heute eine konkrete Anfrage erhalte, sagte Fricke.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 4 Bewertungen
16Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    0
    Zeitungss
    13.07.2019

    Noch ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Beitrag. Herr Jan Dirk Franke von der FP wäre eigentlich der richtige Mann um die Kostenstruktur dieser 5 Verbünde einmal der Öffentlichkeit etwas näher zu bringen, auch wen diese es absolut nicht wollen. Es sind Gelder, welche der Steuerzahler bzw. Kunde hinlegen muss, da sollte etwas Transparenz schon gegeben sein.
    Der VVV glänzt durch ehrenamtliche Busfahrer, es soll Leute geben die es auch machen und hören dabei nicht, dass der Vorstand des VVV eigentlich vor lachen rund um die Uhr den Notarzt braucht. Man begreift es eigentlich nur noch unter Anwendung von Drogen oder entzieht sich der Sache durch Urlaub.

  • 4
    0
    Zeitungss
    12.07.2019

    @Klemmi: Genau so. Hier wird Kohle verheizt, welche für den ÖPNV gedacht ist und nicht, wie Sie so schön formulierten, für 5 Wasserköpfe. Wäre einmal interessant zu wissen, was nur einer dieser Köpfe mit seinem Anhang im Monat an Kohle verschlingt. Von der Öffentlichkeit finanziert, sollten schon einmal ein paar Zahlen an die Erbringer rüberwachsen, was mit Sicherheit nicht sein soll und besagte Vereine würden es auch nicht wollen. Für die FP wäre es einmal eine Aufgabe dieses zu beleuchten, auch wenn der Widerstand groß ist.

  • 5
    0
    Klemmi
    12.07.2019

    @Zeitungss@Steuerzahler: Ich gebe Ihnen beide Recht. Vor dieser „Kleinstaaterei“ war das Bahnfahren ohne ein Studium der Preissysteme möglich, man saß hauptsächlich in Zügen der DB und es funktionierte ohne „belebende“ Konkurrenz. Das sich Sachsen fünf derartiger „Wasserköpfe“ leistet ist der Gipfel und lange vor der Idee Duligs, habe ich im jugendlichen Leichtsinn ihn dazu befragt. Die Antwort war ernüchternd: „Die Verbünde müssen es selber wollen.“ Ein Kommentar dazu verkneife ich mir.

  • 7
    1
    Zeitungss
    12.07.2019

    @Steuerzahler: Verbünde dieser Art haben sich ganz einfach als Hindernis erwiesen, Personal auswechseln ist vertane Zeit, es wäre keine Änderung in Sticht außer Abfindungen in Größenordnung. In D. wird bekanntlich Versagen fürstlich honoriert, was genug Beispiele beweisen. Der angedachte Sachsenverbund (Projekt Dulig) wäre ein Anfang gewesen, scheiterte bekanntlich an den jetzigen Amtsinhabern und deren Bedürfnissen, die stehen nun einmal über denen der Kunden.
    Da der Kunde im Prinzip "Zufriedenheit" erkennen lässt, wird sich daran nichts ändern, eher noch weiter verfilzen. Ihren Beitrag konnte ich schon nachvollziehen.

  • 3
    1
    Steuerzahler
    12.07.2019

    @Zeitungs: Nichts anderes hatte ich mit meinem Beitrag gemeint! Vor der Abschaffung wäre doch der Personalwechsel der erste Schritt! Man kann sich nicht hinstellen und fordern, während man doch selbst in der Verantwortung ist.

  • 6
    1
    Zeitungss
    12.07.2019

    Neeee @Steuerzahler, ohne diese Vereine war in Deutschland noch ein Reisen mit der Bahn möglich, möglicherweise kann sich der eine oder andere Nutzer noch schwach daran erinnern. Heute fahren wir von einem "Zollhäuschen" zum anderen bundesweit und denken, es war der große Wurf. Für die Vorstände dieser Vereine und alle die sich dort eingenistet haben, schon. Kohle für den ÖPNV ist Mangelware, finanzieren allein in SN 5 (FÜNF) solche Vereine und diese möchten auch, dass es unter allen Umständen so bleibt. Einen Herrn Dulig (SPD) hat man davon zeitig genug überzeugt und in die Schranken gewiesen. Also weiter so.
    Und dort sitzen Bürgermeister, Landräte und und und, um ein ordentliches Zubrot erhalten, was für die Nutzer dabei rauskommt, ist Nebensache. Früher hatte z.B. der Chemnitzer Bürgermeister auch keinen zweiten "Arbeitsplatz" bei der Reichsbahn, die Bürger die heutigen Probleme auch nicht.
    Mir ist durchaus bewusst, dass ich mit dieser Meinung Einzelkämpfer bin und die Betroffenen ruhig bleiben, dafür bin ich auf die Früchte dieses Zustands auch nicht angewiesen. Allzeit gute Fahrt und viel Geduld.

  • 6
    1
    Steuerzahler
    12.07.2019

    @Klemmi: „Hier sollte die kommunale Politik aller Gemeinden sich den VMS vorknöpfen“
    Wer sitzt denn dort in der Verantwortung und jahrelang passiert nichts!? Also liegt es doch am Betroffenen, dort in der Kommunalpolitik für einen Wechsel zu sorgen, damit endlich eine Veränderung eintritt.

  • 5
    0
    Zeitungss
    12.07.2019

    01.01.1994 ein Tag welcher in die Bahngeschichte einging und heute noch seine Nachwehen hat. 80 Mio. Bürger mussten damals begeistert sein, heute zieht Ernüchterung ein, sollte zumindest. Mehr gibt es zu diesem Chaos nicht mehr zu sagen und es ist auch sinnlos. Die Verlegung von Reise- und Güterverkehr auf die Straße ist eher als Erfolgsmodell dieses Landes zu bewerten, wird auch dementsprechend bei jeder Gelegenheit gefeiert und ist in der Neuzeit mit dem Begriff "Verkehrswende" unterlegt. Selbst bei der ach so grünen Fraktion findet man den Klingelknopf nicht, die haben nur noch Kanzler als Ziel.

  • 9
    0
    Klemmi
    12.07.2019

    So sinnlos sind die Umleitungsvarianten nicht und gab es auch schon. Einige InterRegios sind via DD-Neustadt gen Norden gefahren und im Grunde ist der ICE von Dresden nach Frankfurt nichts anderes. Recht gebe ich Bär53: Den RE1 in Glauchau enden zu lassen ist skandalös. Einerseits fordert man so schnell wie möglich auf dieser Linie einen Fernverkehr und akzeptiert zeitgleich diesen Missstand. Hier sollte die kommunale Politik aller Gemeinden sich den VMS vorknöpfen, denn die Zustände auf dem RE 6 oder das Kuriosum RE1 sind ausnahmsweise nicht Resultate von Bund, Land oder Bahn.

  • 12
    0
    Bär53
    11.07.2019

    zu 1025628: Ob von Berlin über DD oder L ist in etwa der gleiche Umweg, direkt wäre allerdings über Riesa. Vorteil wäre aber dennoch, endlich wieder ohne Umstieg von Chemnitz und Zwickau aus nach München, Berlin und Rostock reisen zu können.
    Recht gebe ich Ihnen, dass vermutlich der VMS wieder negativ mitspielt. Er hat wohl schon vor ein paar Jahren dafür gesorgt, dass die RE1- Linie von Göttingen über Erfurt in Gössnitz bzw. Glauchau gekappt wurde und damit Zwickau und Chemnitz von der Mitteldeutschlandlinie zu seinem Gunsten abgeschnitten wurden. Eigentlich ein Skandal, die Bahnen 30km vor der "Stadt der Moderne" enden zu lassen. Aber so richtig gestört hat es damals auch schon niemanden in der Politik...

  • 9
    0
    1025628
    11.07.2019

    Diese "Umleitungsvariante" Berlin - Dresden nach Hof macht absolut keinen Sinn wer soll damit fahren, für Chemnitz nutzt die nur nach Dresden oder Hof was, alles andere ist via Leipzig schneller und wahrscheinlich auch billiger, die bessere Idee wäre im Moment tatsächlich den "Pseudo" Fernverkehr auf der Mitte Deutschland Verbindung bis Chemnitz durchzubinden und vor allem auszuweiten. Nur das wird vom VMS nicht gewollt sein da in diesen Zügen in Thüringen auch Nahverkehrstickets gelten. Ob der letzte Zug nun von Gera als Leerzug zur Behandlung nach Leipzig fährt oder von Chemnitz ist dann auch nicht der Riesen Unterschied. Noch dazu wo es zur Abwasserentsorgung usw. Anlagen geben müsste (ob sie ausreichend sind, ist die andere Frage) oder lässt die Erzgebirgsbahn als DB-Tochter oder die MRB als Konkurrenzunternehmen das ganze in Chemnitz in die Botanik laufen? Oder man lässt sie gleich bis Dresden durchfahren, da sind dann definitiv Anlagen.

  • 18
    2
    Interessierte
    11.07.2019

    Eine interessante und freundliche Äußerung von unserer Frau OB .
    "Wenn das erst in den 30-er Jahren wird , haben wir dann den neuesten Stand ;-)"
    Nach 40 Jahren ist dann eine ganze ´wartende´ Generation schon verstorben ...

  • 18
    2
    Lesemuffel
    11.07.2019

    Mittlerweile nicht mehr zu fassen, wie primitiv die Infrastruktur im D. "gepflegt" wird. Ein einst führendes Land sackt weiter ab. In Deutschland wird wegen ca. 50 Bahnstreckenelektrifizierung Jahrzehnte beraten und nichts geschieht. Schaut man mal in Länder über die die Teutschen sich immer arrogant erheben, zum Beispiel Russland. Da werden Grossprojekte in kurzer Zeit umgesetzt. Jetzt wird ein Autobahn "Transmeridian" von RF über Kasachstan nach China gebaut. Und manche dt. Politiker spielen sich noch auf, als sie der Nabel der Welt wären. Und wenn Russland ausserhalb seiner Grenzen eine Pipeline baut, erfolgt Druck auf Berlin, das Vorhaben einzustellen. So ist es, wenn ein Land schwach ist und seine Souveränität preisgibt.

  • 29
    1
    Bär53
    11.07.2019

    Irgendwie verstehe ich die Argumentation nicht mehr.
    Z.B.: Wieso sollen ICs nur auf elektrifizierten Strecken fahren können? Kann mir das mal jemand erklären? Wieso wird da nicht mal von der Presse nachgehakt?
    Seit Fahrplanwechsel gibt es einen IC von Gera nach Düsseldorf. Die ersten Kilometer ab Gera hängt da eine Diesellok dran und dann wird (in Gotha?) auf elektrisch umgespannt. Warum kann dann genau diese Diesellock nicht schon von Chemnitz über Gera bis Gotha eingesetzt werden?
    Ich glaube, so richtiges Interesse scheint generell nicht zu bestehen und dann rühren da zu viele Köche mit am Brei- DB, MRB, VMS...

  • 30
    0
    branderweg
    11.07.2019

    Selbst gutgläubigen und bahninteressierten Lesern fällt es mittlerweile schwer, bei den Ankündigungen zum westsächsischen Bahnverkehr noch irgend etwas verlässliches seitens Bahn und Politik zu erfahren. Mit der Einführung der IC-Linie Rostock-Bln-Dresden hätte die reale Chance auf eine Anbindung von Chemnitz durch Verlängerung dieser Linie bestanden, auch um die Millionenbeträge an Infrastrukturinvestitionen zwischen Bln und Dresden zu rechtfertigen und ihren Nutzen "in die Region zu tragen". Erst mussten fehlende Wagen für die Nichtverlängerung herhalten, nun ist es die fehlende WC-Reinigungsanlage...
    Die Langfristprojekte Lpz-C und Gera-C will ich erst gar nicht kommentieren, da kommen noch viele Planungs- und Baujahre drauf...

  • 33
    2
    Klemmi
    11.07.2019

    Viele Optionen und doch nichts Konkretes. Die Chemnitzer werden ja sehen, was von den Plänen dann tatsächlich verwirklicht wurde. Die Verlängerung der IC-Linie aus Rostock wäre ein ernstzunehmender Anfang aus dem Dilemma. Gemeinsam mit der MDV-Linie würden zwei alte Klassiker zu neuen Leben erwecken. Warum wurden diese dann eingestellt? Da bleibt nur eine Antwort: Versagen im Management. Allein der ICE-verwöhnte Kunde im Nadelstreifen rechnet sich dann doch nicht. Was die Elektrifizierung von C-L und Hof-Regensburg betrifft: Da war die DDR ja flotter unterwegs, ohne in Nostalgie zu schwelgen. Diese Zeitrahmen sind schwer nachzuvollziehen, v.a. in Zeiten zahlreicher Klimadiskussionen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...