Wie sich der Stadtverkehr verändern soll

Chemnitz diskutiert: Weniger Autos, mehr Elektromobilität und neue Lösungen für den Güterverkehr - was Experten für die Zukunft fordern und erwarten.

So bescheiden die Zulassungszahlen hierzulande bislang sind, für Jens Peter von Mitsubishi Deutschland steht die Sache fest: Elektromobilität wird in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Thema werden - auch in Chemnitz. "Es geht los, wir merken es deutlich an den Verkaufszahlen", sagte Peter bei einem Expertenforum zur Zukunft der Mobilität in Chemnitz, das am Freitag zur Eröffnung der Mobilitätsmesse "Mobil" in der Messe an der Neefestraße veranstaltet wurde.

Mit seiner Einschätzung steht der Vertriebsmanager des japanischen Herstellers keineswegs allein. "Wir sehen an der Nutzung unserer Ladepunkte, dass Elektromobilität zunimmt", bestätigte Aik Wirsbinna vom Chemnitzer Energieversorger Eins. Zu den vorhandenen 75 Stationen, die Eins im Stadtgebiet betreibt, sollen in diesem Jahr 40weitere hinzukommen, kündigt der Leiter Vertrieb und Handel an. "Die spannende Frage ist: Wo werden die Nutzer die Batterien ihrer Autos künftig laden - zu Hause, auf Arbeit oder eher an öffentlichen Säulen?" Um eine mögliche Überlastung des Netzes macht sich Wirsbinna indes keine Gedanken. "Wir sind noch lange nicht an unserem Kapazitätsende und wir werden weiter ausbauen", betonte er.

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Stadtrat Bernhard Herrmann (Bündnis90/Grüne) von der Agenda21 - einem Beirat, der die Stadtverwaltung unter anderem in Umweltfragen berät - setzt auf die Entwicklung einer intelligenten Ladeinfrastruktur. "Warum beim Bau der neuen Johannisvorstadt nicht auch eine leistungsfähige, nachrüstbare Ladezentrale mit integrieren, anstatt vielleicht nur ein paar Ladesäulen?", regte er an. Seine Erfahrung allerdings sei: Wer sich ein Elektrofahrzeug anschafft, denkt oft recht bald recht grundsätzlich über sein gesamtes Mobilitätsverhalten nach.

Dass es nicht darum gehen kann, alle Benzin- oder Dieselautos durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen, sondern darum, dass das Verkehrsaufkommen in der Stadt insgesamt geringer werden sollte, davon ist Alexander Kirste vom Tiefbauamt der Stadt überzeugt. Möglichkeiten dazu gebe es schon jetzt. "Allein wenn ich mir die Ein- und Auspendler anschaue: Ein Großteil der Autos ist nur mit einer Person besetzt", nennt der Verkehrsplaner ein Beispiel. Wer Verkehrsprobleme lösen wolle, müsse daher auch über die Stadtentwicklung insgesamt sprechen. So lange Wohnort, Kindertagesstätte und Arbeitsplatz oft weit auseinander liegen, würden eben auch entsprechende Verkehrsströme hervorgerufen, so Kirste. "Daran etwas zu ändern, ist sicher keine Sache von ein paar Jahren, sondern von mindestens zwei Generationen", ist der Verkehrsplaner überzeugt.

Muss am Ende der Nahverkehr kostenlos werden, um möglichst viele Autos von den Straßen der Stadt zu bekommen? Mathias Korda vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat da so seine Zweifel. Schon jetzt dürfte eine Monatskarte in den meisten Fällen günstiger sein als die tatsächlichen monatlichen Kosten für einen Privat-Pkw, argumentierte er. "Nach allem, was wir aus Umfragen wissen, ist es auch nicht in erster Linie eine Frage des Preises, ob Menschen öffentliche Nahverkehrsmittel nutzen oder nicht." Entscheidender sei, wie gut vor Ort die jeweilige Anbindung sei. "Dort, wo es wie beim Chemnitzer Modell eine gute Schienenverbindung gibt, läuft es ja auch ganz gut", so Korda mit Verweis auf die Chemnitzbahn-Verbindungen von und nach Stollberg, Burgstädt, Hainichen und Mittweida.

Dietmar Richter von der Industrie- und Handelskammer in Chemnitz fordert mehr Tempo bei Investitionen, um die Verkehrsinfrastruktur auf Vordermann zu bringen und neue Angebote zu schaffen. Alternative Lösungen seien auch für den innerstädtischen Güterverkehr gefragt, so der Referatsleiter für Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung. Und er fügte hinzu: "Im Vergleich zu den Staus in anderen Großstädten klagen wir in Chemnitz auf hohem Niveau."

Die Messe "Mobil" zu den Themen Auto, Motorrad und Fahrrad hat noch bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Messe Chemnitz, Messeplatz1, geöffnet. Tageskarte: 7 Euro, ermäßigt und mit Pressekarte 5,50 Euro.

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