Hurra, wir fliegen nach Hollywood!

Mutter und Tochter aus dem Erzgebirge gewinnen ein Fotoshooting bei "Princess for one day". Warum sie es verdient haben.

Anja Krumbholz knetet gerade den verspannten Nacken eines Patienten, als das Telefon in der Physiotherapiepraxis klingelt. Den Anruf wird sie im Leben nicht vergessen: Sie soll mit ihrer Tochter Julie nach Los Angeles fliegen - zu "Princess for one day". Die "Freie Presse" hatte dazu aufgerufen, sich für die Foto-Beauty-Show zu bewerben. Über 100 Frauen schrieben Briefe und Mails - viele mit sehr emotionalen Begründungen, warum ausgerechnet sie nach Hollywood wollen.

Die 44-Jährige aus Oelsnitz im Erzgebirge hat das verlängerte Wochenende in L.A. gewonnen. Ein professionelles Team wird sie und ihre Tochter dort stylen, bevor Starfotograf Guido Karp beiden das Foto ihres Lebens schenken will. "Das haut mich um!", sagt Anja Krumbholz. Denn sie wusste gar nichts von der Bewerbung. Ihr Mann René hatte sie abgeschickt, als sie mit ihrer Tochter im Zinnowitz-Urlaub war. "Meine beiden Damen hätten sicher nicht den Mut dazu, verdienen es aber auf alle Fälle", sagt er. Denn als selbstständige Physiotherapeutin arbeite seine Frau bis zu zwölf Stunden täglich. "Davor habe ich großen Respekt."

Und nun: Hollywood. Ein Spaziergang am Strand von Malibu, Sightseeing in der Stadt der Stars und Sternchen, die Fotosession bei einem der bekanntesten Fotografen der Welt. "Das kann ich alles noch gar nicht begreifen", sagt Anja Krumbholz.

Der Anspruch von Guido Karp ist es, jede Frau zum Strahlen zu bringen. "Das kann meine Mama gut gebrauchen", sagt Tochter Julie. "Sie ist eine attraktive Frau, aber viel zu unsicher. Ein bisschen mehr Selbstvertrauen würde ihr guttun. Ich bin gespannt, ob Herr Karp es hinbekommt, dass sie sich fallenlassen kann und die Hemmungen überwindet."

Mutter und Tochter sind eng miteinander verbunden. Anja war gerade 22, als Julie zur Welt kam. Leider nicht gesund, sondern mit einer Lippen-Kiefer-Spalte. Mit fünf Monaten ist das Mädchen zum ersten Mal operiert worden, an der Lippe. Mit neun Jahren war der Kiefer dran. Teile des Beckenknochens mussten dafür transplantiert, einige Zähne entfernt werden. Viele Jahre musste sie eine Spange tragen. "Das war hart für Julie und für uns, vor allem, weil sie nicht weinen durfte. Die Narbe hätte sonst wieder aufplatzen können", sagt Anja. "Aber es hat sich alles zum Guten gewendet."

Nun ist Julie selbst fast 22. Sie will Grundschullehrerin werden und studiert in Leipzig. "Ich liebe es, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Am schönsten ist es für mich, ihre Fortschritte zu sehen", sagt sie. An den Wochenenden fährt sie zurück ins Erzgebirge. Nicht zu Mama, sondern zu ihrem Freund, mit dem sie auch künftig in der Nähe von Oelsnitz leben möchte. "Wir wissen natürlich, dass es viel Schlimmeres gibt als so einen Schönheitsfehler. Aber unsere Tochter haderte als junge Frau damit, machte sich Gedanken, fand sich nicht schön und schon gar nicht fotogen", sagt René Krumbholz. "Die Ärzte haben einen tollen Job gemacht. Vielleicht kann ihr Foto andere Mädchen mit Spalt-Erkrankungen ermutigen", sagt er.

Er möchte auch seiner Frau Anja Mut machen, offen und fröhlich durchs Leben zu gehen und sich schön zu finden wie sie ist. Zwei Krebserkrankungen hatte sie in den vergangenen Jahren überstehen müssen, ein Basaliom auf dem Kopf und ein Schilddrüsenkarzinom. Die Schilddrüse ist entfernt worden. "Deshalb muss ich Hormone schlucken. Seitdem nehme ich zu, aber das Gesamtpaket stimmt", sagt Anja. Allerdings hätten sie die Krankheiten verängstigt und unsicher gemacht. "Ich gehe immer davon aus, dass irgendetwas nicht klappen wird oder wieder etwas Schlimmes passieren könnte."

Zum Beispiel auf dem Flug nach Los Angeles. Es ist der Erste in ihrem Leben. Sie ist sehr aufgeregt und hat noch nicht mal einen Reisepass. Den muss sie jetzt noch schnell beantragen. Zum Glück geht das im Expressverfahren. "Das wird ein Abenteuer, das wir nie im Leben vergessen werden. Und die Fotos halten es fest", sagt Julie voller Vorfreude. Der Flieger startet am 26. September. Ob Guido Karp Mutter und Tochter wirklich gut getroffen hat, darüber wird die "Freie Presse" berichten.

Der Foto-Beauty-Workshop

"Princess for ohne day" will Frauen zeigen, was in ihnen steckt. In zweieinhalb bis drei Stunden werden die Teilnehmerinnen von Profis geschminkt, frisiert und anschließend von Starfotograf Guido Karp fotografiert. Das Foto dürfen sie mitnehmen. Preis: 159Euro. Termine in Sachsen: 16. November im Radisson Blu Park Hotel, Nizzastraße 55 in Radebeul; 15. November im Hotel Fürstenhof, Tröndlinring 8 in Leipzig.

www.princess-for-one-day.com

Er verspricht das Foto Deines Lebens

Promi-Fotograf Guido Karp will zeigen, dass jede Frau schön sein kann. Katrin Saft fragte den 56-Jährigen, wie er das anstellt.

Freie Presse: Herr Karp, was treibt jemanden, für den Stars posieren, für "Princess for one day" Frauen von der Straße abzulichten?

Ich versuche, den Menschen als Mensch wahrzunehmen und nicht als Promi. Frauen von der Straße sind viel spontaner, viel emotionaler. Wenn mich Robbie Williams bucht, dann zahlt er viel Geld und setzt Qualität voraus. Bei Frau Müller steht für mich der Spaß im Vordergrund. Sie ist aufgeregt, skeptisch oder sagt: "Mich kann man nicht fotografieren."

Vielleicht ist Frau Müller nicht fotogen.

Unsinn. Von jedem Menschen lässt sich ein tolles Foto machen.

Was ist denn für Sie ein tolles Foto?

Da gibt es verschiedene Faktoren. Der Einfachste: Man sieht gut aus. Dafür sorgen vor mir die Stylisten. Sie zeigen Frauen mit wenigen Handgriffen, was in ihnen steckt. Frauen, die sich toll gestylt fühlen, strahlen das auch aus. Das ist die halbe Miete.

Und die andere Hälfte?

Ist viel Licht beim Fotografieren. Es gibt kein geileres Licht als die Sonne. Wenn ich könnte, würde ich alle Frauen in die kalifornische Sonne stellen. Aber in Sachsen ist es im November, wenn wir mit "Princess for one day" kommen, ja grau und dunkel. Deshalb habe ich lange am richtigen künstlichen Licht gefeilt. Und ich blitze den Frauen nicht ins Gesicht. Denn dann würden sie die Augen zusammenkneifen. Außerdem müsste ich die Anzahl der Fotos reduzieren. Ich mache zwölf Bilder pro Sekunde.

Was machen Sie, wenn ich ein Doppelkinn habe? Photoshop?

Photoshop ist nicht nötig und würde bei 10.000 Frauen, die ich auf unserer Tournee fotografiere, auch viel zu lange dauern. Die Leute haben gelernt, dass sie Unschönes verstecken sollen. Ich mache es andersrum und betone Schönes. Die größte Schönheit des Menschen ist sein Lachen.

Also "Cheese", und alles wird gut?

"Cheese" funktioniert nicht. Der Mensch kann mit dem Gehirn nicht die Augen steuern. Bei einem natürlichen Lachen lachen auch die Augen mit. Mein Geschick ist es, dass die Frauen geradeheraus lachen. Und dass ich sie in die richtige Position bringe.

Bei jungen Frauen ist das ja alles kein Problem. Doch wie setzen Sie reifere Frauen in Szene, die zum Beispiel mit ihren Falten hadern?

Was machen Sie, wenn Ihr T-Shirt Falten wirft? Sie ziehen es glatt. Genau das mache ich auch. Nein, ich bin kein Freund der kosmetischen Chirurgie. Falten sind für mich Erfahrungslinien. Ich bringe die Frau einfach in eine gespannte Haltung, in der sie sich mir entgegenreckt. In die richtige Position gedreht, ist es sogar möglich, dass jede Frau optisch zwei Konfektionsgrößen verliert.

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