Paket? Nur gegen eine Vollmacht Ihres Kindes!

Eine Dresdnerin will am Postschalter eine Sendung für ihren Sohn abholen - und bekommt Probleme.

Eigentlich wollte Anja Müller* in ihrer Postfiliale in Dresden nur schnell ein Geburtstagspäckchen für ihren Sohn Bruno abholen. Der Opa hatte es geschickt und den Namen seines Enkels ins Adressfeld geschrieben. Doch was nach einem Routineakt klingt, erwies sich unerwartet als Problemfall. Die Mitarbeiterin am Schalter wollte Mutter Müller das Paket trotz des Abholscheins nicht aushändigen. Die Begründung: Es sei nicht an sie, sondern an ihren Sohn adressiert. "Die Postangestellte hat deshalb den Kinderausweis oder ein ähnliches Dokument von mir verlangt", sagt Anja Müller. "Doch sowas hat Bruno gar nicht." Sie beantrage doch wegen eines Päckchens keinen Ausweis!

Das muss sie zwar nicht, aber ganz unbürokratisch lässt sich ein solcher Fall offenbar nicht lösen. Denn die Postmitarbeiterin habe sich im Prinzip richtig verhalten, sagt Mattias Persson, Pressesprecher des Unternehmens in Berlin. "Wenn das minderjährige Kind bei der Abholung nicht dabei ist, wird eine Vollmacht benötigt - sofern das Kind eingeschränkt geschäftsfähig ist", erklärt er die Regeln, die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) definiert sind. Eingeschränkt geschäftsfähig sind Kinder ab sieben Jahre bis zur Volljährigkeit. Wollen die Eltern, so wie Anja Müller, nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, müssen sie sich von ihrem Nachwuchs also schriftlich erlauben lassen, die an ihn adressierte Sendung abholen zu dürfen. Das kann mit einer formlosen Vollmacht oder einem Vordruck geschehen. Den findet, wer auf der Internetseite der Post im Suchfeld den Begriff "Postvollmacht" eingibt.

Kritik gibt es von Verbraucherschützern. "Dass ein Neunjähriger seine Eltern bevollmächtigen soll, scheint mir sehr formalistisch zu sein", so Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Dabei agieren auch andere Paketdienstleister ähnlich. Hermes zum Beispiel. "Es gibt mehr Betrugsversuche bei der Paketabholung, als man gemeinhin denkt", sagt Sprecher Ingo Bertram. Mehrfach habe es professionelle Trickbetrüger gegeben, die nur mit der Abholkarte fremde Pakete ergattern wollten. "Davor wollen wir unsere Kunden schützen." Als Vorsichtsmaßnahme hält auch Hermes seine Mitarbeiter deshalb dazu an, sich Vollmachten zeigen zu lassen, wenn eine andere Person als die auf dem Adressfeld benannte das Paket abholen will. Eltern minderjähriger Kinder müssen glaubhaft vermitteln können, dass es sich um ihr Kind handelt, und sich entsprechend legitimieren: mit Kinderausweis, Reisepass oder der Geburtsurkunde.

"Das ist zwar etwas umständlich, aber es dient der Absicherung. Wir wollen niemanden damit ärgern, sondern nur sicher gehen, dass kein ungewollter Empfänger das Paket bekommt", erklärt Postsprecher Persson. Denn der Mitarbeiter am Schalter könne schließlich nicht wissen, ob es sich beim Empfänger tatsächlich um ein minderjähriges Kind handele oder nicht.

Sind die Kinder jünger als sieben, dürfen Eltern laut AGB der Post auch ohne eine Vollmacht ein an das Kind adressiertes Paket oder Päckchen von ihrer Filiale abholen. Auch hier sollten sie gewappnet sein. "In allen Fällen gilt, dass sie gegebenenfalls einen Nachweis über Alter und Zugehörigkeit des Kindes antreten müssen", sagt Persson. Das kann ihnen selbst dann passieren, wenn ihr Kind sie zum Schalter begleitet. Möglicherweise müssen sie auch dann nachweisen, dass es sich tatsächlich um ihr Kind handelt - mit der Geburtsurkunde. "Durch sie sind sie als gesetzliche Vertreter ihrer minderjährigen Kinder automatisch empfangsbevollmächtigt", sagt Dörte Lorenz, Fachanwältin für Familienrecht und Soziales. Umgehen lässt sich der Aufwand, wenn das Paket für das Kind direkt an dessen Eltern geschickt wird.

Mit Geburtsurkunde zum Paketschalter? Anja Müller findet das Prozedere ziemlich lebensfremd. "Was ist mit den Postsendungen, die vom DHL-Boten im Haus abgegeben werden? Da fragt keiner, ob sie ausschließlich vom Adressaten abgeholt werden", sagt sie. Doch auch das regeln die AGB der Deutschen Post. Demnach steht es der DHL zu, Päckchen und Pakete gegen eine Empfangsbestätigung im Haus abzugeben. Es sei denn, der Absender schließt das ausdrücklich aus, indem er den Vermerk "persönlich" auf dem Adressfeld notiert. Oft können Verbraucher mit einer Vorausverfügung bestimmen, was mit dem Paket passiert, wenn es nicht zustellbar sein sollte. Häufig lässt sich auch eine Terminzustellung vereinbaren - dann kommt das Paket zu einer Uhrzeit an, zu der man auch zu Hause ist. Sendungen im Haus abzugeben, ist in der Branche eine übliche Praxis. "Nachbarn sind für eine effiziente Paketzustellung sogar derart wichtig, dass jeder Paketdienst in seinen AGB festschreibt, Pakete bei ihnen abgeben zu dürfen", sagt Steffen Persiel vom Onlinedienst Paketda.

In Anja Müllers Fall hat sich die Frau am Schalter dann doch erbarmt und der Mutter das Päckchen ausgehändigt. Ein zweites Geburtstagspaket, das Brunos Tante verschickt hatte, gab der Postbote beim Nachbarn ab. Bei ihm konnte Anja Müller es unkompliziert ohne Vollmacht oder Geburtsurkunde abholen.

* Name auf Wunsch geändert.

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5Kommentare
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  • 4
    1
    HHCL
    15.02.2018

    Es gibt ja auch noch Packstationen. In Chemnitz aber nicht sonderlich viele.

    Das Problem bei der Zustellung beim Nachbarn ist auch, dass die Haftung und vieles andere eigentlich nicht geklärt ist. Ich habe mal ein Paket mit Ware angenommen, die derjenige dann nicht bezahlt hat. Dann durfte ich mich mit dem Versender herumschlagen, weil ich es je angenommen hätte und nun auch bezahlen sollte. Das ganze hat sich dann zwar aufgeklärt; den Ärger hatte ich trotzdem. DHL bürdet den Leuten da eine Aufgabe auf, für die sie Geld kassieren. Diese Klausel in den AGB ist eine Frechheit und verträgt sich nicht mit der Pingeligkeit am Postschalter. Entweder immer exakt, also mit Ausweis, oder gar nicht.

    Man müsste die Boten vielleichtanständig bezahlen und keine Vorgaben machen, wie viele Pakete irgendwo zugestellt werden müssen. Die Nachbarschaftsauslieferung treibt aufgrund dieses Drucks nämlich bisweilen kuriose Blüten.

  • 0
    2
    Kastenfrosch
    15.02.2018

    >Ich bin sehr dafür, dass man sich immer legitimieren muss und nur die richtigen Empfänger das Paket erhalten. Dann bricht aber das Konzept der DHL und aller anderen Versanddienstleister zusammen, dass wesentlich darauf angewiesen ist, dass Nachbarn Pakete entgegen nehmen. Ein Unding!

    ...oder die Botenzustellung gleich bleiben lassen (zumal tagsüber an Privatadressen, wo die Empfänger vielfach nicht zugegen sind), und stattdessen in die Filiale/Abholstation liefern, und den Empfänger darüber informieren.

  • 9
    1
    HHCL
    15.02.2018

    @diklu: Ja es ist korrekt, aber völlig inkonsequent. Ist das Paket erstmal in der Filiale kann nur noch der exakte Adressat bzw. jemand mit Vollmacht das Paket abholen. Wird das Paket jedoch ausgeliefert, ist jeder x-beliebige Nachbar auf einmal gut genug Pakete entgegen zu nehmen. Pakete landen in irgendwelche Shops, wo sich auch niemand ausweisen musste. Also man sollte sich dann schon mal auf ein Verfahren einigen. Entweder ganz exakt mit Ausweis, oder eben breit gestreut in der Nachbarschaft. Die Gesetzeslage die diesen Unsinn deckt, gehört abgeschafft! Die sind so gestrickt, dass es für DHL am einfachsten ist; sind aber völlig unlogisch. Hätten die Eltern den kleinen Bruno eigentlich auch vorzeigen müssen, wenn der DHL-Bote geklingelt hätte? Da wäre das Paket bestimmt auch an den Klempner abgegeben worden, der gerade zufälligerweise irgend was repariert.

    Ich bin sehr dafür, dass man sich immer legitimieren muss und nur die richtigen Empfänger das Paket erhalten. Dann bricht aber das Konzept der DHL und aller anderen Versanddienstleister zusammen, dass wesentlich darauf angewiesen ist, dass Nachbarn Pakete entgegen nehmen. Ein Unding!

  • 4
    4
    Hinterfragt
    15.02.2018

    Wenn man keine Probleme hat, konstruiert man sich halt welche.
    Wie groß wäre das Geschrei gewesen, wenn jemand fremdes den Abholschein aus dem Briefkasten geangelt und die Postsendung ohne Identitätsprüfung abgeholt hätte ...

  • 7
    1
    diklu
    15.02.2018

    Die Prüfung der Identität eines Postabholers ist völlig korrekt und anerkennenswert. Das war auch schon zu DDR-Zeiten nicht anders. Ein Unding hingegen ist die Aushändigung von Postsendungen an Nachbarn. Dadurch werden nicht nur fremde Menschen belästigt, sondern das steht überdies keinesfalls im Einklang mit dem Thema Datenschutz, welches heutzutage überall so hoch angebunden ist.



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