Wenn die Schule zu ist: Wie Kinder zu Hause lernen

Sachsen steuert auf eine längere Unterrichtspause zu - Für Schulen gibt es keine einheitlichen Vorgaben, wie der Ersatz aussehen soll

Chemnitz.

Sachsen setzt wegen des Coronavirus die Schulpflicht aus. Doch die Schüler sollen trotzdem weiter lernen. Wie geht es nun weiter, und was können Eltern tun? Die "Freie Presse" beantwortet Fragen zur Umsetzung.

Wie wird in Sachsen der Fernunterricht organisiert?

Über die konkrete Ausgestaltung entscheidet jede Schule selbst, vom Kultusministerium gibt es keine einheitlichen Standards und Strukturen. "Die Schulleitungen wissen, was zu tun ist", sagt Susann Meerheim, Sprecherin des Kultusministeriums. Es gibt Lernplattformen im Internet: Eine von vielen sächsischen Schulen genutzte ist "LernSax" vom Landesamt für Schule und Bildung. Schulen nutzen aber auch die eigene Homepage, verteilen Aufgaben und Informationen per E-Mail oder über soziale Netzwerke. Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes, sieht hier noch Nachholbedarf. Nicht jeder Schüler in Sachsen sei verbindlich per E-Mail erreichbar. Und Lehrer, so beklagt er, hätten zwar ein Recht auf eine dienstliche E-Mail-Adresse. "Aber die wird auch nicht in jedem Fall genutzt."

Was können Eltern tun?

Sofern es möglich ist, sollten sie bei den Lehrkräften oder der Schule nachfragen, welchen Stoff sie mit dem Kind wiederholen und lernen können, rät Ilka Hoffmann vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Welche Abläufe sollten beim Hausunterricht gelten?

So geballt wie in der Schule sollten Eltern das Lernen zu Hause nicht gestalten. "Besser ist es, das Lernen über den Tag zu verteilen", rät Hoffman, und dabei genügend Pausen einzubauen. "Eltern können den Schulunterricht nicht simulieren", sagt Maresi Lassek, Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes. Dennoch sei es wichtig, den Tag durch feste Abläufe, zum Beispiel für das Aufstehen und für Mahlzeiten, wie gewohnt zu strukturieren. Auch klare Absprachen für Zeiten zum Lernen helfen. Eltern müssen sich auch nicht streng an den Stundenplan halten. "Lassen Sie das Kind die Reihenfolge aussuchen", rät Hoffmann. Damit kein Stoff zu kurz kommt, können Eltern aber auch sagen: "Gestern haben wir viel Mathe gemacht, dann kommt heute mehr Deutsch dran."

Und die Methodik?

Am besten gestalten Eltern das Lernen anschaulich und spielerisch, empfiehlt Hoffmann - damit die Kinder nicht auf die Uhr schauen, sondern Spaß an der Sache haben und motiviert sind. Für Grundschulkinder empfiehlt Lassek auch Gesellschaftsspiele: "Dabei können Kinder viel lernen - etwa Ausdauer, Regelverhalten, Konzentration." Beim Bauen und Konstruieren stärken Kinder ihre Feinmotorik, Geduld, Wahrnehmung und ihr technisches Verständnis. Hoffmann rät: Statt in ein Mathebuch zu schauen, könnten Eltern bei jüngeren Kindern zum Beispiel Dosen mit Steinchen füllen und fragen: Wie viele Steine fehlen, damit es zehn sind? Oder man entwickelt gemeinsam eine Geschichte und schreibt die Anfangsbuchstaben der Worte auf. Ältere Kinder könnte man fragen, was sie zum Beispiel in Biologie oder Physik besonders interessiert, und dann darauf eingehen. Immer gut sei es, Vokabeln abzufragen oder das Einmaleins zu üben. "Grundlagen kann man eigentlich immer wiederholen", erklärt Hoffmann.

Und was wird aus den Prüfungen?

In Sachsen beginnen am 22. April die Abiturprüfungen. Nach Einschätzung des Kultusministeriums ist der Termin derzeit noch nicht gefährdet. Jens Weichelt vom Lehrerverband äußert sich skeptischer. Eine Lösung, so regt er an, könne auch die Verschiebung auf die Nachprüfungstermine sein, die am 12. Mai beginnen. An den Oberschulen ist die Frage derzeit noch weniger dringlich. Dort beginnen die Prüfungen erst am 25. Mai.(mit dpa)


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2Kommentare
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  • 3
    0
    MuellerF
    16.03.2020

    @HHCL: Wie genau hätten denn Ihrer Meinung nach andere Lösungen aussehen sollen?

  • 6
    8
    HHCL
    13.03.2020

    Was hier beschrieben wird ist dermaßen hilflos und absurd. Man hätte Wochen gehabt um sich auf diesen Fall vorzubereiten.