Erste Hinweise zum Reifenstecher

In Chemnitz treibt seit knapp zwei Jahren ein Serientäter sein Unwesen. Gelingt es nun endlich, ihn zu fassen?

Die Ermittler der Chemnitzer Polizei hatten sich einiges an Kritik und Unverständnis anhören müssen, nachdem sie in der vergangenen Woche einem Tatverdächtigen im Reifenstecher-Fall großzügig eine letzte Chance eingeräumt hatten, sich vor der Veröffentlichung von Überwachungsaufnahmen freiwillig zu stellen. Doch der Mann, der innerhalb von zwei Jahren im Stadtgebiet rund 500 Reifen zerstochen haben und für einen Schaden von rund 80.000 Euro verantwortlich sein soll, hat das Ultimatum verstreichen lassen. Diesmal fackelten die Beamten nicht lange: Nur eine Minute nach Fristablauf gestern um Mitternacht wurden mehrere Videosequenzen und Fotos öffentlich gemacht.

Die Aufnahmen verbreiteten sich im Laufe des Tages rasch hundertfach über die einschlägigen Internetnetzwerke. Selbst das sächsische Innenministerium beteiligte sich - auch dies eher ungewöhnlich. Wo und wann die Aufnahmen genau entstanden sind, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Das Umfeld deutet auf ein Einkaufszentrum hin - vermutlich handelt es sich um das Chemnitz-Center in Röhrsdorf.

Die nicht sonderlich scharfen Bilder zeigen einen Mann offenbar mittleren Alters, der anscheinend stets aufmerksam sein Umfeld beobachtet - um dann, beinahe im Vorbeigehen, mit einem längeren, auf den Aufnahmen nur zu erahnenden Werkzeug auf die Reifen parkender Pkw einzustechen. Das Ganze geschieht nahezu unmerklich und innerhalb von Sekunden, ohne dass der Mann seine Körperhaltung großartig ändert. Sein Kopf ist stets bedeckt - mal mit einer Mütze, mal mit der Kapuze seiner Jacke. Das Auffälligste an seiner eher unauffälligen Erscheinung ist ein recht markanter Gang.

Bei der Polizei sind im Laufe des gestrigen Tages bereits mehrere Anrufe mit Hinweisen eingegangen. "Darunter auch recht konkrete", sagte eine Sprecherin. "Jeder einzelne Hinweis ist für uns wichtig und jedem wird dementsprechend nachgegangen." Die bereits seit Monaten ausgesetzte Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Informationen, die zur Ergreifung des Täters führen, habe weiterhin Bestand.

Von der Reifenstecher-Serie waren seit Frühjahr 2016 vor allem Autos betroffen, die nach Ansicht des Täters regelwidrig abgestellt wurden. Örtliche Schwerpunkte waren der von chronischer Parkplatznot geprägte Kaßberg, der Sonnenberg, Schloßchemnitz, Altendorf, Hilbersdorf, Gablenz, das Lutherviertel und das Stadtzentrum.

Die von der Polizei bereits vor Wochen angestrebte Veröffentlichung der Überwachungsaufnahmen hatte die Justiz zunächst abgelehnt. Erst nach einem erneuten Antrag gab es eine Genehmigung.

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0371 3873448 entgegen.

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