Erstes Gymnasium der Stadt führt sportliches Profil ein

Die Neuerung stößt nicht nur unter Schülern auf Interesse. Dabei wurde sie ein wenig auch aus der Not heraus geboren.

Kaßberg.

Noch vor gut zwei Jahren verfügte das mit rund 1000Schülern größte Gymnasium der Stadt nicht einmal über eine Sporthalle. Der Sportunterricht fand in der Schloßteich- und der Hartmannhalle statt; längere Fußmärsche dorthin und zurück inklusive. Seit Fertigstellung einer modernen, schuleigenen Halle neben dem historischen Altbau ist das Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium innerhalb kurzer Zeit zu einer festen Größe in der Schulsportlandschaft geworden. Erfolge bei Wettkämpfen, wie der Einzug der Schulfußballer ins Landesfinale des Wettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia", zeugen davon.

Nun nimmt das Gymnasium den nächsten Schritt in Angriff: Bereits ab August soll an der Einrichtung neben dem naturwissenschaft- lichen und dem künstlerischen Profil ein sportliches Profil angeboten werden. Einem entsprechenden Beschluss der Schulkonferenz haben das Landesamt für Schule und Bildung und die Stadtverwaltung kürzlich zugestimmt.

Mit dem neuen dritten Profil verfügt das Gymnasium künftig über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal in der Region. Denn eine sport- liche Akzentuierung des für die Klassenstufen acht bis zehn obligatorischen Profilunterrichts wird bislang vergleichsweise selten angeboten. Im Stundenplan schlägt er sich mit drei Stunden nieder - zwei zusätzlichen Einheiten Sport und einer Theoriestunde, wie Schulleiter Andreas Gersdorf erläutert. "Da geht es vor allem um Biologie - das Zusammenspiel von Muskeln, Nerven, Stoffwechsel", so der Rektor.

Mit dem neuen Angebot scheint das Gymnasium ins Schwarze getroffen zu haben. Die ersten beiden Gruppen mit je 20Schülern für das kommende Schuljahr seien nahezu komplett belegt, sagt Schulleiter Gersdorf. Und das, obwohl das neue Profil angesichts der seinerzeit noch ausstehenden Genehmigung nur unter Vorbehalt angeboten werden konnte und die Inhalte bewusst anspruchsvoll konzipiert wurden.

Laut Kultusministerium richtet sich das sportliche Profil nicht zuletzt an sportinteressierte Schüler, die nicht die auf Leistungssportler zugeschnittenen Sportgymnasien besuchen wollen oder können. Der Sport werde dabei aus sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. "Neben der gesundheitlichen Funktion ist die wirtschaftliche und politische Funktion des Sports von besonderer Bedeutung", heißt es. Durch Sport qualifizierten die Schüler "ihre Handlungsfähigkeit für eine aktive Teilhabe an diesem Kulturbereich".

Mit seiner Entscheidung, ein sportliches Profil anzubieten, trägt das Andrégymnasium aber auch aktuellen Problemen der sächsischen Schullandschaft Rechnung. So sei das Fach Sport auf absehbare Zeit weit weniger vom Lehrermangel betroffen als die meisten Naturwissenschaften, erläutert Schulleiter Gersdorf. "Auch Lehrer für Biologie stehen uns zum Glück genügend zur Verfügung."

Nicht nur unter Schülern und Eltern stößt das neue Angebot auf Interesse. Auch Sportwissenschaftler der TU Chemnitz und erste Sportvereine haben sich bereits nach Möglichkeiten einer Zusammenarbeit erkundigt. "Wir halten das sportliche Profil in Ergänzung zu Sportgymnasium und Sportoberschule für ein sehr interessantes innerstädtisches Angebot", sagt Konstantin Lwowsky, Sportdirektor des Basketballvereins Niners Chemnitz. Nähere Gespräche mit der Schulleitung seien demnächst geplant.

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