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Die Polizei fährt vor, der Täter steht vor dem Haus. Doch die Zeit ist laut Inhaber falsch: 1.19 Uhr wäre korrekt.

Foto: Screenshot Überwachungsvideo

Hakenkreuze gegen Kurden und die Frage: Was sah die Chemnitzer Polizei?

Eine Fladenbrotbäckerei wurde mit Nazisymbolen beschmiert. Die Polizei war in der Tatnacht vor Ort und traf einen Täter - ohne ihn zu verhaften. Schon wieder die Sachsen, empörte sich das Netz. Doch womöglich gibt es gar keinen Skandal.

Von Andreas Klinger und Oliver Hach
erschienen am 11.01.2018

Chemnitz. Bei Twitter brach ein Sturm der Entrüstung los: "Das is Sachsen. Da is Rechtsradikalismus hip auch innerhalb der Polizei", meinte ein Nutzer. Ein anderer kommentierte: "Nichts Ungewöhnliches, alles im Lot in #Braunland". Und das "Neue Deutschland" titelte am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe: "Rechte schmieren Hakenkreuze, Polizei lässt gewähren".
Sachsen war mal wieder in den Schlagzeilen - und der Vorwurf wog schwer: Polizeibeamte in Chemnitz sollen rechte Schmierereien gesehen und sogar einen der Täter am Tatort angetroffen haben - ohne einzugreifen. In der Nacht zum Dienstag hatten Unbekannte eine Fladenbrotbäckerei im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg mit Parolen wie "Sieg Heil" sowie Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Nach Angaben des Inhabers war es nicht der erste derartige Angriff - doch diesmal blieb er nicht unbeobachtet: Mehrere Überwachungskameras, die der kurdischstämmige Unternehmer installieren ließ, hielten das nächtliche Geschehen rund um das Gebäude detailliert fest.

Die Täter in Aktion um 1.35 Uhr. Beide Bilder stammen von den Überwachungskameras der Bäckerei.

Foto: Screenshot Überwachungsvideo

Eine Aufnahme aus dem Inneren des Hauses zeigt, wie um 2.19 Uhr ein Polizeiauto vor dem Gebäude vorfährt und ein junger Mann mit Baseballmütze auf den Wagen zugeht. Auf Bildern einer Außenkamera, die die Zeit 1.35 Uhr anzeigt, ist zu sehen, wie dieselbe Person zusammen mit einem zweiten Mann die Fassade des Gebäudes besprüht.Ein Online-Nachrichtenportal erweckte dabei den Eindruck, dass die
Polizeistreife die rechten Parolen und Symbole an der Bäckerei gesehen haben muss und nicht einschritt. Kaya Yavuz, der Betreiber der Bäckerei, sagte indes der "Freien Presse", bei der Innenkamera sei noch die Sommerzeit eingestellt gewesen; die Uhr ging dort also eine Stunde vor. Tatsächlich zeigen auch die entsprechenden Video-Dateien, die der "Freien Presse" vorliegen, in den Eigenschaften jeweils eine um eine Stunde frühere Erstellzeit. Das würde bedeuten, dass die Polizei nicht nach der Tat, sondern etwa
15 Minuten vorher vor Ort war.

Neben der Aufschrift "Tod und Hass der BSG" prangten an dem Ladengeschäft von Yavuz Kaya auch zwei rote Hakenkreuze und eine SS-Aufschrift in Runenform.

Foto: Andreas Seidel

Die Polizeidirektion Chemnitz äußerte sich am Donnerstag noch nicht zu dem Hergang. Man prüfe die Kameraaufnahmen; diese müssten zunächst in eine Chronologie gebracht werden. "Erst danach kann eine Aussage dazu getroffen werden, zu welchem Zeitpunkt des Geschehens unsere Streife vor Ort gewesen ist", sagte Sprecherin Jana Kindt und betonte: "Darüber hinaus werden selbstverständlich die Polizisten zum Geschehen in jener Nacht befragt." Der Empörung im Internet versuchte sie mit Gelassenheit zu begegnen: "Wir müssen anders arbeiten, als in sozialen Netzwerken gearbeitet wird." Das Hauptaugenmerk gelte der Ergreifung der Täter. Sollte die Polizei diese anhand der Videoaufnahmen nicht selbst identifizieren können, werde die Staatsanwaltschaft bei Gericht eine Öffentlichkeitsfahndung beantragen. Die Videos würden dann veröffentlicht.

Den Sachschaden an der Bäckerei, den die Polizei auf 10.000 Euro schätzt, muss Inhaber Yavuz nun wohl auf eigene Kosten beseitigen. Seine Gebäudeversicherung decke den Graffiti-Schaden nicht ab, berichtete er. Kritik am Verhalten der Polizei kam von ihm nicht. Aber zumindest ein Hinweis: "Ich wünschte, die Polizei hätte die Personalien von dem Jungen aufgenommen, den sie vor dem Laden angetroffen hat", sagte Yavuz. "Dann hätte sich leichter überprüfen lassen, wer den Laden beschmiert hat."

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
23
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.01.2018
    09:22 Uhr

    1953866: SimpleMan mein x-ter Versuch: Den verlinkten Beitrag kann jeder selber weiter lesen.Zu Ihren Zahlen sage ich ganz deutlich, ich habe zu Statistiken der Polizei bedeutend mehr Vertrauen als zu Zahlen irgendwelcher Stiftungen.

    0 3
     
  • 14.01.2018
    16:45 Uhr

    BlackSheep: http://www.tagesspiegel.de/politik/trotz-rechter-kampagne-weiter-staatsgeld-fuer-amadeu-antonio-stiftung/14940904.html
    https://de.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane
    Immer wieder ein spannendes Thema, welchen Quellen kann man glauben? Wer bei der Stasi war weis wie man Leute manipuliert.

    1 3
     
  • 13.01.2018
    14:19 Uhr

    SimpleMan: @1953866 "... Gespräche mit Polizeibeamten und Verfassungsschützern..., zeigen, dass ... auch die Verbuchung einer Hakenkreuzschmiererei als ?rechtsextrem? zunehmend als Problem gesehen werden..."
    Warum haben Sie hier aufgehört diesen Bericht zu zitieren? Interessant ist auch der direkt darauffolgende Satz: " ...Zudem bilanziert der Expertenbericht: ?Die Polizei neigt zu Vermeidungsstrategien und verweist selbst bei der Offensichtlichkeit des Tatmotivs häufig auf alternative, nicht politische Tathintergründe.? Dort wird als Beispiel auf die Diskrepanz zwischen den vom Bundeskriminalamt zwischen 1990 und 2015 gezählten 75 Tötungsdelikten seitens rechter Gewalt verwiesen, während die Amadeu-Antonio-Stiftung auf mindestens 179 Todesopfer kommt. ..."

    4 2
     
  • 13.01.2018
    10:57 Uhr

    BlackSheep: @SimpleMan, würde reichen wenn Sie beides lesen und zusammen betrachten, aber Sie blenden ja das aus was ihnen nicht in den Kram passt.

    5 3
     
  • 13.01.2018
    01:49 Uhr

    Kastenfrosch: Ach so, das waren Fußballanhänger -- dann können das ja gar keine Rechten gewesen sein! Und wenn irgendwo "Dagobert Duck" neben den Hakenkreuzen stünde, würde jetzt in Entenhausen ermittelt, wie?

    >Also, dass die Personen auf den beiden Bildern die gleichen sind sehe ich anders.
    Auf dem Bild der Innenkamera hat die Person eine dunkle Jacke mit hochgestellten Kragen auf dem Bild der Außenkamera eine helle mit Kapuze.

    Es ist davon auszugehen, dass die ermittelnden Stellen unsere Mutmaßungen auf Basis zweier Standbilder nicht nur nicht brauchen, sondern dankenswerterweise auch gänzlich unbeachtet lassen werden. Dennoch ein Stichwort: Infrarot. Dies würde die ungewohnte Farbwiedergabe (Rasen auf dem einen Foto, Pflanze/Weihnachtsbaum auf dem anderen; mutmaßlich grün -> schneeweiß) erklären, und möglicherweise auch, warum sich die Personen bei vergleichsweise wenig Umgebungslicht (und ordentlich Sprit im Tank) offenbar recht sicher wähnten (den Volkswillen auch nicht zu vergessen). Wenn ich -- unter dieser Prämisse -- den Flaschenhalter auf dem einen, mit der Person auf dem anderen Foto vergleiche, sind sich die beiden so unähnlich jedenfalls nicht.

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