Neues Konzept: Wie die Stadt Schandflecke beseitigen will

Internetportal soll Eigentümer, Investoren und Nutzer zusammenbringen - 60 Brachen stehen im Fokus

Limbach-Oberfrohna.

Die Stadt Limbach-Oberfrohna hat ein neue Strategie mit dem Ziel vorgestellt, die Sanierung von Brachen voranzutreiben. Die "Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist der Kern der neuen Strategie?

Eigentümer von Brachen sowie potenzielle Nutzer und Investoren sollen angesprochen und miteinander in Kontakt gebracht werden. Zu diesem Zweck ist ein sogenanntes Altbaumanagement ins Leben gerufen worden. Es wird auf einer Internetseite vorgestellt, die das Unternehmen Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung (WGS) im Auftrag der Stadt erstellt hat und mit Inhalten füllt.

Was hat die Zielgruppe von dem Projekt?

Eigentümer, die ihre Immobilie sanieren wollen, finden auf dem Portal Hinweise zu möglichen Förderprogrammen. "Manche Eigentümer wissen gar nicht, was sie mit ihrer Immobilie tun sollen", sagt WGS-Geschäftsführer Jens Wagner. In dieser Hinsicht könne man Tipps geben. Wer ein Gebäude verkaufen will, findet über die Internetseite im besten Fall Interessenten. Diese wiederum können sich informieren, an welcher Stelle Investitionen in Limbach-Oberfrohna sinnvoll sein könnten.

Welche Brachen sollen über das Portal vermarktet werden?

Die WGS-Mitarbeiter haben gemeinsam mit der Stadtverwaltung gut 60 Objekte identifiziert, in denen sie Potenzial sehen. Ein Beispiel stellt das ehemalige Wohngebäude Pleißaer Straße 25/Ecke Hohensteiner Straße dar, das herrenlos ist. Es steht seit Jahren leer, Fußgänger werden durch ein Gerüst vor herunterfallenden Teilen geschützt. Weitere Gebäude befinden sich laut Angelika Spangenberg von der Stadtverwaltung etwa an der Hohensteiner und der Frohnbachstraße. Konkrete Adressen wollen die Verantwortlichen noch nicht nennen, da die Eigentümer bislang erst zum Teil kontaktiert wurden. Ihr Einverständnis ist die Voraussetzung dafür, dass die Gebäude beim Altbaumanagement berücksichtigt werden.

Wie haben die bereits angesprochenen Eigentümer reagiert?

Sehr unterschiedlich, wie WGS-Mitarbeiterin Maria Weißenfels berichtet. Einige hätten sich gefreut, dass es Hilfestellung bei der Entwicklung ihres Gebäudes gibt. Andere hätten hingegen kein Interesse gezeigt.

Gibt es ein Vorbild für das Projekt?

Ja. Die WGS hat ein ähnliches Projekt unter dem Titel Stadt-Wohnen bereits in Chemnitz etabliert. Dabei habe man positive Erfahrungen gesammelt, sagt Geschäftsführer Wagner, sodass man auch für Limbach-Oberfrohna zuversichtlich sei.

Ist der Optimismus nicht übertrieben, da sich bei vielen Gebäuden seit Jahrzehnten nichts getan hat?

Nein, sagt Wagner. Wer in Sachsen sanierungsbedürftige Immobilien entwickeln wolle, komme in Leipzig und Dresden inzwischen nicht mehr zum Zug. Auch in Chemnitz sinke die Anzahl der potenziellen Objekte. Deshalb hält es Wagner für denkbar, dass kleinere Städte wie Limbach-Oberfrohna zunehmend in den Fokus von Investoren geraten.

Was ist der Unterschied zwischen dem Altbaumanagement und einem klassischen Immobilienportal?

"Das Projekt stellt keine Konkurrenz zu Immobilienportalen dar", betont WGS-Mitarbeiter Martin Neubert. Schließlich gehe es um Brachen, die sonst kaum beachtet würden und deshalb auf dem klassischen Immobilienmarkt keine Rolle spielten.

Warum hält die Stadtverwaltung eine neue Strategie für nötig?

Weil die Beseitigung von Brachen ein sehr schwieriges Geschäft ist. Meist befinden sich die leer stehenden Industrie- oder Wohngebäude in Privatbesitz. Nicht selten sind die Eigentumsverhältnisse kompliziert, etwa wenn die Mitglieder einer Erbengemeinschaft über verschiedene Länder oder gar Kontinente verstreut sind. "Es ärgert uns, wenn die Eigentümer sich nicht kümmern", sagt Oberbürgermeister Jesko Vogel.

Welche Erfolge hat es zuletzt gegeben?

Die Stadt hat einige Brachen abreißen lassen, die sie unter anderem bei Zwangsversteigerungen erworben hat. So sind die Schandflecke Helenenstraße 76, Wasserstraße 4 und Hohensteiner Straße 186 verschwunden.

Wie viele Brachen gibt es eigentlich in Limbach-Oberfrohna?

2016 hat ein Chemnitzer Städtebau-Büro im Auftrag der Stadt eine Bestandsaufnahme erarbeitet. Darin sind etwa 60 Industrie- und Wohngebäude aufgeführt, die nicht mehr genutzt werden und zunehmend verwahrlosen. Hinzu kommen knapp 80 Brachflächen, die vor allem durch Abriss entstanden sind, und knapp 30 Lücken innerhalb der Bebauung, die für Bauvorhaben zur Verfügung stehen. (jop)

Das neue Internetportal ist unter der Adresse www.altbau-lo.de zu finden.

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