Reaktionen auf Crystal-Studie - Stadt will Prävention ausbauen

Die Chemnitzer Zahlen einer EU-Drogen-Studie lassen aufhorchen. Jetzt sollen neue Maßnahmen Abhilfe schaffen.

Chemnitz nimmt einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. In einer aktuellen Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) wurden die Abwässer in EU-Städten auf Rückstände von Drogen untersucht. Das Ergebnis: In keiner teilnehmenden Stadt war die Konzentration an Crystal-Rückständen höher als in Chemnitz.

Rechnet man die Resultate der Studie auf die fast 250.000 Einwohner der Stadt hoch, so zeigt sich, dass täglich rund 60 Gramm der Droge in der Stadt konsumiert werden. Zwar können sich aus der Untersuchung des Abwassers gewisse Ungenauigkeiten bei den ermittelten Daten ergeben, wie Professor Ludwig Kraus vom Münchener Institut für Therapieforschung anmerkt. Er vertritt das Netzwerk europäischer Chemiker, die die Untersuchungen durchgeführt haben. Doch eine Hochrechnung auf die Gesamtmenge in einer Stadt sei durchaus vertretbar.

Daraus Rückschlüsse auf die Zahl der Konsumenten zu ziehen, hält Marco Dobeck, Mitarbeiter der Jugendsucht- und Drogenberatung der Stadtmission, allerdings nicht für möglich. Dazu seien die Unterschiede zwischen den Crystal-Konsumenten schlicht zu groß. Personen, die über einen längeren Zeitraum Kontakt zur Droge haben, berichteten ihm von Tagesmengen, die teilweise zwei Gramm überschreiten. Gelegenheitskonsumenten kämen jedoch auf weitaus geringere Werte. Dobeck verweist auf Erhebungen von spezialisierten Suchtkliniken, die die Einstiegsmenge mit etwa 0,2 Gramm Crystal pro Tag angeben.

Die Stadt zeigt sich angesichts der jüngsten Ergebnisse alarmiert. Die hohe Belastung des Abwassers mit Crystal-Rückständen sei ein Signal, die präventive Arbeit im Bereich Sucht und gegen Drogen zu verstärken, wie ein Sprecher erklärte. Man denke derzeit über eine Erweiterung der Drogenberatung auf die Chemnitzer Party- und Diskothekenszene und eine stärkere Kooperation mit der Bundespolizei nach, die für den Grenzschutz zuständig ist. Außerdem sei für das kommende Jahr eine Befragung zum Thema Drogen unter allen Schülern ab Klasse fünf geplant.

Für Suchtprävention bereits in Kindergärten und Schulen setzt sich auch Kerstin Knorr ein. Sie ist Suchttherapeutin und leitet das Chemnitzer Beratungszentrum des Advent-Wohlfahrtswerks. Zwar habe die Stadt mehrere zusätzliche Stellen in den Suchtberatungsstellen geschaffen, sodass nun eine umfangreichere Betreuung der Klienten möglich sei, doch an der Abstimmung zwischen den einzelnen Stellen müsse noch gearbeitet werden. Knorr denkt dabei etwa an eine Vernetzung mit dem Jugendamt oder dem Wohnaufsichtsamt. Derzeit evaluiere man die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte und wolle dann, je nach Bedarf, Veränderungen anstoßen.

Bereits im Jahr 2013 hatte das städtische Gesundheitsamt vor dem Konsum von Crystal gewarnt. "Die gesundheitlichen und sozialen Schäden sind enorm ausgeprägt", hieß es damals. Wegen der Nähe zur tschechischen Grenze sei die "preiswerte" Droge, die von Konsumenten häufig als Ersatz für das teurere Heroin genutzt werde, in der Stadt weiter verbreitet als in anderen Regionen.

Auch die Polizei Chemnitz erklärte auf Anfrage, dass Rauschmitteldelikte seit Jahren einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit darstellten. Die in den vergangenen Monaten verstärkten Komplexkontrollen in der Innenstadt seien eine Maßnahme dagegen. Zahlen zu Konsumenten oder Drogen im Umlauf könne man aber nicht nennen.

Die Sächsische Suchtkrankenhilfe weist in ihrem aktuellsten Bericht für den Freistaat mehr als 1600 Crystal-Konsumenten in Behandlung aus. Zwar sei nur noch ein geringes Wachstum der Fallzahlen festzustellen, doch die Zahl der betreuten Patienten verharre auf einem dauerhaft hohen Niveau.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    mathausmike
    09.03.2018

    Prävention ist wichtig,wird aber allein nicht reichen.
    Gegen Chrystal muß ein Kampf geführt werden,ohne Kompromis -se und und harten strafrechtlichen Mitteln.



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