Sonnenenergie soll Strom für Häuser und Elektroautos liefern

Die Siedlungsgemeinschaft beteiligt sich mit einer Photovoltaikanlage an einem bundesweiten Pilotprojekt. Das verspricht nicht nur Mietern Vorteile.

Mieter beziehen Strom vom Dach und steigen für Erledigungen in Leih-Elektroautos, die an der Ladesäule neben dem Haus bereitstehen. Was nach einer Vision für die nächsten Jahrzehnte klingt, soll im Flemminggebiet noch dieses Jahr Realität werden. Das Gebäude Alfons-Pech-Straße 18 bis 24 ist Teil eines Pilotprojektes unter Federführung der Wohnungsgenossenschaft Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft (CSg).

"Im Juli wollen wir die Photovoltaikanlage installieren", sagte gestern Klaus Hoffmann, Aufsichtsratsvorsitzender der CSg und Geschäftsführer des Energiedienstleisters Heos, der ebenfalls an dem Projekt mit dem Namen "Winner" beteiligt ist. Das englische Wort für Gewinner setzt sich in diesem Fall aus Anfangsbuchstaben der sperrigen vollständigen Projektbezeichnung "Wohnungswirtschaftlich integrierte netzneutrale Elektromobilität in Quartier und Region" zusammen.

Während der Projekt-Laufzeit bis Herbst 2019 wollen die Beteiligten - außer der CSg und Heos Energy sind das der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, die Lichtensteiner Softwarefirma NSC, der Leipziger Car-Sharing-Anbieter Teil- Auto, der Gebäudemanagement-Dienstleister Gemag aus Cottbus und die Friedrich-Schiller-Universität Jena - insgesamt 3,8 Millionen Euro aufwenden. 2,5 Millionen Euro davon übernimmt das Bundeswirtschaftsministerium aus einem Programm zur Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Elektromobilität.

"Winner ist eines von bundesweit 13 Pilotprojekten, die mit Geld aus diesem Programm gefördert werden", erklärte CSg-Vorstand Denis Keil gestern bei einer Präsentation, zu der auch Stadträte, Vertreter des Umwelt- und des Tiefbauamtes der Stadt sowie des Versorgers Eins gekommen waren. Träger der 13 Pilotprojekte ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Alle sieben am Chemnitzer Projekt beteiligten Partner sollen eigene Teilprojekte zu bestimmten Aspekten bearbeiten, erklärte Keil. So werde neben rechtlichen und Steuerfragen beispielsweise auch untersucht, ob die vorhandenen Stromnetze zum gleichzeitigen Nachladen der Batterien vieler Elektroautos ausreichen.

Außer an der Alfons-Pech-Straße sollen auch bei Heos Energy im Gewerbegebiet an der Jagdschänkenstraße und bei NSC in Lichtenstein Ladestationen für E-Mobile mit Strom aus Photovoltaikanlagen gespeist werden. Insgesamt elf Elektrofahrzeuge, darunter Pkw und Kleintransporter, wollen Teil-Auto und andere Projektpartner anschaffen und an Mieter und Dienstleistungsunternehmen verleihen. "Indem Elektroautos gemeinsam genutzt werden, relativieren sich die hohen Anschaffungskosten, die Fahrzeuge und die Stellplätze an den Ladesäulen werden besser ausgelastet", blickte Keil voraus.

Im Flemminggebiet wird das Pilotprojekt noch darüber hinaus gehen: Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Wohnblocks Alfons-Pech-Straße 18 bis 24 will die CSg nicht nur zwei Ladesäulen auf dem Parkplatz am Haus betreiben, sondern auch sogenannten Mieterstrom erzeugen und verkaufen, der weniger kostet als Strom aus dem Netz. Die rechtliche Möglichkeit dafür will die Bundesregierung noch dieses Jahr durch Gesetzesänderungen schaffen, kündigte Referent Christian Liebich vom Bundeswirtschaftsministerium gestern an.

Zum Ende des Projektes 2019 soll das Geschäftsmodell auf andere Regionen bundesweit übertragen werden. Die CSg verspricht sich - auch angesichts zunehmender Altersarmut - niedrigere Warmmieten sowie eine höhere Attraktivität für jüngere, umweltbewusste Mieter. "Letztlich wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern", so Keil.

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